Hochrisikopatienten

Maßgeschneiderte Lösungen für Gelenkersatz verringern Infektionsgefahr

Die Behandlung von Infektionen in der Orthopädie und Traumatologie stellt Mediziner oft vor außergewöhnliche Herausforderungen. Besondere Aufmerksamkeit erfordern Hochrisikopatienten, zu denen u.a. Menschen mit Diabetes, Übergewicht, Immuninsuffizienz oder Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch Raucher, Schwerverletzte und Patienten mit multiplen Voroperationen zählen.

Prof. Dr. med. Volker Bühren (l), Prof. Dr. med. Volker Bühren, Professor...
Prof. Dr. med. Volker Bühren (l), Prof. Dr. med. Volker Bühren, Professor für Chirurgie, Ärztlicher Direktor und Klinikgeschäftsführer der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau sowie Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen und Prof. Dr. med. habil. Wolfram Mittelmeier von der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Rostock (r).

Heraeus Medical engagiert sich seit Jahren in der Entwicklung neuer Lösungen für das Infektionsmanagement in der Orthopädie und Traumatologie. Vor allem die weltweite Zunahme von Antibiotikaresistenzen sowie das sich wandelnde Keimspektrum des Patienten erfordern eine permanente Weiterentwicklung von Lösungen zur Bekämpfung von Infektionen bei Gelenkersatz. In diesem Jahr veranstaltete das Unternehmen daher auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU, Berlin, 20.-23.10.2015) ein Symposium zum Thema Infektion bei Hochrisikopatienten. Dort diskutierten führende Spezialisten die neuesten Erkenntnisse und Verfahren zur Vorbeugung und Behandlung von Infektionen bei dieser speziellen Patientengruppe. Als Experten referierten Prof. Dr. med. Wolfram Mittelmeier und Prof. Dr. med. Volker Bühren.

Individualisierte Antibiotikabehandlung notwendig  

Beide Referenten waren sich einig, dass bei Hochrisikopatienten der kombinierte lokale und systemische Einsatz von Antibiotika unabdingbar ist. Allerdings sollte sowohl bei Gelenkersatzoperationen als auch in der Traumatologie die Gabe dieser Medikamente auf den jeweiligen Patienten und die jeweils vorhandenen Keime und Antibiotikaresistenzen abgestimmt werden.

"Einerseits entstehen durch eine längerfristige systemische Antibiotikabehandlung oft mehr Komplikationen als positive Effekte. Andererseits muss das betroffene Gewebe gezielt erreicht werden. Bei Hochrisikopatienten mit vernarbtem lokalem Gewebe, schlechter Durchblutung oder schlechter Wundheilung können systemisch verabreichte Antibiotika meist gar nicht bis zum Ziel gelangen. Ideal ist daher eine Kombination aus systemischen und lokalen Antibiotika", erklärte Prof. Dr. med. habil. Wolfram Mittelmeier von der Orthopädischen Klinik und Poliklinik der Universität Rostock.

"Die Qualität des Débridements, also des Säuberns der Wunde, ist von entscheidender Bedeutung für das Ergebnis eines Gelenkeinsatzes bzw. -wechsels. Das gilt auch in der Traumatologie", ergänzte Prof. Dr. med. Volker Bühren, Professor für Chirurgie, Ärztlicher Direktor und Klinikgeschäftsführer der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau sowie Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen. "Lokal verabreichte Antibiotika können als Prophylaxe vor Infektionen eingesetzt werden. Allerdings können Fremdkörper wie antibiotikahaltige PMMA-Ketten oder Kollagen-Vlies mittelfristig ihrerseits Nährboden für Pathogene bilden, die sich bevorzugt auf Implantaten und Oberflächen ansiedeln. Hier gilt es, bestehende Systeme zu verbessern, aber auch neue Trägermaterialien, z. B. mit resorbierbaren Eigenschaften, zu entwickeln."

Zur Infektionsprophylaxe, z. B. zur Vermeidung der Biofilm-Bildung auf einem künstlichen Gelenk oder zur Therapieunterstützung im Rahmen der Infekt-Eradikation bietet sich der Einsatz von antibiotikahaltigem Zement von Heraeus Medical an, der allerdings höchste Anforderungen erfüllen muss: Er darf keine Partikelablagerungen in der Wunde erzeugen und er sollte ausreichend hohe Dosen Antibiotika enthalten und abgeben können. Zu beachten ist auch, dass viele Keime heute nicht mehr ausreichend auf das in Knochenzement häufig verwendete Antibiotikum Gentamicin ansprechen.
 
Die Lösung besteht in neuen Ansätzen, z.B. dem von Heraeus Medical für die Revisionsendoprothetik entwickelten COPAL®-Knochenzement. COPAL® enthält optimal abgestimmte Antibiotika-Kombinationen für die Verankerung von Implantaten oder für die Verwendung als temporärer Platzhalter (Spacer) und wird vor allem bei zweizeitigen Wechseloperationen eingesetzt. Für die Herstellung von artikulierenden Spacern bietet Heraeus Medical einen speziellen Spacerzement mit verringertem Partikelabrieb an.

Neue Lösungen in der Orthopädie und Traumatologie rücken stärker in den Fokus

Die Gründe für den wachsenden Bedarf an neuen medizinischen Lösungen zur Prävention und Behandlung von Infektionen erklärte Dr. André Kobelt, Geschäftsführer der Heraeus Medical GmbH: "Die Anforderungen an Orthopädie und Unfallchirurgie steigen von Jahr zu Jahr. Nicht nur die weltweite Zunahme von Antibiotikaresistenzen, sondern auch das eigene, sich wandelnde Keimspektrum des Patienten machen eine stetige Weiterentwicklung von Lösungen zur Bekämpfung von Infektionen bei Gelenkersatz und Traumatologie unabdingbar. Ansätze, die einer Infektion bereits im Ansatz vorbeugen, sind für Hochrisikopatienten von großer Bedeutung. Es ist ein wichtiges Ziel von Heraeus Medical, die Entwicklung in diesem medizinischen Bereich weiter voranzubringen."


Quelle: Heraeus Medical

10.12.2015

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