Akute myeloische Leukämie

AML: Bluttest verringert Leukämie-Rückfälle

Erkrankt ein Mensch an einer akuten Leukämie, handelt es sich in 80 Prozent der Fälle um eine akute myeloische Leukämie (AML). Fast die Hälfte der Betroffenen jüngeren Patienten erlebt dabei auch nach erfolgreicher Chemotherapie-Behandlung eine Wiederkehr des Blutkrebses.

In einer weltweit ersten systematischen Studie dazu konnten Krebsexperten der Universitätsklinika Leipzig und Dresden jetzt nachweisen, dass sich mit Hilfe einer Bluttest-basierten Früherkennung das Risiko einer erneuten Erkrankung vorhersagen und durch eine sogenannte epigenetische Therapie erfolgreich vermeiden oder verzögern lässt. Diese Ergebnisse der dreijährigen Forschungsarbeit wurden aktuell in „Lancet Oncology“ vorgestellt.

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Prof. Uwe Platzbecker, Universitätsklinikum Leipzig.
Quelle: Stefan Straube/UKL

Bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie können die Krebsexperten heute bei 60 bis 70 Prozent der Betroffenen den Krebs erfolgreich mit einer Chemotherapie zurückdrängen. Etwa die Hälfte der Patienten erlebt aber einen Rückfall. Um dies frühzeitig zu erkennen, kann mit Hilfe regelmäßiger molekularbiologischer Blutuntersuchungen die Konzentration kleinster Tumorspuren im Blut der Betroffenen geprüft werden. „Wir suchen dabei nach geringsten Spuren von Krebszellen im Blut der Patienten, der sogenannten minimalen residuellen Resterkrankung (MRD)“, erklärt Prof. Uwe Platzbecker, Autor der Studie und Direktor der Medizinischen Klinik I, Bereich Hämatologie und Zelltherapie, am Universitätsklinikum Leipzig. „Mit der aktuellen Studie innerhalb der deutschlandweiten Studien-Allianz für Leukämie (SAL) haben wir zum einen untersucht, mit welcher Wahrscheinlichkeit diese MRD-Nachweise tatsächlich anzeigen, dass ein Rückfall eintreten wird, und zum anderen, ob wir mit einer frühzeitigen ambulanten Therapie eine Wiederkehr des Krebses verhindern können,“ so der Leukämieexperte weiter. Bei mehr als der Hälfte der untersuchten Patienten konnte dank der Intervention ein Rückfall verhindert oder um mehr als sechs Monate verzögert werden. „Dafür haben wir auf eine sogenannte „intelligente“ epigenetische Chemotherapie zurückgegriffen, die auf schonende Weise sozusagen vorsorglich die wiederkehrenden Leukämiezellen bekämpft, bevor sie im Mikroskop sichtbar sind“, erläutert Platzbecker. 

Besonders erfolgreich war das Verfahren bei Patienten, die zuvor eine Knochenmarkstransplantation erhalten hatten. Insgesamt wurden in der Studie 200 AML-Patienten untersucht, deren Blut zwei Jahre lang monatlich auf MRD kontrolliert wurde. Wurde dabei der für einen Rückfall kritisch definierte Grenzwert überschritten, begann eine frühzeitige Therapie mit dem zugelassenen Medikament mit dem Wirkstoff Azacytidin  zur Verhinderung des Wiederaufflammens der Leukämie. „Die Studie zeigt, dass bereits diese noch nicht unter dem Mikroskop sichtbare, aber mit den modernen Techniken schon messbare Resterkrankung einerseits einen sicheren Hinweis auf einen Rückfall darstellt, und zum anderen uns die Chance bietet, sehr früh erfolgreich eingreifen zu können“, resümiert Platzbecker, der die Forschungsarbeit noch an seinem alten Arbeitsplatz am Universitätsklinikum Dresden umgesetzt hatte.

Jetzt soll mit Folgestudien in Leipzig untersucht werden, welche Erfolge mit einer Kombination zweier Therapieverfahren sowie dem ergänzenden Einsatz weiterer Medikamente erzielt werden können.


Quelle: Universitätsklinikum Leipzig AöR

07.12.2018

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