Milz

Die Milz – das vergessene Organ

Die Milz ist ein kleines Organ, das für große Verunsicherung sorgen kann, wenn es sich doch einmal bemerkbar macht. Da die Milz nur selten Ursache von Erkrankungen im Oberbauch ist, beschäftigen sich die meisten Ärzte wenig mit ihr. Prof. Dr. Christian Görg, Oberarzt der Abteilung Hämatologie/Onkologie und Leiter der Ultraschallabteilung am Zentrum für Innere Medizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Deutschland, bildet da eine Ausnahme.

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Prof. Dr. Christian Görg, Oberarzt der Abteilung Hämatologie/Onkologie und Leiter der Ultraschallabteilung am Zentrum für Innere Medizin am Universitätsklinikum Gießen und Marburg.

Durch seinen onkologischen Hintergrund hat er einen geschulten Blick auf die Milz entwickelt, denn sie ist als größter Lymphknoten im Körper besonders anfällig u.A. für Krebserkrankungen. Wann aber ist eine Milzsonographie notwendig? Der Experte gibt eine Übersicht.

Perirenale Raumforderungen: „Kleine Raumforderungen in der Nähe der Milz werden recht häufig bei Routineuntersuchungen gefunden“, berichtet Prof. Görg im Interview. „Dann geht es darum herauszufinden, ob es sich um eine ernstzunehmende Pathologie handelt oder vielleicht nur eine anatomische Variante. Denn etwa 15 Prozent der Bevölkerung haben eine sogenannte Nebenmilz (Abb.1), die eine harmlose Heterotopie des Milzgewebes darstellt.“

Die kleine Milz: Eine kleine Milz an sich stellt zunächst kein eigenständiges Krankheitsbild dar, aber: „Man muss prüfen, ob das Gewebe normal durchblutet ist oder ob eine funktionelle Asplenie/Hyposplenie vorliegt, die Milz also z.B. in Folge von rezidivierenden Infarkten geschrumpft ist (Abb. 2a). Das lässt sich sehr gut mithilfe der kontrastmittelunterstützen Sonographie abklären (Abb. 2b).“ Der Einsatz von Echoverstärkern funktioniert in der Milz deshalb so hervorragend, weil das Gewebe das Kontrastmittel in der arteriellen Phase nicht nur sehr stark anreichert, sondern es in der Parenchymphase auch besonders lange hält.

Die große Milz: Mögliche Ursachen für solch eine Splenomegalie können eine Infektionskrankheit wie das Pfeiffersche Drüsenfieber sein (Abb.3), eine Leberzirrhose, die zu einem Blutstau in der Milzvene führt, oder auch bestimmte maligne Lymphome, die mit einer vergrößerten Milz einhergehen.

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Die inhomogene Milz: „Normalerweise weisen parenchymatöse Organe wie Leber und Milz in der Sonographie eine gleichmäßig homogene Echotextur auf“, so Görg. „Gelegentlich kann einem diese Echotextur in der Bildgebung jedoch etwas gröber vorkommen (Abb.4). Bei Infektionskrankheiten findet man solche inhomogenen Milzen häufiger, aber es kann auch eine vaskuläre Pathologie dahinter stecken. Vor allem wenn die Inhomogenität fokal auftritt, können Milzinfarkte die Ursache sein. Auch hier hilft die Kontrastmittelsonographie diese vaskuläre Pathologie darzustellen.“

Schmerzen im linken Oberbauch: Die Milz gehört zu den Organen, die bei einer Bauchverletzung am häufigsten betroffen ist. Fragestellungen, die zuallererst geklärt werden sollten, sind: Liegt ein Trauma vor oder nicht? Befindet sich Flüssigkeit im Bauchraum oder nicht? Ist die Milz die Ursache für diese Blutung oder nicht? Mithilfe der Kontrastmittelsonographie lässt sich ein Hämatom in der Milz sehr gut erkennen, da es das Kontrastmittel nicht anreichert. Eine subkapsuläre Einblutung zeigt sich in der kontrastmittelverstärkten Bildgebung haubenförmig. Zu Einblutungen in der Milz ohne Trauma kommt es häufig bei onkologischen Patienten mit einem stark geschwächten Immunsystem. So leiden Patienten mit akuter oder chronischer Leukämie häufig auch unter einer Splenomegalie, die spontan rupturieren kann (Abb.5a). Als lebensgefährlich gilt hierbei das intralienale Pseudoaneurysma, bei dem sich arterielles Blut in die Milz vorwühlt (Abb.5b). Hier gilt es schnellst möglich interventionelle oder chirurgische Maßnahmen einzuleiten.

Der fokale Rundherd: Eine Biopsie wird hier nur in seltenen Fällen durchgeführt, z.B. bei Verdacht auf eine isolierte Milzmetastasierung. Da das Risiko einer Nachblutung bei einer Milzpunktion hoch ist, beruft man sich lieber auf die klinische Anamnese. Bei Patienten, die unter einem malignen Lymphom leiden, geht man beispielsweise davon aus, dass der Milzrundherd im Zusammenhang mit der Systemerkrankung steht. Bei ansonsten gesunden Patienten ist solch ein zufällig gefundener Rundherd jedoch meist harmlos. Christian Görg empfiehlt zur Sicherheit stets ein kleines diagnostisches Tumorstaging durchzuführen, ansonsten jedoch abzuwarten und zu kontrollieren (Abb.6): „Vielen Kollegen fällt es schwer, keine klare Antwort auf eine diagnostische Fragestellung geben zu können. Das muss man aushalten können. Eine solche Ungewissheit lässt sich aber durch Gewissenhaftigkeit ausgleichen, im Sinne einer klinisch/sonographischen Verlaufskontrolle des Patienten.“


Profil:
Prof. Dr. Christian Görg wurde in der Stadt Simmern im Hunsrück geboren und studierte Humanmedizin, Kirchenmusik und evangelische Theologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Er habilitierte im Jahr 1992 für das Fach „Innere Medizin“ im Fachbereich Humanmedizin der Philipps-Universität Marburg. Seit 1995 ist Görg als Oberarzt in der Abteilung Hämatologie/Onkologie am Zentrum für Innere Medizin am Uniklinikum Gießen und Marburg tätig. Seit 1996 leitet er dort die Ultraschallabteilung. Der 62-Jährige ist verheiratet und Vater von fünf Kindern.

Veranstaltung
Raum: A Davos 2/3
Freitag, 25.09.2015, 14:00 Uhr
Schwierige Diagnosen an der Milz
Christian Görg, Deutschland
Session: Refresher
Abdomen: Milz

24.09.2015

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