Bildquelle: Unsplash/John Caroro

Umstrittener Entwöhnungshelfer

Rauchstopp? Lungenärzte warnen vor E-Zigaretten

In den USA stehen E-Zigaretten seit geraumer Zeit schwer in der Kritik – jetzt schalten sich auch deutsche und europäische Experten in die Debatte ein:

E-Zigaretten sind für Menschen, die ganz mit dem Rauchen aufhören wollen, kein geeignetes Hilfsmittel. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) hin. Wer von der herkömmlichen Tabakzigarette auf die E-Zigarette umsteige, ersetze lediglich eine Sucht durch eine andere. Einige Suchtforscher propagieren zwar, E-Zigaretten seien ein praktisches Instrument zur Rauch- und Nikotinentwöhnung. Jedoch zeigen aktuelle Erhebungen, dass sich ein langfristiger Nutzen der E-Zigaretten bei der Entwöhnung nicht belegen lässt. Dagegen bergen die elektrischen Ersatzprodukte Gesundheitsgefahren, deren Ausmaß bislang noch nicht vollständig abzuschätzen ist. Deutsche und europäische Lungenärzte warnen daher vor dem Gebrauch elektronischer Zigaretten und fordern erneut ein umfassendes Werbeverbot für elektronische Rauchprodukte.

Nicht erst seit in den USA mehrere Menschen nach dem Gebrauch von E-Zigaretten an einem akuten Lungenversagen erkrankten und einige dieser Patienten starben, warnt die DGP vor der Nutzung von E-Zigaretten, vor allem durch Jugendliche. Denn mehrere Studien – auch eine in Deutschland – haben belegt, dass Schüler, die E-Zigaretten nutzen, auch eher zur konventionellen Zigarette greifen. „Die Industrie setzt bei der Werbung auf den Lifestyle-Faktor und spricht damit vor allem junge Leute an, für die E-Zigaretten ein niederschwelliges Einstiegsangebot in die Nikotinsucht darstellen“, sagt Professor Dr. Michael Pfeifer, Präsident der DGP. Auch aus Gründen des Jugendschutzes fordert der Experte daher ein vollständiges Werbeverbot sowohl für traditionelle Tabak- als auch für E-Zigaretten.

Es ist von der Zigarettenindustrie fahrlässig und unverantwortlich, E-Zigaretten als harmlose, moderne Alternative zu verkaufen

Michael Pfeifer

Die elektronischen Verdampfer stehen fälschlicherweise im Ruf, deutlich weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Tabakzigaretten zu sein. Verschwiegen wird jedoch, dass in Abhängigkeit vom E-Zigarettentyp und der Zusammensetzung des verwendeten Liquids durchaus schädliche Substanzen, darunter atemwegsreizende wie Propylenglykol, krebserzeugende Substanzen wie Formaldehyd und teilweise gesundheitsschädigende Metalle wie Blei und Chrom und Nikotin inhaliert werden. Von den verwendeten Aromastoffen gehen zudem vielfältige Gesundheitsgefahren aus, wie mehrere Analysen belegen. Die akuten potentiell gesundheitsschädlichen Effekte, besonders auf Lunge und Atemwege, sind in einer aktuellen Übersichtsarbeit festgehalten. „Die Langzeitfolgen des Konsums von E-Zigaretten lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht umfassend abschätzen. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen aber, dass von diesen Geräten eine beträchtliche Gesundheitsgefahr ausgeht. Daher ist es von der Zigarettenindustrie fahrlässig und unverantwortlich, E-Zigaretten als harmlose, moderne Alternative zu verkaufen“, so Pfeifer.

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Auch die European Respiratory Society (ERS) richtet sich in einer aktuellen Stellungnahme gegen die Verharmlosung der Gefahren von E-Zigaretten. Die ERS widerspricht zudem ebenfalls der wiederholt vorgebrachten Behauptung, E-Zigaretten hätten einen positiven Nutzen bei der Entwöhnung von Rauchern. Zwar habe eine Meta-Analyse mehrerer Längsschnittstudien zur Wirksamkeit von E-Zigaretten gezeigt, dass diese unter kontrollierten klinischen Bedingungen einen kurzfristigen positiven Entwöhnungseffekt zeigten. Langfristig und unter Real-Life-Bedingungen erschweren sie jedoch die Rauchabstinenz. „Wer E-Zigaretten zur Rauchentwöhnung empfiehlt, verkennt die Studienlage. Auch E-Zigaretten sind gesundheitsschädlich und daher als Entwöhnungshilfe vollkommen ungeeignet“, sagt Professor Dr. Tobias Welte, Past-President der ERS. Der sinnvollste Weg, um dauerhaft ohne Nikotin auszukommen, sind strukturierte Entwöhnungsprogramme, so der Experte. 


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)

13.10.2019

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