Intensivmedizin

ASIC: App warnt vor akutem Lungenversagen

Eine von der Medizininformatik-Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelte Warn-App hilft Ärzten, die Vorboten eines akuten Lungenversagens schneller zu erkennen. Das Frühwarnsystem optimiert auch die Versorgung von COVID-19-Patienten.

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Mithilfe Künstlicher Intelligenz spürt eine innovative Software in den Routinedaten von Intensivpatienten Hinweise auf drohende Komplikationen auf

© Uniklinik RWTH Aachen 

Vom Herzschlag bis zur Atmung – elektronische Systeme überwachen kontinuierlich die Vitalfunktionen von Patienten auf den Intensivstationen. Doch in der Fülle der Daten können Vorboten auf mögliche Komplikationen im Klinikalltag nicht immer sofort erkannt werden. „Das betrifft insbesondere frühe Stadien des akuten Lungensagens“, weiß Univ.-Prof. Dr. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen. „Um das zu ändern, haben wir im Rahmen des SMITH-Konsortiums der Medizininformatik-Initiative ein intelligentes elektronisches System entwickelt. Es sucht in den Routinedaten der Patientinnen und Patienten automatisch nach Anzeichen eines drohenden Lungenversagens. Wird das System fündig, sendet es sofort eine Nachricht auf die Dienst-Smartphones der behandelnden Ärztinnen und Ärzte – noch bevor sich der klinische Zustand der Betroffenen verschlechtert“, so Marx.

Nach Überprüfung der Diagnose am Krankenbett kann das medizinische Personal therapeutische Maßnahmen unverzüglich einleiten. Die App zeigt ihnen dabei die im Einzelfall leitliniengerechten Therapieempfehlungen. Als „digitaler Expertenberater“ hilft sie, Zeit zu gewinnen – und Leben zu retten.

Die Resonanz der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen ist durchweg positiv – die Akzeptanz ist groß

Gernot Marx

Der Bedarf für ein solches Frühwarnsystem ist hoch. Jeder zehnte Intensivpatient in Deutschland erleidet während seiner Behandlung ein akutes Lungenversagen – jeder vierte davon stirbt. In der aktuellen Pandemie betrifft diese Komplikation zusätzlich viele COVID-19-Patienten, die auf den Intensivstationen beatmet werden, da diese infolge der Erkrankung häufig ein akutes Lungenversagen entwickeln.

Die Früherkennungs-App – im Fachjargon „Algorithmische Überwachung von Intensivpatienten“ oder kurz ASIC genannt – hat das vom BMBF geförderte Medizininformatik-Konsortium SMITH unter der Federführung der Uniklinik RWTH Aachen entwickelt. Nach einer zweijährigen Entwicklungs- und Testphase wurde ASIC bereits als Medizinprodukt CE-zertifiziert. „Die Resonanz der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen ist durchweg positiv – die Akzeptanz ist groß“, so Prof. Marx. In der aktuellen Qualitätssicherungsphase integrieren die universitätsmedizinischen Standorte des SMITH-Konsortiums – neben Aachen sind dies Bonn, Düsseldorf, Halle, Hamburg, Jena, Leipzig und Rostock – die ASIC-App in die Systeme ihrer Intensivstationen. Auch der Einsatz der ASIC Früherkennungs-App auf weiteren Intensivstationen in regionalen – nicht universitären – Kliniken ist im Rahmen des Rollouts des SMITH Projektes vorgesehen.


Quelle: Uniklinik RWTH Aachen

22.07.2020

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