Wenn der Herzkatheter ohne Befund bleibt…

…können Radiologen dank MRT die Ursachen unklarer Brustschmerzen erkennen.

Der hohe therapeutische Nutzen des Herzkatheters ist unbestritten, in der Diagnostik allerdings sind die Schnittbildverfahren eine ernsthafte Konkurrenz. Auf der gestrigen Pressekonferenz stellte Dr. Tilmann Emrich seine Studienergebnisse zum diagnostischen Wert der kardialen MRT (CMR) bei Patienten mit akuten Brustschmerzen, erhöhten kardialen Enzymen und einer negativen Koronarangiographie vor. Ein 23-jähriger Mann ohne Vorerkrankung und eine 45-jährige Frau nach einem Schicksalsschlag kommen mit starken Brustschmerzen in die Notaufnahme des Universitätsklinikums Mainz und werden direkt in der Brustschmerzambulanz behandelt. Das EKG bleibt ohne Befund, aber das Blutbild zeigt erhöhte Troponinwerte. Unabhängig von Alter und Geschlecht deutet alles auf einen Herzinfarkt hin. Leitliniengerecht werden diese Patienten deshalb einem Herzkatheter zugeführt. Aber der Kardiologe kann keinen Hinweis auf einen Myokardinfarkt finden. „In diesem Fall befindet sich der Kardiologe in einem Dilemma. Was soll er tun, den Patienten wieder nach Hause schicken oder ohne Befund weiter behandeln?“ fragt Dr. Tilman Emrich, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der Universitätsmedizin Mainz, der auch gleich eine Antwort liefert. „In dieser Situation kann eine MRT des Herzens hilfreich sein, da hier die Funktionalität zusammen mit der Anatomie und der Analyse des Gewebes untersucht werden können.

Klinik und Labor legten nahe, dass bei beiden Patienten eine nicht erkannte Herzerkrankung vorliegt. Bisher publizierte Studien haben die Einsatzmöglichkeit der kardialen MRT in diesem Bereich aufgezeigt, allerdings gab es bislang keine Arbeit, die die radiologischen Diagnosen dieser Patienten mit einer finalen Referenzdiagnose der Kardiologen im Kontext des klinischen Verlaufs überprüfte. Deshalb hat der angehende Facharzt für Radiologie unter Leitung von Prof. Karl-Friedrich Kreitner von 2007 bis 2010 bei 125 Patienten nach einer Herzkatheterunterschung ohne richtungsweisenden Befund ein Kardio-MRT durchgeführt und beide Diagnosen miteinander verglichen, mit einem erfreulichen Ergebnis. „Im MRT konnten wir multiple kardiale Pathologien erkennen und bei neun von zehn Patienten stimmten die MRTDiagnosen mit der endgültigen Referenzdiagnose der Kardiologen überein. Die fünf häufigsten Indikationen waren die Myokarditis, die dilatative Kardiomyopathie, der akute Myokardinfarkt, die Tako-Tsubo-Kardiomyopathie (Broken-Heart- Syndrom) und die Hypertensive Herzerkrankung“, schildert Emrich. Die MRT stellte bei allen Fällen eines Herzinfarktes und der Tako-Tsubo-Kardiomyopahtie die richtige Diagnose, ansonsten ergaben sich nur geringe Abweichungen. Bei vier Patienten konnten die Kardiologen nach drei Monaten überhaupt keine abschließende Diagnose stellen.

30.05.2014

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