Forschungsprojekt

Pflegende Angehörige und ihr Alltag - Interviewteilnehmer/-innen gesucht

Wie bewältigen pflegende Angehörige ihren Alltag und welche Strategien haben sie dabei entwickelt? Mit dieser Frage befasst sich ein gemeinsames Forschungsprojekt der TH Köln, der Hochschule Düsseldorf und der Fachhochschule Bielefeld. Mit den Ergebnissen können Kommunen ihre Beratungs- und Unterstützungsangebote optimieren, damit die häusliche Pflege möglichst lange und unter guten Bedingungen funktioniert. Die Wissenschaftlerinnen suchen jetzt Angehörige, die in Interviews von ihren Erfahrungen berichten.

Photo: Pflegende Angehörige und ihr Alltag - Interviewteilnehmer/-innen gesucht

„Menschen, die ihre Familienmitglieder zuhause pflegen, sind eine tragende Säule der pflegerischen Versorgung in Deutschland. Als Gesellschaft und im Sinne der sozialpolitischen Prävention sollten wir diesen Personenkreis bestmöglich unterstützen. Denn damit sichern wir eine qualitativ hochwertige Versorgung der Pflegebedürftigen und vermeiden gesundheitsgefährdende Belastungen und Armutsrisiken der Pflegepersonen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Sigrid Leitner von der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der TH Köln.

Grundlage der Analyse sind leitfadengestützte Interviews mit Personen, die Angehörige ab Pflegegrad 3 (vormals Pflegestufe II) oder mit Demenz in einem fortgeschrittenen Stadium pflegen oder gepflegt haben. Die etwa 60- bis 90-minütigen Gespräche starten ab März 2017. Sie können an einem neutralen Ort stattfinden oder die Mitarbeiterinnen des Forschungsprojektes besuchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuhause. Die Interviews sind vollständig anonym und die Auswertung lässt keinerlei Rückschlüsse auf die Personen zu. 

Bisherige Studien zu pflegenden Angehörigen betonen vor allem die Heterogenität dieser Personengruppe. „Bislang wurde noch nicht untersucht, wie sich die Strategien von verschiedenen Gruppen unterscheiden. Wir erwarten unterschiedliche Herangehensweisen in Abhängigkeit des Geschlechts der pflegenden Angehörigen, der sozialen Schicht oder des kulturellen Hintergrundes. Diese Forschungslücke möchten wir schließen“, sagt Prof. Dr. Simone Leiber vom Fachbereich Sozial- & Kulturwissenschaften der Hochschule Düsseldorf.

„Das in unserem Projekt generierte Grundlagenwissen möchten wir gesellschaftlich verfügbar machen. Kommunen können unsere Ergebnisse nutzen, um ihr Beratungs- und Unterstützungsangebot so aufzubauen, dass es auf die Bedürfnisse verschiedener Angehörigengruppen bestmöglich eingeht. Zudem können Hemmschwellen für die Inanspruchnahme von Hilfe abgebaut werden“, so Prof. Dr. Diana Auth vom Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Bielefeld.

Das Forschungsprojekt „Pflegende Angehörige als Adressat_innen einer vorbeugenden Pflegepolitik: Eine intersektionale Analyse“ wird gefördert vom Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) NRW.

Interessierte können sich melden unter daniela.brüker@hs-duesseldorf.de, kerstin.discher@th-koeln.de oder diana.auth@fh-bielefeld.de

Quelle: Hochschule Düsseldorf

20.03.2017

Mehr zu den Themen:
Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

An die Substanz

Studie: COVID-19 belastet Psyche von Pflegepersonal stark

Beschäftigte im Gesundheitswesen, die COVID-19-Patienten pflegen und behandeln, sind gestresster und fühlen sich deutlich stärker belastet, als andere Beschäftigte, insbesondere in der Pflege.…

Photo

Nachsorge-Konzept

„Stroke-Card“ soll erneute Schlaganfälle verhindern

Während es für die Nachbehandlung einer Krebserkrankung oder eines Herzinfarkts eine standardisierte Vorgangsweise gibt, fehlt nach einem Schlaganfall ein solches, einheitliches Konzept. Zukünftig…

Photo

Pflege und Ethik

Soziale Assistenzsysteme: Helfer mit Schattenseiten

In Zukunft werden immer mehr ältere Menschen auf Unterstützung in der gesellschaftlichen Teilhabe angewiesen sein. Zugleich werden die Ressourcen des Gesundheitssystems knapper. Digitale…