Vor dem ersten Schrei: funktionelle MRT

Wie die Kernspintomographie hilft, Fehlbildungen des Hirns frühzeitig zu entdecken

Die fetale MRT-Diagnostik hat sich als bildgebende Ergänzung zur Beurteilung der Entwicklung von Ungeborenen im Mutterleib etabliert, denn Auffälligkeiten lassen sich hiermit oft besser beurteilen als im Ultraschall.

MR-Traktografie der Pyramidenbahnen und des Balkens
MR-Traktografie der Pyramidenbahnen und des Balkens
Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer
Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer

Dieser ist zwar in der fetalen Bildgebung unangefochten das Screening-Instrument der Wahl, aber bei mangelndem Fruchtwasser, ungünstiger Lage des Fötus oder bei adipösen Schwangeren kann auch die beste Sonographie an ihre Grenzen stoßen. In der klinischen Abteilung für Neuroradiologie und Muskuloskeletale Radiologie der Universitätsklinik Wien für Radiologie und Nuklearmedizin, eines der weltweit führenden Zentren für pränatale Magnetresonanztomographie, wird unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer seit einigen Jahren auch die funktionelle MRT (fMRT), die sogenannte Resting-Stage-PMR, durchgeführt, um mehr über die Hirnaktivität der Föten zu erfahren. Prof. Prayer ist optimistisch, dass anhand dieser Beobachtungen in einigen Jahren präzise Aussagen über die Funktionalität des kindlichen Hirns gemacht werden können. Erste Ergebnisse wurden bereits publiziert.

Um Normwerte zur pränatalen Hirnaktivität zu erhalten, wurden im Rahmen der Studie „Watching the fetal brain at ‚rest‘“ zunächst normal entwickelte Föten untersucht. Zu diesem Zweck wird bei der funktionellen MRT eine zusätzliche Sequenz gefahren, die den Sauerstoffverbrauch der Hirnregionen misst. Durch das Einzeichnen auf einer Landkarte ist eine Rekonstruktion der Hirnaktivitäten möglich. „Wir können daran sehr schön ablesen, wann welche Regionen aktiv sind, und wir können Rückschlüsse auf die Netzwerke ziehen, die sich schon ausgebildet haben“, erklärt die Professorin für Neuroradiologie. Inzwischen wird die funktionelle MRT auch bei Verdacht auf Fehlbildungen durchgeführt und die Ergebnisse werden mit denen der Normpatienten verglichen. So kann das Vorliegen einer schweren Funktionsstörung des Gehirns besser eingeschätzt werden: „Sind auf diesen Bildern die Netzwerke gut erhalten, schließen wir daraus, dass sich das Hirn trotzdem gut entwickelt und das Kind wenige Ausfälle haben wird. Das ist jedoch anders, wenn diese Netzwerke schon im Mutterleib gestört sind“, so Prayer.

Die häufigste Störung, die Prof. Prayer und ihr Team dabei untersuchen, ist die fehlende Anlage des Balkens, also die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften. Fehlt das Corpus callosum, reicht das klinische Spektrum bei den Kindern von „total unauffällig“ bis zu „tiefgreifend entwicklungsgestört“ – und das, obwohl diese Störungen bildgebungstechnisch nicht zu differenzieren sind. „Wir haben noch keine eindeutigen Ergebnisse, aber es sieht so aus, als ob die fMRT doch hilft, die Prognose dieser Kinder besser einschätzen zu können. Die Fehlbildung ist von vielen Faktoren abhängig, aber die funktionelle MRT könnte ein Weg sein, der hilft einzuschätzen, ob das Kind auffällig sein wird oder nicht“, hofft die Wiener Neuroradiologin. Als gängige Feldstärke etabliert sich dafür zunehmend die 1,5-Tesla-Technologie. Es gibt zwar inzwischen auch schon Erfahrungen mit 3 Tesla, aber die höheren Feldstärken bringen zum Teil mehr Probleme als Vorteile. Dr. Prayer plädiert daher in Zukunft für 1,5 Tesla. Die funktionelle MRT kann ab der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden.

Daniela Prayer hält es für äußerst wichtig, dass diese Untersuchung nur in Einheit mit einer guten Pränataldiagnostik durchgeführt wird, die auch über eine Neonatologie und eine Kinderneurologie sowie assoziierte Fächer verfügt. Ohne die Unterstützung dieser Fächer hängt der Befundende ansonsten in der Luft: „Man findet dann etwas, aber niemand weiß, was er damit tun soll. Folglich sollten problematische Schwangerschaften auch in einem Perinatalzentrum betreut werden.“

IM PROFIL

Im Juli 2009 übernahm Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer gleichzeitig die Professur für Neuroradiologie an der Medizinischen Universität Wien und die Leitung der Klinischen Abteilung für Neuroradiologie und Muskuloskeletale Radiologie der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin, eines der weltweit führenden Zentren für pränatale Magnetresonanztomographie. Univ.-Prof. Dr. Daniela Prayer ist unter anderem im Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Perinatologie sowie im Board der International Society of Prenatal Diagnosis und der International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen Epilepsie, Hirntumoren, degenerative Erkrankungen sowie Diffusions-Tensor-Bildgebung (= Messung der Diffusionsbewegung von Wassermolekülen im Körpergewebe mittels MRT) peripherer Nerven.

Veranstaltungshinweis:

Sa., 09.11.2013

11:30–12:00 Uhr

Fetale MRT

Session: Kinderradiologie

Congress-Saal

 

12.11.2013

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