News • Kardiologie

Herzschrittmacher nach TAVI: Risiko hängt vom Geschlecht ab

Eine Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität analysierte Überlebensdaten von mehr als 1.100 Betroffenen nach kathetergestütztem Aortenklappenersatz.

Nach einem kathetergestützten Aortenklappenersatz (TAVI) kann aufgrund von Störungen der elektrischen Erregungsleitung des Herzens ein Herzschrittmacher notwendig werden. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass dessen Bedeutung für die weitere Prognose bei Frauen und Männern unterschiedlich ist. Mediziner der Karl Landsteiner Privatuniversität (klu Krems) untersuchten dazu die kurz- und langfristigen Überlebensdaten von mehr als 1.100 Betroffenen. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern, die für eine individuellere Einschätzung von Risiken vor und nach dem Eingriff sprechen. Zunehmend relevant ist das, da TAVI immer häufiger auch bei jüngeren Menschen zum Einsatz kommt.

Der Einsatz von TAVI hat die Behandlung einer schweren Verengung der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) grundlegend verändert. Dabei wird eine neue Herzklappe über einen Katheter eingesetzt, ohne dass eine klassische Operation am offenen Herzen notwendig ist. Zu den häufigeren Folgen des Eingriffs gehören jedoch Störungen der elektrischen Erregungsleitung des Herzens, die einen permanenten Herzschrittmacher erforderlich machen können. Bisher wurde deren prognostische Bedeutung überwiegend für Patienten gemeinsam untersucht. Dabei unterscheiden sich Frauen und Männer sowohl anatomisch als auch hinsichtlich ihrer Herz-Kreislauf-Erkrankungen und möglicher Komplikationen erheblich. Ein Team von Medizinern der klu Krems untersuchte deshalb erstmals gezielt, ob ein Herzschrittmacher das Überleben nach TAVI bei Frauen und Männern in unterschiedlichem Maße beeinflusst.

Modell eines Herzens auf einem Tisch, hinter dem eine Person in Artzkleidung...

© Warawan - stock.adobe.com

Prognose: Unterschied

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Schrittmacherstatus bei Frauen und Männern nicht dieselbe prognostische Bedeutung hat", sagt Dr. Cecilia Veraar von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin III am Universitätsklinikum St. Pölten – einem Lehr- und Forschungsstandort der klu Krems – und Erstautorin der Studie. „Bei Frauen sehen wir vor allem ein erhöhtes Risiko für Komplikationen unmittelbar nach einem neu eingesetzten Schrittmacher, während bei Männern ein bereits bestehender Schrittmacher ein wichtiger Hinweis auf das langfristige Risiko sein kann."

Grundlage der Untersuchung waren Daten von 1.114 Personen, die zwischen 2016 und 2020 am Universitätsklinikum St. Pölten eine TAVI erhielten. 555 davon waren Frauen, 559 Männer. Das Team unterschied jeweils drei Gruppen: Personen ohne Herzschrittmacher, solche mit einem bereits vor der TAVI vorhandenen Schrittmacher sowie jene, die innerhalb von 30 Tagen nach dem Eingriff einen neuen benötigten. Anschließend wurden sowohl die 30-Tage- als auch die Fünf-Jahres-Sterblichkeit getrennt nach Geschlecht analysiert. Auffällig war bereits die Ausgangssituation: Nur 7,0 Prozent der Frauen, aber 14,5 Prozent der Männer hatten schon vor der TAVI einen Schrittmacher. Nach dem Eingriff benötigten dagegen ähnlich viele Frauen und Männer einen neuen – 12,8 beziehungsweise 14,7 Prozent.

Die ersten 30 Tage

Gerade bei den Folgen zeigten sich jedoch unterschiedliche Muster. Bei Frauen war ein neu implantierter Schrittmacher mit einer schlechteren Überlebensrate innerhalb der ersten 30 Tage verbunden. Gleichzeitig traten bei ihnen schwere Blutungen signifikant häufiger auf als bei Männern; auch Schlaganfälle, Herzbeuteltamponaden und Wiederbelebungen waren zahlenmäßig häufiger, ohne bei diesen einzelnen Komplikationen statistische Signifikanz zu erreichen. Nach fünf Jahren spielte der Schrittmacherstatus für das Überleben der Frauen dagegen keine erkennbare Rolle. Bei Männern zeigte sich nahezu das umgekehrte Bild: Kurzfristig bestanden keine Unterschiede, langfristig hatten Männer mit einem bereits vor der TAVI vorhandenen Schrittmacher die ungünstigste Prognose. Auch nach Berücksichtigung weiterer Risikofaktoren blieb dieser Zusammenhang bestehen.

Für Prof. Julia Mascherbauer von der Klinischen Abteilung für Innere Medizin III am Universitätsklinikum St. Pölten und Senior-Autorin der Studie gewinnen solche Unterschiede zunehmend praktische Bedeutung. TAVI wird heute nicht mehr ausschließlich bei sehr alten Hochrisikopatienten eingesetzt. Mit der Ausweitung auf jüngere Gruppen wächst der Zeitraum, über den sich Herzrhythmusstörungen und eine Schrittmachertherapie auswirken können. Die Ergebnisse sprechen daher dafür, geschlechtsspezifische Faktoren stärker in Risikobewertung, Beratung und Nachsorge einzubeziehen. Gleichzeitig weisen die Forschenden darauf hin, dass ein bereits vorhandener Schrittmacher bei Männern wahrscheinlich vor allem ein Hinweis auf eine weiter fortgeschrittene Herz-Kreislauf-Erkrankung ist und nicht selbst als Ursache der höheren Sterblichkeit interpretiert werden sollte.

Quelle: Karl Landsteiner Privatuniversität (klu Krems)

24.09.2026

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