Biopsie ohne Schmerzen

Studie widerlegt antibakterielle Wirkung von Anästhetika

Gewebeproben zu diagnostischen Zwecken entnehmen könnte künftig weniger schmerzhaft ausfallen: Eine österreichische Studie widerlegt die antibakterielle Wirkung gängiger lokaler Betäubungsmittel. „Sie können auch dann verwendet werden, wenn an der Gewebeproben Bakterienkulturen untersucht werden sollen“, sagte Studienautor Dr. Stefan Neuwersch auf dem Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC in Wien.

Photo: Studie widerlegt antibakterielle Wirkung von Anästhetika

Gängige Lokalanästhetika können künftig bedenkenlos eingesetzt werden, um Patienten Schmerzen während einer Biopsie zu ersparen. Zuletzt wurde befürchtet, dass die Betäubungsmittel eine antibakterielle Wirkung entfalten und damit die mikrobiellen Untersuchungsergebnisse der Gewebsproben verfälschen könnten. Das hat nun eine österreichische Studie klar widerlegt, die auf dem Kongress der Europäischen Schmerzföderation EFIC „Pain in Europe IX“ in Wien auf großes Interesse stößt und dort unter die „Top Best Abstracts“ gereiht wurde. Aktuell tauschen sich beim EFIC-Kongress mehr als 4.000 internationale Expertinnen und Experten über die neuesten Entwicklungen in der Schmerzmedizin aus.

„Die örtlichen Betäubungsmittel Lidocain, Bupivacain, Mepivacain oder Ropivacain haben erwiesenermaßen keine antibakterielle Wirkung auf Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus und Bacillus subtilis, und zwar auch dann nicht, wenn wir die Anästhetika unverdünnt verwenden“, konkretisierte Studienautor Dr. Stefan Neuwersch vom Klinikum Klagenfurt die Ergebnisse. „Diese Erkenntnisse sind für die tägliche Spitalsarbeit von enormer Bedeutung, denn nun können auch jene diagnostischen Eingriffe schmerzfrei durchgeführt werden, die den Erhalt bestimmter Bakterienkulturen erfordern.“ Aufgrund der bisher widersprüchlichen Forschungsmeinungen rät der Experter aber trotzdem, die örtlichen Betäubungsmittel nur in der geringstmöglichen Konzentration verabreichen, auch um andere Nebenwirkungen zu vermeiden.

Für die Studie wurden die handelsüblichen Lösungen der Lokalanästhetika Lidocain, Bupivacain, Mepivacain und Ropivacain mit einer sterilen Kochsalzlösung unterschiedlich stark verdünnt und ihre Wirkung auf Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus und Bacillus subtilis mithilfe eines Filterplättchentests untersucht. Die Betäubungsmittel und eine Lösung mit standardisierter Bakterienanzahl wurden auf Plättchen aufgetragen und 24 Stunden bei 35 Grad bebrütet. Die anschließende Analyse zeigte, dass die Bakterien in keiner Weise mit den Betäubungsmitteln reagiert hatten und deshalb kein so genannter „Hemmhof“ auf den Plättchen entstanden war. Das Experiment wurde noch einmal wiederholt, dieses Mal mit unverdünnten Anästhetika. Auch hier blieb eine antibakterielle Wirkung aus.


Referenz:EFIC Abstracts Neuwersch et al,. Antimicrobial activity of lidocaine, bupivacaine, mepivacaine and ropivacaine on Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus and Bacillus subtilis

Quelle:  EFIC

07.09.2015

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Hilfe aus der Tiefe

Antibiotika aus dem Meer

Dem Team um Prof. Dr. Christian Jogler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es gelungen, mehrere Dutzend bisher wenig beachtete Bakterien aus dem Meer im Labor zu kultivieren, funktionell…

Photo

Wundmanagement

Neuer Mechanismus der Bakterienabwehr bei Wundinfektionen entdeckt

Wenn eine Wunde sich entzündet und schlecht heilt, hat das zum Teil schwerwiegende Folgen für die Betroffenen. Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt einen…

Photo

Mikrobialer Widerstand

Resistente Erreger auch ohne Antibiotika möglich

Bakterien sind immer häufiger resistent gegen die gängigen Antibiotika. Vermittelt werden die Resistenzen häufig durch Resistenzgene, welche von einer Bakterienpopulation zur nächsten springen…