Krebsforschung

microRNAs sagen Rückfallrisiko von Kopf-Hals-Tumoren vorher

Ob HPV-negative Kopf-Hals-Tumoren nach einer Strahlenchemotherapie zurückkehren, wollen Wissenschaftler mit einem neuen Verfahren vorhersagen.

microRNAs (miRNAs) sind der Schlüssel für die Methode, die Forscher des Helmholtz Zentrums München in enger Kooperation mit dem Deutschen Krebskonsortium (DKTK) entwickelt haben. Die Ergebnisse der Arbeit wurden nun im Fachjournal ‚Clinical Cancer Research‘ veröffentlicht. Sogenannte Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich werden größtenteils erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt und haben meist eine entsprechend schlechte Prognose. Ursache können auch humane Papillomviren (HPV) sein, Hauptursache sind aber das Tabakrauchen und der übermäßige Konsum von hochprozentigem Alkohol.

Irradiation plan of head and neck cancer
Bestrahlungsplan eines Kopf-Hals-Tumors

Quelle: Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München

„Während sich die viral verursachten Tumoren relativ gut behandeln lassen, haben die übrigen Kopf-Hals-Tumoren eine eher schlechte Prognose“, erklärt Prof. Dr. Claus Belka, Leiter der Klinischen Kooperationsgruppe (KKG) 'Personalisierte Radiotherapie bei Kopf-Hals-Tumoren'. Die KKG vereint Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München sowie der LMU und ist dadurch eng an das DKTK angebunden. „In der vorliegenden Arbeit haben wir untersucht, inwiefern sich anhand molekularer Marker Untergruppen definieren lassen, die nach Strahlenchemotherapie einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf nehmen“, so Belka weiter. Das könne eine Möglichkeit zur personalisierten Behandlung bieten. „Für die Etablierung solcher molekularen Marker, die eine Stratifizierung der Patienten erlauben, bietet die Abteilung Strahlenzytogenetik am Helmholtz Zentrum München unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Horst Zitzelsberger aufgrund der dort verfügbaren Nachweisverfahren die optimale Expertise.“

Patientendaten liefern Ansatz zur personalisierten Therapie

Wenn sich diese Zahlen im großen Maßstab bestätigen, könnte man daraus künftig personalisierte Anpassungen der Therapieintensität ableiten

Claus Belka

In der aktuellen Studie untersuchten die Forschenden Krebsgewebe aus zwei unabhängigen Probensammlungen: Ein multizentrisches Patientenkollektiv der DKTK Radiation Oncology Group (DKTK-ROG; Koordinator der miRNA-Studie Prof. Michael Henke) sowie ein monozentrisches Patientenkollektiv aus der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der LMU (Leitung Prof. Belka). Bei den Analysen konzentrierten sich die Forscher auf sogenannte miRNAs: Winzige Moleküle, die die Aktivität zahlreicher (zum Teil krebsrelevanter) Gene beeinflussen. „Durch die Zusammenarbeit mit den Kollegen konnten wir so insgesamt 162 Proben von Patienten mit HPV-negativen Kopf-Hals-Tumoren untersuchen “, beschreibt Dr. Julia Heß. Sie teilt sich die Erstautorenschaft mit Dr. Kristian Unger, der wie Heß eine Arbeitsgruppe in der Abteilung Strahlenzytogenetik leitet. Aus sämtlichen miRNAs konnten die Forscher fünf herausarbeiten, deren Ausprägung den Krankheitsverlauf und das Rückfallrisiko vorhersagte. „Diese fünf miRNAs – im Fachjargon Signatur genannt - erlauben in Kombination mit weiteren klinischen Werten die Definition von vier Gruppen mit unterschiedlicher Prognose“, ergänzt Unger.

„Solche molekularen Marker sind die erste Voraussetzung für personalisierte Behandlungsansätze bei HPV-negativen Kopf-Hals-Tumoren“, so Studienleiter Belka abschließend. „Wenn sich diese Zahlen im großen Maßstab bestätigen, könnte man daraus künftig personalisierte Anpassungen der Therapieintensität ableiten.“ So wäre es denkbar, bei Patienten mit niedrigem Rückfallrisiko die Intensität zu reduzieren oder bei Hochrisikopatienten diese zu erhöhen. Zudem könne man nun nach den Genen suchen, die von den fünf miRNAs beeinflusst werden und herausfinden, ob sie lohnende Zielstrukturen für die Therapie darstellen.


Quelle: Helmholtz Zentrum München

05.09.2018

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