mikroskopische Aufnahme eines Parasiten
© BNITM

© BNITM                                                                

News • Infektionsforschung

Schlüsselmolekül der Immunabwehr gegen Darmwürmer entdeckt

Forschende des BNITM haben erstmals gezeigt, dass das Molekül CD160 eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung parasitärer Wurminfektionen spielt.

Schätzungen zufolge kommt weltweit ein Viertel der Bevölkerung im Laufe des Lebens mit parasitären Würmern in Kontakt, insbesondere in tropischen Regionen. Obwohl bekannt ist, dass der Körper solche Infektionen vor allem über eine sogenannte Typ-2-Immunantwort bekämpft, sind die genauen Abläufe dabei noch nicht vollständig verstanden. Forschende des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) nutzten in der nun veröffentlichten Studie den Fadenwurm Strongyloides ratti als Modell, um diese Prozesse genauer zu untersuchen.


Die infektiösen Larven von S. ratti leben in der feuchten Erde und dringen zunächst durch die Haut in den Körper ein, wandern durch Gewebe bis in den Kopfbereich, werden dann geschluckt und entwickeln sich im Dünndarm zu erwachsenen Würmern. Um die Würmer aus dem Körper zu eliminieren, werden verschiedene Immunzellen aktiv: Unter anderem reagieren Immunzellen des angeborenen Immunsystems, die „group 2 innate lymphoid cells" (ILC2), schnell und aktivieren über Botenstoffe Mastzellen. Diese übernehmen im Darm eine zentrale Rolle in der Abwehr der Würmer.


Das Checkpoint-Molekül CD160 im Fokus


CD160 ist ein kleines Checkpoint-Molekül auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen, das wie ein Kontrollschalter funktioniert. „Solche Checkpoint-Moleküle helfen dem Immunsystem dabei, seine Aktivität genau zu steuern. Das ist wichtig, damit es Krankheitserreger wirksam bekämpft, ohne den eigenen Körper zu schädigen", erklärt Dr. Lennart Heepmann, Erstautor der Publikation und Postdoc in der Arbeitsgruppe Helminthen-Immunologie am BNITM. „Wir haben nun erstmals gezeigt, dass CD160 auf den ILC2 im Darm der Maus vorkommt."


Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass sich die ILC2 während einer Infektion mit S. ratti in zwei funktionell unterschiedliche Gruppen aufteilen. Eine Gruppe trägt das Molekül CD160 auf ihrer Oberfläche. Diese Zellen vermehren sich stark, produzieren aber nur wenige Botenstoffe. Die zweite Gruppe besteht aus ILC2 ohne CD160. Diese produzieren große Mengen wichtiger Typ-2-Botenstoffe, welche die Mastzellen aktivieren und so die Abstoßung der Würmer im Darm auslösen. Entscheidend ist dabei, dass sich die CD160-positiven ILC2 im Verlauf der Immunreaktion in CD160-negative, botenstoffproduzierende ILC2 umwandeln können.

CD160 ist entscheidend für die Eliminierung des Parasiten


Deutlich wurde die Bedeutung von CD160 in Experimenten mit Mäusen, denen das CD160-Molekül fehlte: Sie konnten die Parasiten im Darm nicht wirksam bekämpfen. Die Infektion hielt ungewöhnlich lange an und die Parasiten blieben über Wochen und Monate im Körper – bis zu etwa 100 Tage. Mäuse hingegen, die das CD160-Molekül besaßen, reagierten deutlich effektiver: Ihr Immunsystem konnte die Parasiten innerhalb weniger Tage stark reduzieren.


„Das hat uns wirklich überrascht", sagt Studien- und Arbeitsgruppenleiterin Prof. Minka Breloer. „CD160 war bisher vor allem als regulierendes Molekül auf anderen Immunzellen, zum Beispiel auf natürlichen Killerzellen oder T-Zellen, bekannt. Anders als viele andere Checkpoint-Moleküle, die Immunreaktionen eher bremsen, fördert CD160 in unseren Experimenten die Vermehrung und Entwicklung wichtiger Abwehrzellen. Das eröffnet eine völlig neue Perspektive auf die Steuerung der Immunantwort."


Neue Therapieoptionen bei anderen Erkrankungen


Die Ergebnisse liefern nicht nur ein neues Verständnis darüber, wie das Immunsystem Wurminfektionen bekämpft. Sie zeigen auch, dass sich Immunzellen dynamisch entwickeln und ihre Funktion im Verlauf einer Infektion verändern. Die Entdeckung der CD160-positiven ILC2 könnte langfristig neue Ansätze für Therapien eröffnen – etwa bei Parasiteninfektionen, aber auch bei Allergien wie Asthma oder anderen entzündlichen Erkrankungen, bei denen die Typ-2-Immunantwort eine Rolle spielt.


„Wir sehen hier einen grundlegenden Mechanismus, der weit über diese spezielle Infektion mit S. ratti hinaus relevant sein könnte", sagt Heepmann. „Die Ergebnisse liefern auch Ansatzpunkte für zukünftige Immuntherapien, zum Beispiel in der Krebsbehandlung. Über Checkpoint-Moleküle können wir gezielt in die Steuerung von Immunzellen eingreifen, um Abwehrreaktionen je nach Erkrankung zu verstärken oder zu dämpfen."


Quelle: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)

06.05.2026

Verwandte Artikel

Photo

News • Koinfektions-Strategien

Pilze und Bakterien können gefährliche Allianz bilden

Forscher zeigen, dass der Hefepilz Candida albicans und das Bakterium Enterococcus faecalis unter bestimmten Bedingungen eine Allianz bilden – und gemeinsam deutlich schwerere Schäden verursachen.

Photo

News • Gefahr durch Grippeviren

Influenza-A-Infektion hinterlässt bleibende Schäden

Nachhaltig veränderte Immunreaktionen nach einer Infektion mit dem Influenza-A-Virus führen dazu, dass der Körper Pneumokokken nicht mehr angemessen abwehren kann, wie neue Forschung zeigt.

Photo

News • Gefährlicher Pilz

Der hartnäckigen Klebrigkeit von Candida auris auf der Spur

Der Pilz Candida auris ist eine Gefahr für vulnerable Patientengruppen – auch, weil er überall kleben bleibt. US-Forscher sind dem Geheimnis seiner Haftkraft nachgegangen.

Newsletter abonnieren