Technik, die verbindet: Hybridverfahren ziehen Fachkunde-Kurse nach sich

Was sich einmal trennt, findet selten wieder gänzlich zusammen. Völlig zu Recht, was die Ausbildungsspezialisierung in den Bereichen Radiologie und Nuklearmedizin betrifft. Denn das breite Spektrum, das beide Fächer mittlerweile abdecken, spricht eher für weitere Spezialisierungen denn für eine Harmonisierung.

Prof. Dr. Michael Forsting
Prof. Dr. Michael Forsting

Dennoch: Hybridverfahren wie PET-CT und künftig MR-PET schaffen mittlerweile wieder eine diagnostische Umgebung, in der sich das Wissen beider Disziplinen punktuell vereint. Faktisch und praktisch sitzen Radiologen und Nuklearmediziner bereits seit einigen Jahren wieder an einem Tisch, um PET und CT gemeinsam zu befunden und sich dabei gegenseitig ein wenig auf die Finger zu schauen.

Grund genug, um die notwendigen Kenntnisse für die Hybridbildgebung in der Ausbildung aufzugreifen? Ja, absolut! Dieser Meinung sind beide Fachgesellschaften und haben sich einhellig für ein Fachkunde-Modell entschieden, das nun noch umgesetzt werden muss. Über die Hintergründe und Details sprach RöKo Heute mit Prof. Dr. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie an der Uniklinik Essen, und Prof. Dr. Jörg Kotzerke, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden.

Welche Überlegungen führten dazu, dass sich die notwendigen Kenntnisse für die Hybridbildgebung der jeweils anderen Disziplin in den Ausbildungen der Radiologen und Nuklearmediziner nun widerspiegeln?

Michael Forsting: De facto werden PET-CT Bilder sowohl von Nuklearmedizinern als auch von Radiologen beurteilt. Das ist auch gut und richtig so, führte konsequenterweise aber auch dazu, dass die jungen Assistenzärzte ein Interesse an dem jeweils anderen Part entwickelten, um eine gesamte Befundung durchführen zu können. Ziel der Vorstände der DRG und der DGN war es, diesen vorhandenen Wissensdurst in einem offiziellen Curriculum aufzugreifen, um ein Know-how aus einem Guss anzubieten.

Jörg Kotzerke: Es ist bisher so gewesen, dass der Radiologe in seiner Ausbildungszeit Fremdkenntnisse in der Nuklearmedizin erwerben konnte und der Nuklearmediziner in der Radiologie. Allerdings verlief dies eher in ungeordneten Bahnen und wurde offiziell „nicht belohnt“. Um die neuen Modalitäten beiden Fachbereichen zugänglich zu machen und diese Kenntnisse auch zu dokumentieren, haben sich die Deutsche Röntgengesellschaft und die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin verständigt auf eine Fachkunde Nuklearmedizin für den Radiologen und eine Fachkunde Radiologie für den angehenden Nuklearmediziner. Derzeit müssen die Konzepte von den einzelnen Ärztekammern noch umgesetzt werden.

Wie sind die Fachkunden aufgebaut?

Michael Forsting: Der Erwerb der Fachkunde hat Ähnlichkeiten mit einer Facharztausbildung. Einzelne, aufeinander abgestimmte Module können innerhalb von 24 Monaten absolviert und so kann eine Zusatzqualifikation erworben werden. Ich rechne damit, dass die Ärztekammern in diesem oder dem kommenden Jahr mit der Umsetzung beginnen, damit das Problem der formalen Ausbildung gelöst wird.

Jörg Kotzerke: Wichtig ist, dass wir mit dieser Weiterbildungsverordnung lediglich einen Rahmen gesetzt haben. Das Curriculum legt beispielsweise fest, wie viele Untersuchungen absolviert werden müssen und welche Ausbildungsinhalte erlernt werden sollen. Wie diese in der Praxis im Einzelfall umgesetzt werden, das müssen die einzelnen Universitäten und Ausbildungsstätten miteinander ausmachen. Denn es ist ja nun einmal so, dass an großen Kliniken ganz andere Patientenuntersuchungszahlen und eine andere Rotation möglich sind, als das in einer kleineren Klinik der Fall ist. Ganz zu schweigen vom PET-MR, das ja bisher nur in Essen, München, Leipzig, Erlangen, Dresden, Jülich und Tübingen aufgestellt ist.

Welchen praktischen Auswirkungen wird dieser neue Weg im Klinikalltag nach sich ziehen?

Jörg Kotzerke: Ich glaube, dass sich die Zusammenarbeit in Zukunft faktisch gar nicht so sehr verändern wird. Wir sitzen ja jetzt schon in interdisziplinären Tumorboards zusammen und gehen mit den behandelnden Disziplinen die einzelnen Fälle durch. Dabei stellen wir bereits jetzt gemeinsam aus der Sicht des Diagnostikers dar, wie ausgeprägt das Krankheitsbild ist und was wir aus radiologischer und nuklearmedizinischer Sicht an therapeutischen Maßnahmen anbieten können. Die Tumorboards sind ja in den letzten fünf Jahren eine Institution geworden und das nicht nur an den Universitäten.

Michael Forsting: Die Kenntnisse in der Hybridbildgebung werden eine weitere Subspezialisierung bedeuten. Ähnlich wie es Neuroradiologen innerhalb der Radiologie gibt, so wird es künftig Leute in unserem Fachgebiet geben, die eine bestimmte Qualifikation für Hybrid Imaging haben. Das ist der normale Lauf der Dinge und verläuft vollkommen parallel zu den Entwicklungen in der Medizin allgemein, in der die Spezialisierung eine zunehmend wichtige Rolle spielt.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Veranstaltungshinweis
Saal Rieder
Do, 17.05., 08:00 - 09:30 Uhr
Forsting M / Essen (Vorsitz)
Session: DRG trifft DGN
(Deutsche Gesellschaft für
Nuklearmedizin) – Hybridbildgebung

 

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Im Profil

Prof. Dr. med. Jörg Kotzerke ist seit 2002 Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden. Der gebürtige Hannoveraner absolvierte Studium und Facharztausbildung in seiner Heimatstadt. 1991 erhielt er die Habilitation und Lehrbefugnis für Nuklearmedizin. Seit 2010 ist Prof. Kotzerke amtierender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin.

Prof. Dr. Michael Forsting studierte Medizin in Aachen und Bern, arbeitete als Neuroradiologe an der Universität Aachen und war vier Jahre lang an der Universität Heidelberg Forschungsleiter der Neuroradiologie. Seit 1997 ist Forsting Leiter der Abteilung Neuroradiologie an der Universität Essen, seit 2003 Leiter der Abteilungen Radiologie und Neuroradiologie. Zu seinen Schwerpunkten gehören Schlaganfall, MR-Imaging von Gehirntumoren und endovaskuläre Therapien bei Gefäßmissbildungen des Gehirns.

2008 trat er seine Stelle als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen an. Prof. Forsting ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie und amtierender Präsident der Deutschen Röntgengesellschaft.

 

08.05.2012

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