Ein Rettungshubschrauber hebt vom Flugplatz ab

Bildquelle: DFKI; Foto: Bauer/DRF Luftrettung 

News • Verbundprojekt PRIORITAS

KI-System optimiert Notfallversorgung

Eine schnelle und zielgerichtete Notfallversorgung erfordert in den Integrierten Leitstellen täglich komplexe Entscheidungen unter hohem Zeitdruck. Disponenten müssen dabei medizinische, einsatztaktische und organisatorische Faktoren gleichzeitig bewerten.

Das Verbundprojekt PRIORITAS (Präklinische Rettungsmitteloptimierung durch ein intelligentes, optimierendes, ressourcenorientiertes IT-gestütztes Analysesystem) entwickelt deshalb ein intelligentes, KI-gestütztes System, das Leitstellen bei diesen komplexen Entscheidungen unterstützt. Grundlage ist die sogenannte „Next-Best-Strategie“: Ziel ist es, für jeden Einsatz die bestmögliche Versorgungsoption zu identifizieren – von der Auswahl der geeigneten Rettungsmittel und Sicherung einer schnellstmöglichen Versorgung bis hin zur Zuweisung in die medizinisch bestgeeignete Klinik. So soll die präklinische Notfallversorgung, vom Notrufeingang in der Integrierten Leitstelle bis zur Patientenübergabe in der Klinik, weiter verbessert und wertvolle Zeit für Patienten gewonnen werden. 

Dieser Artikel könnte Sie auch interessieren

Photo

Artikel • Schlaganfall, Herzinfarkt, Unfall

Notfallmedizin im Fokus

In der Medizin ist Zeit häufig ein entscheidender Faktor. So zählt bei Schlaganfall, Herzinfakt oder auch bei Unfällen jede Minute und kann drastische Auswirkungen auf Gesundheit oder sogar Überleben des Patienten haben. Lesen Sie hier, wie innovative Techniken Notfallmediziner in diesem Wettlauf unterstützen.

Bei zeitkritischen Notfällen treffen Disponenten in den Integrierten Leitstellen innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen, welche maßgeblich für das Leben und die spätere Genesung von Patienten sind. Sie müssen anhand der verfügbaren und abgefragten Informationen einschätzen, in welchem Zustand sich ein Patient befindet und daraus ableiten, welche Rettungsmittel benötigt werden. Neben der Verfügbarkeit der Rettungsmittel spielt auch die Aufnahmekapazität der geeigneten Kliniken eine wesentliche Rolle bei der Entscheidungsfindung. Kommt ein Luftrettungsmittel zum Einsatz, können unter anderem auch bestimmte Wetterlagen Einfluss auf die Durchführung des Einsatzes haben. Diese Vielzahl an Faktoren macht den Einsatzalltag hochkomplex – genau hier setzt PRIORITAS an, ein innovatives, durch die DRF Stiftung gefördertes KI-Projekt, das den Dispositionsprozess in den Leitstellen nachhaltig optimieren soll. 

Bisherige Systeme lassen sich nur bedingt auf situative Umstände anpassen. Sie zielen weitestgehend auf die Minimierung der Anfahrtszeit ab oder nutzen statische Vorgaben. Unter der Leitung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) entsteht ein neuartiges, KI-gestütztes Analyse- und Entscheidungssystem, das die gesamte Rettungskette sowie verschiedene Parameter erstmals ganzheitlich betrachtet. Vom ersten Notruf an bis zur Patientenübergabe in der geeigneten Klinik bündelt PRIORITAS sämtliche einsatzrelevanten Informationen in einem klar strukturierten, digitalen Lagebild. Dynamisch wechselnde Faktoren – wie die Verfügbarkeit von Rettungsmitteln und Kliniken sowie aktuelle Wetterdaten – werden dabei in Echtzeit berücksichtigt und können nahtlos in bestehende Einsatzleitsysteme integriert werden. Leitstellendisponenten erhalten systematisch aufbereitete, transparent erklärte Vorschläge, die ihre Expertise nicht ersetzen, sondern sie gezielt unterstützen und den Entscheidungsprozess begleiten. Das Ziel: die kognitive Beanspruchung senken, Entscheidungssicherheit und -qualität steigern. 

