Internationale Forschung

Immunsystem treibt Pilzsporen in den Suizid

Wissenschaftler entdecken einen Schutzmechanismus des Immunsystems in der Lunge.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat herausgefunden, wie sich der menschliche Körper gegen Pilzinfektionen schützt. Mit jedem Atemzug gelangen Pilzsporen in die Lunge, wo sie gefährliche Infektionen auslösen können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Israel und den USA fanden nun heraus, dass das Immunsystem des Menschen bei den Pilzsporen in der Lunge eine Art Selbstmord-Mechanismus auslöst, der dazu führt, dass die Pilzsporen sich selbst zerstören. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Science erschienen.

Gefährliche Mykosen vermeiden

An invasiven Pilzinfektionen sterben jedes Jahr weltweit genauso viele Menschen wie an Malaria oder Tuberkulose. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können die Sporen über die Lunge ins Blut und von dort aus in Organe einschließlich des Gehirns gelangen. Das kann zu gefährlichen Mykosen führen, die häufig tödlich enden. Die Forscherinnen und Forscher gingen nun der Frage nach, weshalb Menschen mit intaktem Immunsystem nicht häufiger krank werden, obwohl wir jeden Tag bis zu zehn Milliarden Pilzsporen einatmen, und wie ein intaktes Immunsystem die Pilzsporen daran hindert, sich im Körper zu verbreiten.

Schutzprotein Bir1 ausschalten

Prof. Dr. Gerhard Braus
Prof. Dr. Gerhard Braus
Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

„Wir haben herausgefunden, dass unsere menschlichen neutrophilen Immunzellen in der Lunge bei den Pilzsporen eine Art Selbstmord-Mechanismus auslösen“, erläutert Prof. Dr. Gerhard Braus, Leiter der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen. Pilzsporen verfügen über ein Schutzprotein gegen den pilzlichen Selbstmord (Bir1). „Gelangen Pilzsporen in die Lunge, sendet die Immunzelle ein Signal aus, welches das Schutzprotein Bir1 ausschaltet“, so Braus. „Als Folge davon zerstört sich die Pilzspore selbst.“ Enthält ein Pilz mehrere Gene für Bir1 und damit auch mehr Bir1-Protein als normal, bleibt die Pilzspore geschützt und zerstört sich nicht. Die Ergebnisse der Studie könnten die Grundlage bilden für neue therapeutische Strategien, um Patienten mit Pilzinfektionen zu heilen.


Quelle: Georg-August-Universität Göttingen

12.09.2017

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Corticosteroide im Fokus

Tuberkulose: Immuntherapie hemmt den Zelltod

Die Behandlung der Tuberkulose mit mehreren Antibiotika über viele Monate hinweg ist nach wie vor eine Tortur für die Patienten. Zunehmende Resistenzen der Erreger erschweren diese langwierige…

Photo

Umstrittener Entwöhnungshelfer

Rauchstopp? Lungenärzte warnen vor E-Zigaretten

In den USA stehen E-Zigaretten seit geraumer Zeit schwer in der Kritik – jetzt schalten sich auch deutsche und europäische Experten in die Debatte ein: E-Zigaretten sind für Menschen, die ganz…

Photo

Makrophagen

Gelenke bilden "Schutzschild" aus Fresszellen

Ein Forschungsteam des Uni-Klinikums Erlangen hat entdeckt, dass Makrophagen geschlossene Barrieren bilden können und Gelenke so vor Entzündungen schützen. Bislang standen die Fresszellen des…

Verwandte Produkte

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Immunoassays

Beckman Coulter – Access 25(OH) Vitamin D Total

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Active B12

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Active B12

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Immunoassays

Beckman Coulter – Access Procalcitonin (PCT)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Immunochemistry

Beckman Coulter – Anti-Mullerian Hormone (AMH)

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Immunochemistry

Beckman Coulter – phi (Prostate Health Index)

Beckman Coulter, Inc.