Bessere Prognosen

Strategien zur Optimierung der Radioembolisation hepatischer Metastasen bei kolorektalen Karzinomen

Lange galten Metastasierungen kolorektaler Karzinome in der Leber als nicht heilbar, heute führen Fortschritte in Chirurgie und Interventioneller Radiologie zu wesentlich verbesserten Prognosen. Eine Studie aus Magdeburg analysiert jetzt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um eine wirksame Radioembolisation zu ermöglichen.

Prof. Dr. Jens Ricke
Prof. Dr. Jens Ricke

„Die Zielgruppe unserer Studie zur Wirksamkeit der Radioembolisation bei metastasierenden kolorektalen Karzinomen waren intensiv vorbehandelte, weitgehend austherapierte Patienten mit Neubildungen in der Leber“, erläutert Prof. Dr. Jens Ricke. Für einen First-Line-Einsatz der Intervention fehlen bislang Daten, entsprechende Studien sind noch nicht abgeschlossen, „und somit konnten wir nur Salvage-Situationen evaluieren“, fährt der Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg fort.

Angiogenesehemmer versus Radioembolisation

Gezielte Therapien mit angiogenetischer Wirkung unter Einsatz von Targeted Molecules wie Avastin resultieren in einer Veränderung der Tumorgefäßsituation. Das entspricht der Zielsetzung solcher Therapien: Die Perfusion der Tumoren vermindert sich sukzessive deutlich. Das verhindert aber vermutlich gleichzeitig, dass sich radioaktive Partikel im Rahmen einer Intervention ausreichend in die Tumoren einbringen lassen, wodurch sich die Wirksamkeit einer Radioembolisation verringert. Prof. Ricke: „Die Hypothese unserer Studie lautet: Wir brauchen einen gewissen zeitlichen Abstand zur letzten Gabe von Avastin beziehungsweise Bevacizumab, um die Ansprechraten für radioaktive Substrate auf ein übliches Niveau zu heben.“

Das Magdeburger Team teilte ihr Patientengut in zwei Gruppen ein: Bei einer von ihnen hatte man Avastin vor weniger als drei Monaten oder zwischen drei bis sechs Monaten vor der Radioembolisation abgesetzt, die andere Gruppe hatte gar kein Avastin erhalten. Erste Ergebnisse zeigen laut Prof. Ricke: „Je länger die Avastin-Gabe zurückliegt, desto besser sind die Ansprechraten.“ Allerdings ist in der vorliegenden Studie, so der Experte, mit circa 40 die Zahl der eingebundenen Patienten deutlich zu klein, um biostatistische Signifikanz zu erzeugen. Eine Folgestudie mit einer größeren Anzahl an Patienten, etwa 400, ist nun in Vorbereitung, denn „diese Patientenzahl wäre für eine klare statistische Relevanz notwendig“.

Klinischer Interessenkonflikt

Die Studie ergibt letztlich einen patientenorientierten klinischen Konflikt als Schlussfolgerung, so Prof. Ricke: Patienten, deren Erkrankung weit fortgeschritten ist, erhalten Avastin sehr häufig auch noch „beyond progression“: Der Wirkstoff wird – leitlinienkonform für die Behandlung des kolorektalen Karzinoms – verabreicht, obwohl der Tumor weiterwächst. Eigentlich müsste das Medikament jedoch abgesetzt beziehungsweise pausiert werden, damit eine wirksame Radioembolisation möglich wird – Stoff für eine qualifizierte Diskussion auf dem Deutschen Röntgenkongress.

Im Profil

Prof. Dr. Jens Ricke, Facharzt für Radiologie, habilitierte an der Charité, Universitätsmedizin Berlin, hatte dort zwischen 2004 und 2006 eine C3-Professur für Interventionelle Radiologie an der Klinik für Strahlenheilkunde inne und ist seit 2006 Lehrstuhlinhaber Radiologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie Direktor der Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Magdeburg.

 

 

29.05.2013

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