Von den im Projekt PRIORITAS entwickelten Ansätzen profitieren unterschiedliche Akteure im Gesundheits- und Rettungswesen: Für Patienten bedeutet die optimierte Steuerung von Rettungseinsätzen vor allem kürzere Prähospitalzeiten und eine verbesserte Versorgungsqualität. Einsatzkräfte werden durch stabilere Einsatzabläufe und eine geringere Zahl an Nachalarmierungen entlastet. Leitstellen erhalten eine bessere Übersicht über verfügbare Ressourcen und können Entscheidungen konsistenter und fundierter treffen. Auch Krankenkassen und andere Kostenträger profitieren von effizienteren Prozessen, die Transport- und Behandlungskosten reduzieren können. Insgesamt trägt PRIORITAS dazu bei, die Notfallversorgung effizienter, zielgerichteter und qualitativ hochwertiger zu gestalten. 

Die DRF Luftrettung begleitet die Entwicklung eng und bringt ihre praktische Erfahrung sowie ihr Netzwerk ein, um sicherzustellen, dass das System nicht nur technisch beeindruckt, sondern im realen Einsatzalltag überzeugt. Besonderes Augenmerk liegt auf einem verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, eine Lösung zu schaffen, die nachvollziehbar, transparent und praxistauglich ist – und so das Vertrauen und die Akzeptanz der Leitstellendisponenten gewinnt. Gemeinsam mit ausgewählten Leitstellen aus Baden-Württemberg werden im Projektverlauf die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für einen Probebetrieb von PRIORITAS abgestimmt. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse werden in die weitere Entwicklung des Systems einfließen. Die Rückmeldungen aus dem echten Einsatzgeschehen sorgen dafür, dass das System Schritt für Schritt verfeinert wird und sich an konkreten Anforderungen der Praxis orientiert. Ein entscheidender Vorteil: PRIORITAS entwickelt ein innovatives Schema zur Notrufabwicklung, das bewusst als Open-Source-Projekt entsteht. Es bleibt offen, transparent und durch verschiedene Partner weiterentwickelbar – ein wichtiger Baustein für eine langfristige, bundesweite Integration. 

Bereits beim Auftakttreffen Anfang April am Operation Center der DRF Luftrettung in Rheinmünster wurde deutlich, worauf es bei der Entwicklung von PRIORITAS ankommt: die enge Zusammenarbeit von Partnern aus Forschung, Luftrettung, Leitstellenbetrieb und Technologieentwicklung. Die Beteiligten bringen nicht nur ihre fachliche Expertise ein, sondern auch wertvolle Erfahrungen aus ihren jeweiligen Netzwerken. Dadurch fließen unterschiedliche Perspektiven und Erkenntnisse aus der Notfallversorgung in die Entwicklung ein. 

Ebenso wurde klar gemacht, welchen Nutzen PRIORITAS schlussendlich stiften soll: Menschen in Not schneller, sicherer und zielgerichteter die richtige Hilfe zukommen zu lassen. Wir sind überzeugt, dass PRIORITAS einen wichtigen Beitrag dazu leisten wird, Leben noch wirksamer zu retten und Ressourcen effizient einzusetzen – heute und in Zukunft. 


Quelle: Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz 

09.07.2026

Verwandte Artikel

Photo

Artikel • Deutscher Krebskongress 2026

Large Language Models in der Onkologie: Potenzial trifft auf Infrastrukturprobleme

Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin diskutierten Experten aus München, Köln, Hamburg und Dresden den Einsatz von Large Language Models (LLMs) in der Krebsmedizin. Die Session zeigte…

Photo

Interview • Digitalisierung im Gesundheitswesen

„Wir befinden uns dank KI auf dem Weg zur Präzisionsmedizin“

Sandra Colner von Dell Technologies erklärt im Interview, wie Digitalisierung dazu beitragen kann, Personalmangel und steigende Kosten im Gesundheitswesen zu bewältigen.

Photo

News • Verbundprojekt APONA

Das Potenzial von KI in der Notfallversorgung ergründen

Bundesweit steigt die Zahl von Patienten in den Notaufnahmen. Das Verbundprojekt "APONA" soll mithilfe von KI die Prozesse optimieren und so die drohende Überlastung verhindern.

Newsletter abonnieren