Krebs anders behandeln

Grundlagenforschung und Klinik eng verzahnen

Etwa eine halbe Million neudiagnostizierte Krebspatienten erwarten Forscher für das Jahr 2014 allein in Deutschland. Rund die Hälfte der Betroffenen wird an ihrer Erkrankung versterben. Um die Prävention, Diagnostik aber auch Therapie für die Patienten zu verbessern, müssen sich die beteiligten Fachgebiete in der Krebsforschung bestmöglich vernetzen, so die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Nur dann gelinge es, neues Grundlagenwissen in die Klinik und zum Patienten zu bringen.

Wissenschaftler schlüsseln menschliche Erbsubstanz heute so schnell und genau auf, dass sie an krankhaft veränderten Gene erkennen können, welche Form von Krebs diese verursachen. Diese Hochdurchsatz DNA-Sequenziertechnologie erlaubt es, gezielt gegen eine bestimmte Krebsart vorzugehen. „Das kann jedoch nur dann funktionieren, wenn Grundlagenwissenschaftler in den klinischen Prozess stark mit eingebunden und beide Seiten eng verzahnt werden“, erklärt Professor Dr. med. Michael Hallek, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik I für Innere Medizin der Universität zu Köln. Traditionell handele es sich hier eher um voneinander getrennte Bereiche. „Die Translation bringt sie zusammen, eröffnet eine neue Dimension der Krebsforschung und stiftet – das ist das Hauptziel – großen Nutzen für unsere Patienten“, so Prof. Hallek.

Bei der translationalen Krebsforschung arbeiten Ärzte, Biologen, Grundlagenwissenschaftler und Pharmakologen eng zusammen und entwickeln so gemeinsam neue Wege in der Behandlung von Krebs. „Biochemiker erforschen zum Beispiel Abwehrmechanismen der Krebszelle, die ihr einen Überlebensvorteil gegenüber anderen Zellen im Körper bieten“, beschreibt Professor Dr. med. Christian Reinhardt aus dem Kölner Team. Er ergänzt: „Anhand des Profils der Zellen entwickeln dann Molekularbiologen, Chemiker und Bioinformatiker Wege, um diese resistenten Krebszellen zu bekämpfen.“ Die Validierung neuer Ansätze, sowie die Erprobung eines neuen Medikaments erfolgen dann modellhaft an genetisch definierten Tiermodellen humaner Krebserkrankungen, sowie an menschlichen Zellen und Geweben. „Die neu studierten Wirkprinzipien wiederum finden bei Erfolg im Modell eine klinische Anwendung am Patienten“, erklärt der Experte und betont: „Der große Vorteil an diesem Vorgehen ist, dass Patienten auf diese sehr gezielte, individuelle Therapie besser ansprechen“. Zudem blieben ihnen unnötige Therapien mit Präparaten erspart, die bei ihnen nicht wirken, weil der Krebs dagegen resistent ist – diese Zeit sei zudem wertvolle Lebens- und Therapiezeit.“ Daran knüpfte sich auch die Frage, ob eine umfassende Genanalyse für alle Patienten durchführbar sein wird und wie die Patientendaten zu schützen sind.

 

Quelle: Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin

22.01.2015

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