Prof. Marion Subklewe und Dr. Clemens Gießen-Jung von der Medizinischen Klinik...
Prof. Marion Subklewe und Dr. Clemens Gießen-Jung von der Medizinischen Klinik und Poliklinik III testen das COVID-19 Caregiver Cockpit

© LMU Klinikum

'Caregiver Cockpit' vs. Corona

App ermöglicht engmaschige COVID-19-Nachsorge

Die Gruppe der stationär behandelten COVID-19-Patienten, die sich von ihrer Erkrankung soweit erholt haben, dass sie in die häusliche Quarantäne entlassen werden können, wird von Tag zu Tag größer.

Diese Patienten sind jedoch auch in ihren eigenen vier Wänden weiter auf eine engmaschige medizinische Betreuung angewiesen – dies gilt umso mehr, weil zum Verlauf einer COVID-19-Erkrankung auch eine erneute Verschlimmerung der Symptome gehören kann. Am LMU Klinikum in München erleichtert nun eine App die Nachsorge der entlassenen COVID-19-Patienten. Hierfür müssen sie nur das COVID-19 Caregiver Cockpit von Cankado auf ihr Smartphone laden und die Messergebnisse ihrer Körpertemperatur und ihrer Atemfrequenz jeweils morgens und abends in das Tool eintragen. Dabei fungiert die App als digitales Corona-Tagebuch, das der Patient schreibt. Der Arzt kann es mitlesen und so kontinuierlich den Gesundheitszustand seines Patienten überwachen.

Durch die frühzeitige Erfassung einer möglichen Gefahrensituation können wir mit dem Patienten in Kontakt treten und weitere diagnostische Schritte planen

Clemens Gießen-Jung

Entwickelt wurde das COVID-19-Modul für die Cankado-Patienten-App von Prof. Timo Schinköthe, dem Hauptgeschäftsführer von Cankado. Ideengeberin war Prof. Dr. Marion Subklewe: Die Oberärztin der Medizinischen Klinik und Poliklinik III des LMU Klinikums setzt die App schon seit Längerem für die Betreuung von Krebspatienten ein und erkannte, dass die Anwendungssoftware auch für die digitale Nachsorge von COVID-19-Patienten genutzt werden kann.

Das COVID-19 Caregiver Cockpit ist vor allem im Ernstfall enorm hilfreich: Zeigen die dokumentierten Messungen eine Verschlechterung des Gesundheitszustands an, können die Ärzte umgehend reagieren und den Patienten zum Beispiel erneut ins Klinikum einbestellen. „Durch die frühzeitige Erfassung einer möglichen Gefahrensituation können wir mit dem Patienten in Kontakt treten und weitere diagnostische Schritte planen. Wir hoffen so auch die Rettungsdienste entlasten zu können“, erklärt PD Dr. Clemens Gießen-Jung, der als Oberarzt die COVID-19-Patienten auf Station G22 – einer Coronastation des Klinikums – betreut. Für ihn ist die App deshalb ein wertvolles Instrument zur Verbesserung der Nachsorge, mit dem sich unkompliziert und zugleich sehr effektiv die Versorgungslücke schließen lässt, die COVID-19-Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus droht. Das tut auch den Patienten gut: „Zu wissen, dass sie sich dank des COVID-19 Caregiver Cockpit weiterhin in medizinischer Obhut befinden, gibt ihnen Halt und die nötige Sicherheit, um Ängste abzubauen und zu Hause in Ruhe zu genesen“, so Gießen-Jung.

Im nächsten Schritt soll das COVID-19 Caregiver Cockpit speziell auch von Krebspatienten genutzt werden können, damit sie und ihre Ärzte frühzeitig Symptome einer COVID-19-Infektion erkennen können. Zudem ist angedacht, die App in den Isolationszimmern des Klinikums einzusetzen. Das COVID-19 Caregiver Cockpit ist ein registriertes Medizinprodukt in der Europäischen Union und entspricht den Vorgaben der US-FDA für mobile Medizinprodukte. In der aktuellen Ausnahmesituation hat sich Cankado entschieden, die App kostenlos zur Verfügung zu stellen.


Quelle: Klinikum der Universität München (LMU)

06.05.2020

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