News • Studie zur selbstständigen Anwendung

Polypharmazie im Alter: Mehr Medikamente, mehr Fehler

Studie: Altersbedingte Veränderungen beeinflussen Sicherheit von Arzneimitteltherapien

Portraitfoto von Dr. Anneke Lügering
Erstautorin Dr. Anneke Lügering

Bildquelle: HHU/Med. Fakultät 

Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente gehört für viele ältere Menschen zum Alltag. Eine aktuelle Untersuchung aus der hausärztlichen Versorgung zeigt jedoch, dass die selbstständige Anwendung dieser Arzneimittel häufig mit Herausforderungen verbunden ist. Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und des Universitätsklinikums Essen haben gemeinsam mit Kollegen des Universitätsklinikums Düsseldorf die Ergebnisse der Studie kürzlich in Frontiers of Public Health veröffentlicht

Für die Studie wurden 102 Personen ab 70 Jahren befragt, die regelmäßig mindestens fünf verschiedene Medikamente anwenden. Dabei berichteten 20%, dass ihnen Medikamente bereits ausgegangen waren, und 5% gaben an, Medikamente verwechselt zu haben. Besonders häufig traten praktische Probleme bei der Anwendung von Augentropfen auf: Rund 40% der Befragten nannten diese Darreichungsform als schwierig. Zudem hatten knapp 20% Schwierigkeiten beim Öffnen von Medikamentenverpackungen. 

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Arzneimitteltherapiesicherheit nicht allein von der Verordnung der richtigen Medikamente abhängt. Auch die Fähigkeit, Medikamente korrekt zu handhaben und dauerhaft anzuwenden, spielt eine zentrale Rolle.

Portraitfoto von Dr. Janine Gronewold
Dr. Janine Gronewold

Bildquelle: UK Essen; Foto: privat

Da altersbedingte Veränderungen der Sehfähigkeit, Feinmotorik oder Gedächtnisleistung die Medikamentenanwendung erschweren können, gilt die sogenannte Medikamentenmanagement-Kompetenz zunehmend als wichtiger Bestandteil der geriatrischen Versorgung. 

„Gleichzeitig zeigte die Studie, dass die meisten Befragten den Nutzen ihrer Medikamente positiv bewerteten und deren Zweck kannten. Die beobachteten Schwierigkeiten scheinen daher weniger auf mangelnde Motivation als auf praktische Hürden im Alltag zurückzuführen zu sein“, so Dr. Janine Gronewold, Diplom-Psychologin an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Essen. 

Die Autoren sehen in den Ergebnissen einen Hinweis darauf, dass Probleme bei der Medikamentenanwendung in der hausärztlichen Versorgung häufiger erkannt und gezielt adressiert werden sollten. Künftige Studien sollen untersuchen, welche Unterstützungsmaßnahmen dazu beitragen können, Medikationsfehler zu vermeiden und die Arzneimitteltherapiesicherheit im Alter zu verbessern. 


Quelle: Universitätsklinikum Essen 

26.06.2026

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