Dr. Jens Ringel, Leiter des Diamedikum Potsdam, überwacht die erste...
Dr. Jens Ringel, Leiter des Diamedikum Potsdam, überwacht die erste erfolgreiche CRP-Apherese zur Behandlung von Covid-19. Die erste von vier Behandlungen dauerte mehrere Stunden; es werden 3.5 Liter Plasma prozessiert. Der Patient ist wach und entspannt.

Foto: Sheriff

Experimentelle Therapie

CRP-Apherese gegen Covid-19: Erster Patient erfolgreich behandelt

Ein Blutwäsche-Verfahren, das bislang vor allem bei Herzinfarkten zum Einsatz kommt, zeigt vielversprechende Ergebnisse auch bei Covid-19: nun konnte erstmals ein Patient mit der so genannten CRP-Apherese erfolgreich behandelt werden. Die Behandlung richtet sich nicht gegen das Coronavirus selbst, kann aber potenziell lebensgefährliche Folgen der Infektion verhindern.

Bericht: Wolfgang Behrends

Bei vielen Erkrankungen kommt dem C-reaktiven Protein (CRP) eine gefährliche Doppelrolle zu: Das Eiweiß weist als Biomarker nicht nur auf eine bestehende Entzündung hin, sondern ist auch aktiv an überschießenden Immunreaktionen beteiligt und kann dabei gesundes Gewebe nachhaltig schädigen. Das Protein und seine Funktionen sind seit einigen Jahrzehnten bekannt, zusätzliche Bedeutung bekam CRP aber im Verlauf der Corona-Pandemie, denn bei vielen Covid-19-Patienten werden erhöhte CRP-Werte im Blut gemessen, insbesondere bei schweren Verläufen.

Ärzte am Dialysezentrum Diamedikum Potsdam behandelten nun erstmals erfolgreich einen Covid-19-Patienten mit einer speziellen Blutwäsche, um die CRP-Konzentration zu verringern. Die CRP-Apherese trug maßgeblich dazu bei, den krankheitsbedingt kritischen Zustand des 53-Jährigen zu verbessern und verhinderte wahrscheinlich eine Intensivbehandlung. „Aus unserer Sicht ist dieses ‚Experiment‘ sehr positiv verlaufen“, sagte Dr. Jens Ringel, behandelnder Arzt und Leiter des Dialysezentrums, im Rahmen einer Pressekonferenz.

Neue Anwendung einer bekannten Therapie

Nicht das Coronavirus zerstört die Lunge, sondern die Entzündung – CRP wird dadurch zu einem Hauptproblem der Covid-Infektion

Ahmed Sheriff

Ursprünglich wurde die CRP-Apherese von der Firma Pentracor zur Behandlung von Herzinfarkten und Schlaganfällen entwickelt. Bei der Pentracor wurde schon vor einem Jahr die Verbindung zu Covid-19 geknüpft: „Für uns war schnell klar, warum die Lunge während der Erkrankung so großen Schaden nimmt: Die zentrale Aufgabe des CRP ist die Entsorgung absterbender Zellen. Im Verlauf der Krankheit sammelt sich in den Alveolen viel Wasser an, den Lungenzellen steht kaum noch Sauerstoff zur Regeneration zur Verfügung. Das CRP beginnt mit der Entsorgung dieser eigentlich gesunden Zellen und löst damit eine gefährliche Überreaktion aus. In anderen Worten: Nicht das Coronavirus zerstört die Lunge, sondern die Entzündung – CRP wird dadurch zu einem Hauptproblem der Covid-Infektion.“

Das zeigte sich auch bei dem 53-jährigen Pentracor-Mitarbeiter, der vor der Infektion bis auf einen medikamentös eingestellten Typ-2-Diabetes in guter gesundheitlicher Verfassung war. Zunächst litt er unter allgemeiner Abgeschlagenheit, dann verschlechterte sich der Allgemeinzustand des Mannes innerhalb weniger Tage deutlich: er bekam Fieber (bis 40°C) und Schüttelfrost, seine Lungenfunktion war stark eingeschränkt und er verlor 10 Prozent seines Körpergewichts. Durch Sauerstoffmangel und Dehydrierung hatte sich das Blut des Patienten nahezu schwarz verfärbt. Wegen der übereinstimmenden Symptomatik entschieden sich der Patient, Dr. Sheriff und Dr. Ringel für die experimentelle Blutwäsche-Behandlung.

Signifikante Verbesserung nach vier Behandlungen

Bei der CRP-Apherese handelt es sich um ein Doppelfiltrations-Verfahren, erläutert Dr. Ringel: „Zunächst wird das Blutplasma per Zentrifuge von den festen Bestandteilen getrennt. Das im Plasma enthaltene CRP wird anschließend herausgefiltert.“ Die Technik ist bereits etabliert, so dass für die Behandlung keine neuen Geräte angeschafft werden müssen. Da die Verfahrensschritte bekannt sind, entfällt auch die Notwendigkeit eines besonderen Trainings für das Personal.

Dr. Ringel: „Der CRP-Spiegel des Patienten war beim ersten Bluttest mit 20 mg/l bereits auf das zwanzigfache des Normalwertes angestiegen, zwischenzeitlich sogar bis auf 133 mg/l – ein klares Anzeichen für eine schwere Grunderkrankung. Mithilfe der CRP-Apherese konnten wir in vier Behandlungen den Wert wieder auf unter 20 mg/l reduzieren, was mit einer signifikanten Verbesserung des Gesamtzustands des Patienten einherging. Wenige Tage nach der Behandlung war der CRP-Spiegel wieder im Normalbereich angekommen, und auch die pulmonalen Veränderungen waren verschwunden“, so der Mediziner abschließend.

Potenzial für weitere Patienten

Dr. Sheriff sieht nach der gelungenen Behandlung die von ihm entwickelte CRP-Apherese als wertvolle Therapieoption für andere Patienten mit schweren Covid-19-Verläufen: „Im Idealfall wird das Verfahren bereits in der frühen Erkrankungsphase angewendet, da das Protein dann keine Gelegenheit hat, Schäden an den Zellen anzurichten“, so der Pentracor-Geschäftsführer. „Bei einem schnellen Anstieg des CRP-Wertes sollten also bei den behandelnden Ärzten die Alarmglocken klingeln.“

25.01.2021

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