News • Minimalinvasive Operationen

Dreidimensionale Bilder zur besseren Patientenversorgung

Die dritte Dimension hält Einzug in die Operationssäle. Bei minimalinvasiven Operationen ermöglicht die 3-D-Technik dreidimensionales Sehen und erlaubt so präzisere und schnellere Eingriffe. Für die Patienten bedeutet dies einen noch kürzeren Heilungsprozess. Experte Professor Dr. Tobias Keck, Direktor der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erläutert, wohin sich die 3-D-Operationstechnik entwickelt und welchen Nutzen das für die Patienten bringt.

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Professor Dr. Tobias Keck, Direktor der Klinik für Chirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.
Quelle: UKSH

Operieren in der dritten Dimension war bei der klassischen offenen Operation über lange Zeit der Normalfall: Der Chirurg hatte einen direkten Einblick ins Körperinnere und erhielt so ein natürliches Bild in 3-D. Dafür wurden bei komplexeren Operationen allerdings auch relativ große Schnitte benötigt, was für die Patienten mit ausgeprägten postoperativen Schmerzen, längerem Krankenhausaufenthalt und einer langen Genesungszeit verbunden war.

Minimalinvasive Eingriffe, die sogenannten Schlüssellochoperationen, schafften dafür in der Folge der medizintechnischen Entwicklungen Abhilfe. „Die Fortschritte in der modernen Chirurgie sind ganz wesentlich durch die Entwicklungen in der minimalinvasiven Chirurgie vorangetrieben worden“, sagt Professor Keck. „Sie hat sich dadurch zunehmend als Therapie bei gut- und bösartigen Erkrankungen etabliert.“ Bei minimalinvasiven Eingriffen sind nur noch kleine Schnitte nötig, durch die die Operationsinstrumente sowie eine Kamera eingeführt werden, über welche der Chirurg zweidimensionale Bilder gesendet bekommt. Diese 2-D-Operationsmethode ist heute Standard, stellt den Chirurgen aber auch vor bestimmte Herausforderungen: Er muss die Operation mit sehr geringem Spielraum der Instrumente durchführen und erhält kaum eine sensorische Rückmeldung über das Gewebe, in welchem er schneidet. Hinzu kommt die Schwierigkeit, ein 2-D-Bild in ein dreidimensionales Operationsfeld zu übertragen. Durch diese Anforderungen besteht eine ausgeprägte Lernkurve für Operateure, die chirurgischen Fertigkeiten zu erlangen.

Zukunftsweisend ist die 3-D-Laparoskopie auch deshalb, weil ihr Einsatz eine Schnittstelle zur robotergestützten sowie zur navigierten Chirurgie ist – also zum Integrierten 3-D-OP der Zukunft führt.

Professor Dr. Tobias Keck

„Eine deutliche Verbesserung wird heute mit dem Einsatz von 3-D-Operationssystemen erzielt“, erklärt Keck. Bei 3-D-Laparoskopiesystemen befinden sich am Ende des Endoskops bei minimal-invasiven Eingriffen zwei exakt aufeinander ausgerichtete Bildsensoren, die dem Operateur ein naturgetreues endoskopisches 3-D-Bild liefern. Die räumliche Darstellung des Operationsfeldes erleichtert die Augen-Hand-Koordination bei den chirurgischen Arbeiten, weil der Chirurg die Abstände anatomischer Strukturen zueinander sowie die der Instrumente besser einschätzen kann: So kann er beispielsweise die Nadel beim Nähen besser erkennen und dadurch schneller und präziser nähen. Die im 2-D-Verfahren fehlende Taktilität wird zum Teil optisch kompensiert. Insgesamt erlernen die Operateure die chirurgischen Fertigkeiten in der 3-D-Technik signifikant schneller.

Die neue Technik ist möglich bei allen komplexeren Eingriffen in der Bauchhöhle – am Magen, dem Darm, der Galle oder bei Leistenbrüchen. Für die Patienten bedeutet sie kürzere Operationszeiten und bessere Operationsergebnisse. „Zukunftsweisend ist die 3-D-Laparoskopie auch deshalb, weil ihr Einsatz eine Schnittstelle zur robotergestützten sowie zur navigierten Chirurgie ist – also zum Integrierten 3-D-OP der Zukunft führt“, erklärt Professor Keck. Dessen Vorteile für den Patienten lägen in einer weiteren Verringerung des Operationstraumas, verbunden mit schnelleren Genesungszeiten sowie einer Ausdehnung der minimalinvasiven Operationsmöglichkeiten für Krebserkrankungen. Auch das postoperative Sterberisiko solle dadurch verringert werden.


Quelle: DGIM/MEDICA EDUCATION CONFERENCE

08.04.2016

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