Knie-MRT

Artefakte, Anatomie und Anamnese

Schmerzzustände im Knie lassen sich nicht immer eindeutig durch klinische Untersuchung, Ultraschall und Röntgen diagnostizieren. Bei unklaren Befunden und zur optimalen Therapieplanung kommt deshalb häufig die MRT ins Spiel. Aber auch wenn das Verfahren in der Lage ist, Knieverletzungen und –pathologien mit sehr hoher Treffsicherheit nachzuweisen, gibt es einige Stolpersteine, die den Radiologen bei der korrekten Bildbefundung zu Fall bringen können. Wo mögliche Fehlerquellen lauern, verrät Prof. Dr. Martin Vahlensieck, Geschäftsführer des Praxisverbundes Praxisnetz Radiologie & Nuklearmedizin Bonn-Bad Godesberg-RheinSieg.

Prof. Dr. Martin Vahlensieck
Prof. Dr. Martin Vahlensieck

Für Fehlinterpretationen bei der Knie-MRT gibt es sehr verschiedene Ursachen. Da wäre zunächst einmal eine schlechte Bildqualität, sprich Bildartefakte, die etwa durch die Pulsation der Arterien, Bewegungen des Patienten oder Metallteile im Körper entstehen können. Ganz ausschließen lassen sich solche Störfaktoren jedoch nie, meint der Bonner Facharzt: „Sicher könnte man beispielsweise versuchen, die Pulsationsartefakte durch ein EKG zu unterdrücken. Aber das wäre viel zu aufwendig. Andere Artefakte lassen sich durch Sedierung des Patienten vermeiden, aber manchmal kommt man auch einfach nicht darum herum, Bilder mit Artefaktüberlagerungen interpretieren zu müssen. Deshalb ist man am besten beraten, sein Auge gut zu schulen, um solche menschlichen oder technischen Fehlerquellen besser zu erkennen.“

Eine ganz andere Kategorie von Fehlerquellen, bei denen man jedoch auch nicht ums Erlernen und Einüben herumkommt, stellen die anatomischen Varianten dar. Denn nicht jedes Knie sieht bei jedem Menschen gleich aus. So gibt es u.a. inkonstante Bänder zwischen den vorderen Menisken oder auch Bänder vom Meniskus zum Knochen, mit denen man als Radiologe vertraut sein muss. Denn da sie nicht bei jedem Patienten sichtbar sind, liegt man sonst schnell dem Trugschluss auf, es handle sich um eine Pathologie. Prof. Vahlensieck nennt noch ein weiteres Beispiel: „Es gibt einige wenige Patienten, die zwei anstatt einen Knochenkern der Kniescheibe haben. Dabei handelt es sich um eine angeborene Anomalie. Jedoch kann solch eine zweigeteilte Kniescheibe schnell mal als gebrochen fehlinterpretiert werden.“

Aber nicht nur individuelle Normabweichungen können tückisch sein. Durch die hohe räumliche Auflösung der Hochfeldsysteme lassen sich heute anatomische Details erkennen, die man vor einigen Jahren so noch gar nicht zu Gesicht bekommen hat. „Da muss man sich auch immer noch einmal nachschulen und lernen, wie die normale Anatomie aussieht“, rät der Experte.

Der entscheidende Punkt, um mögliche Fehlerquellen in der Diagnostik zu vermeiden, ist für ihn jedoch die Anamnese: „Ich erlebe immer wieder mal, dass Kollegen versuchen Bilder zu interpretieren, ohne den Patienten gesehen zu haben. Das führt häufig zu Fehldiagnosen.“ Für Vahlensieck ist das Vorgespräch mit dem Patienten fester Bestandteil einer jeden MRT-Untersuchung des Bewegungsapparats. Dabei gilt es abzuklären, wo genau der Schmerzpunkt liegt, ob er sich bei unterschiedlichen Funktionszuständen verlagert und in welchen Situationen die Beschwerden auftreten, z.B. beim Treppensteigen oder Joggen. „Natürlich wünscht man sich, dass der Zuweiser schon alle klinischen Untersuchungen durchgeführt hat und einem alle Informationen zur Verfügung stellt“, unterstreicht der Professor mit Nachdruck. „Aber man kann sich nicht darauf verlassen und es ersetzt auch nicht die Notwendigkeit, sich einen eigenen Eindruck vom Patienten zu verschaffen. Es verkürzt den Vorgang lediglich.“

 

PROFIL:
Prof. Dr. Martin Vahlensieck ist seit 1993 Facharzt für Diagnostische Radiologie. Er studierte in Bonn und war später am Malteserkrankenhaus, einem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Bonn, tätig. Während eines Auslandsaufenthalts in der Radiologischen Klinik der Universität San Francisco spezialisierte sich Vahlensieck auf dem Gebiet der Radiologie des Stütz- und Bewegungsapparates. Von 1991-1998 arbeitete er an der Radiologischen Universitätsklinik Bonn. In dieser Zeit erweiterte er seine Schwerpunkte um die Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie. 1999 wechselte der Radiologe in den niedergelassenen Bereich. Seine Röntgenpraxis verfügt über acht Standorte in Bonn und betreibt neben der klinischen Versorgung auch Forschungsprojekte.

30.01.2015

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