Die Computertomographie bleibt zukunftsfähig

In vielen Bereichen ist die Computertomographie die Modalität der Wahl. Besonders ihre Detailgenauigkeit macht sie zum unverzichtbaren bildgebenden Verfahren. In Zukunft könnte eine verbesserte Technik die Strahlungsexposition deutlich verringern.

Photo: Die Computertomographie bleibt zukunftsfähig
Photo: Die Computertomographie bleibt zukunftsfähig

„Die Computertomographie (CT) ist zurzeit das am besten geeignete bildgebende Verfahren, um koronare Stenosen bei Patienten mit intermediärer Vortestwahrscheinlichkeit aufzudecken, die nicht unmittelbar einer Koronarangiographie unterzogen werden sollen. “Prof. Dr. Gabriele A. Krombach, Abteilungsdirektorin der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Gießen des Uuniversitätsklinikums Gießen und Marburg (UKGM), erklärt, dass das auf die Detailgenauigkeit des CT zurückzuführen ist. Die sei bei computertomographischen Aufnahmen viel größer als bei der Magnetresonanztomographie (MRT): „Bei malignen Abgangsvarianten, bei denen eine Koronararterie zum Beispiel zwischen Aorta und Pulmonalarterie komprimiert wird, ist die CT zur Diagnose derzeit die Methode der Wahl.“

Bei der Darstellung von Koronarstenosen ist die CT aus diesem Grund ebenfalls die Modalität der Wahl. Soll bei einem Patienten, der hinsichtlich Koronarstenosen unauffällig ist und keine Risikofaktoren aufweist, eine herzchirurgische Operation vorgenommen werden, zum Beispiel, um einen Herztumor zu entfernen, kann die CT-Diagnostik detaillierte Informationen über eine mögliche Stenosierung der Koronarien beisteuern und zur Prognoseabschätzung hinsichtlich der Operation genutzt werden. Eine weitere wichtige Indikation zur CT besteht in der Kalkdarstellung zur Risikostratifizierung bei intermediärer Vortestwahrscheinlichkeit, wie Krombach im Gespräch mit „RöKo Heute“ erklärt: „Wenn ein asymptomatischer Patient ein Eigenrisiko von 10 bis 20 Prozent aufweist, in den nächsten zehn Jahren eine koronare Herzkrankheit zu erleiden, ist eine Koronarkalkbestimmung in der CT gerechtfertigt.“ Ist das Risiko allerdings viel höher, dann sei eine CT-Untersuchung nicht indiziert. Der Patient müsse dann direkt einer invasiven Angiographie zugeführt werden. Auch bei einem schwachen Risikoprofil eines asymptomatischen Patienten unter 10 Prozent gibt es keine Indikation zur CT. „Dann macht man nichts“, sagt Krombach. 

Besondere Stärken der CT sieht die Radiologin im Zusammenhang mit perkutanen Klappeninterventionen (TAVI), die in jüngerer Zeit einen wahren Boom erleben. Allein im Zeitraum zwischen 2006 und 2010 nahmen laut des von Dr. Ernst Bruckenberger verfassten „Herzberichts 2010“ die TAVI-Prozeduren von 93 auf mehr als 4.800 zu. „Zur Vorbereitung eines perkutanen Aortenklappenersatzes müssen der Durchmesser des Anulus und der Abstand der Koronarostien zur Klappe bestimmt werden. Dafür ist die CT die Methode der Wahl“, erklärt Krombach, die auch anhand der vermehrten CT-Untersuchungen im Zusammenhang mit TAVI die Zunahme der Prozeduren beobachtet.

Einen Bedeutungsverlust der CT sieht Krombach auch in Zukunft nicht. Zum einen seien die einzelnen Modalitäten komplementär. So könnten beispielsweise mittels Echokardiographie die Koronarien nicht dargestellt werden. Zum anderen gebe es technische Entwicklungen, die sogar zur Erschließung neuer Patientengruppen führen könnten. Besonders im Fokus steht dabei die Reduktion der Strahlungsexposition. Dazu werden neue Detektortechniken entwickelt, die die Strahlung in den Sub-Millisievertbereich senken sollen. „Wenn man es schaffen würde, in der CT die Dosisreduktion umzusetzen, indem die verschiedenen Spektren der Röntgenstrahlung genutzt werden, dann könnte man auch zunehmend jüngere Patientengruppen wie beispielsweise Patienten mit angeborenen Herzfehlern untersuchen“, zeigt sich Krombach optimistisch. Das seien Patienten, die derzeit eher mittels MRT untersucht werden.

Häufige Indikationen für die CT

  • Patienten vor Herzoperationen, die nicht an den Koronararterien vorgenommen werden, zum Beispiel Herzklappenersatz oder Entfernung eines kardialen Tumors
  • Patienten mit intermediärem Risiko, die nicht einer Koronarangiographie unterzogen werden sollen
  • (Verdacht auf) Koronaranomalien
  • Beurteilung von Bypässen (Probleme: Verkalkungen der Nativgefäße, Beurteilung der Anastomosen), auch bei geplanter Reoperation zur Darstellung des Verlaufs der bereits vorhandenen Bypässe
  • Methode der Wahl vor perkutanem Klappenersatz (Aortenklappe)
  • Darstellung der Herzvenen vor Implantation eines biventrikulären Schrittmachers
  • Darstellung der Lungenvenen vor geplanter Ablation bei Arrhythmien
  • Darstellung der Lungenvenen nach Ablation (bei Verdacht auf Stenose)
  • Lungenvenenfehlmündung
     

IM PROFIL
Herzbildgebung, MRT, Interventionelle Radiologie und Bildgebung der Lunge benennt Prof. Dr. Gabriele A. Krombach als ihre wissenschaftlichen Schwerpunktgebiete. Seit 2010 gehört auch die Leitung der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Gießen als Direktorin zu ihren Hauptaufgaben. Von 2006 bis 2010 war Krombach Leitende Oberärztin der Klinik für Radiologische Diagnostik am Universitätsklinikum Aachen, wo sie im Jahr 2008 zur Außerplanmäßigen Professorin ernannt wurde. In Aachen absolvierte die Radiologin auch ihr Medizinstudium und die radiologische Facharztausbildung. Die Venia Legendi für das Fach Diagnostische Radiologie wurde ihr 2003 durch die Medizinische Fakultät der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen erteilt.



 

29.05.2013

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