Genauer Blick auf die Ungeborenen - 3D/4D in der gynäkologischen Sonographie

Die 3D-Sonographie gibt es in Deutschland seit 25 Jahren. 1989 kam das erste kommerziell betriebene Gerät auf den Markt und 1997 fand in Mainz der erste Weltkongress zur 3D-Sonographie statt.

Prof. Dr. Eberhard Merz
Prof. Dr. Eberhard Merz
Quelle: Prof. Dr. Eberhard Merz
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Prof. Dr. Eberhard Merz
Quelle: Prof. Dr. Eberhard Merz

Prof. Dr. Eberhard Merz, Leiter des Zentrums für Ultraschall und Pränatalmedizin am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt, gilt weltweit als Pionier des 3D-Ultraschalls in der Pränatalmedizin. Für ihn hat die 3D/4D-Technologie zahlreiche Vorteile gegenüber der herkömmlichen Methode: „Mit ihr steht mir ein breites diagnostisches Spektrum zur Verfügung, das sie zu einem wertvollen additiven Verfahren zur konventionellen 2D-Sonographie macht.“

Denn mit den 3D-Systemen können nicht nur einzelne Bildebenen, sondern komplette Volumina oder gar Volumensequenzen gescannt und gespeichert werden, sodass man diese einzeln untersuchen kann. Dadurch können unklare Befunde jederzeit gezielt nachbefundet werden, ohne dass die Patientin anwesend sein muss. Ein weiterer großer Vorteil ist die Flexibilität des Verfahrens, denn der Untersuchende kann mit automatischen Volumensonden mit 2D beginnen, dann auf 3D und schließlich auf 4D umschalten – oder umgekehrt.

Unterschiedliche Darstellungsmodi
Neben den Speichermöglichkeiten bietet die 3D/4D-Sonographie insbesondere bei der pränatalen Diagnostik eine Vielzahl von unterschiedlichen Darstellungsmodi: Bei der multiplanaren Darstellung werden alle drei senkrecht aufeinander stehende Schnittebenen auf dem Monitor abgebildet. Der Untersuchende kann so durch das Volumen hindurch navigieren. Im „Tomographie-Modus“ werden parallele Schnittbilder wie beim CT oder MRT auf dem Monitor angezeigt. „Wir können ein Organ in einzelne Scheiben schneiden – wie wir das praktisch beim Ei mit dem Eierschneider machen. So haben wir lauter zwei-dimensionale Schnittebenen parallel auf dem Monitor “, so der Spezialist.
Im „Omni-View-Verfahren“ kann der Arzt eine beliebige Linie durch ein Organ ziehen, um dann die senkrecht dazu liegende Schnittebene angezeigt zu bekommen. Merz: „Wenn ich einen steil anteflektierten Uterus von der Seite anschaue, dann lege ich die Linie in die Schleimhaut hinein und bekomme dann den Uterus in einer aufgerichteten Version in einem Frontal-Schnitt angezeigt.“

Die Oberflächendarstellung erlaubt es, Schnittflächen eines Organs, z.B. die Gebärmutter, zu betrachten. „Ich schneide hierzu einfach die linke oder rechte Hälfte elektronisch weg, drehe den Uterus und kann dann wie der Pathologe auf die Schnittstelle schauen und bekomme ein Oberflächenbild von der Schnittfläche. Dank dieses dreidimensionalen Bildes erkenne ich die Strukturen deutlich besser“, so der Pränataldiagnostiker.

Im Transparenzmodus hingegen lässt sich ein Volumen wie ein gläsernes Modell darstellen. Diese transparente Sicht kann mit dem Farb- oder Power-Doppler-Modus kombiniert werden. Dieser „Glas-Body-Modus“ ergibt eine räumliche Darstellung des Blutflusses der Gefäße in den Organen. Bei einem auffällig durchbluteten Organ – z.B. beim Corpus- oder Zervixkarzinom – kann die gesamte Neovaskularisation im Raum erfasst und die komplette Gefäßarchitektur mit Stenosierungen und Dilatationen erkannt werden. Irreguläre Gefäße können somit zügig erkannt werden.

Neue Standards in der Feindiagnostik
Die unterschiedlichen Abbildungsmodi eröffnen dem untersuchenden Arzt völlig neue diagnostische Aspekte in der Gynäkologie, der pränatalen Diagnostik und in der Mammadiagnostik. In der gynäkologischen Diagnostik ermöglicht die 3D-Sonographie nicht nur eine übersichtlichere und präzisere Organuntersuchung im kleinen Becken, es kann auch der Beckenboden von unten anatomisch korrekt dargestellt werden. Dies hilft zum Beispiel bei der Diagnose von Geburtsverletzungen oder der Harninkontinenz.

In der Pränatalmedizin erlaubt die 3D-Sonographie die gezielte Untersuchung komplexer Organsysteme. So kann das fetale Gehirn in allen drei Ebenen systematisch untersucht werden. Die Oberflächendarstellung gestattet eine nahezu naturgetreue Abbildung der gesamten fetalen Oberfläche. So lassen sich beispielsweise Oberflächendefekte im Gesichtsbereich oder auch im Bereich der Wirbelsäule gezielt nachweisen. Mit der 4D-Sonographie können zusätzlich die Bewegungen des Fetus im Raum dargestellt werden.

Auch bei Brustauffälligkeiten ergeben sich weitere interessante diagnostische Ansichten. Denn neben den herkömmlichen Schnittebenen bietet die 3D-Sonographie zusätzlich die koronaren Schnittebenen an, in denen sich bei bösartigen Tumoren sehr häufig das sogenannte Retraktionsmuster erkennen lässt. Hierbei handelt es sich um eine echoarme strahlenförmige Struktur, die typisch für Malignome ist, während gutartige Tumoren ein Kompressionsmuster aufweisen. Insbesondere bei der dichten Brust hat die 3D-Diagnostik einen deutlichen Vorteil gegenüber der Mammographie, stellt Merz fest: „Wir haben pro Jahr etwa 15 bis 20 Karzinome, die wir entdecken, ohne dass diese in der Mammographie auffallen. Das bedeutet, dass bei Frauen mit einer Brustdichte von Grad 3 und 4 der Ultraschall der Mammographie eindeutig überlegen ist.“

Profil:
Prof. Dr. Eberhard Merz absolvierte sein Medizinstudium an den Universitäten Tübingen, Marburg und Kiel. Von 2000-2014 leitete der Pränataldiagnostiker die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am Nordwestkrankenhaus. Von 2006 bis 2008 war Merz Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin. Als Vorsitzender der „Fetal Medicine Foundation“ Deutschland“ führte er 1997 das Risikokalkulationsprogramm PRC in Deutschland ein. Dieses wird nun in der dritten Version von über 10 000 Ärzten in 20 Ländern zur Erkennung fetaler Auffälligkeiten im ersten Drittel der Schwangerschaft angewendet.

2008 wurde er für seine außerordentlichen Leistungen auf diesem Gebiet von der Internationalen Gesellschaft „The Fetus as a Patient“ mit der William-Liley-Medaille ausgezeichnet und im gleichen Jahr in die „International Academy of Perinatal Medicine“ aufgenommen.

Veranstaltung:
Saal Strassburg
Mi., 29.10., 17:00–17:20 Uhr
3D in der gynäkologischen Sonographie
E. Merz, Frankfurt (D)
Session: Gynäkologischer Ultraschall, Teil 4 (AWS4)
 

23.10.2014

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