Prof. Dr. Antje Redlich
Kinder- und Jugendmedizin jenseits der reinen medizinischen Versorgung
Zum Internationalen Kindertag tritt Prof. Dr. Antje Redlich die W3-Professur für Kinder- und Jugendmedizin an der Universitätsmedizin Magdeburg an – ein Datum, das treffender kaum sein könnte.

Bildquelle: UMMD; Fotografin: Sarah Kossmann
Als Kinderonkologin, die ihr Berufsleben dem Wohl schwerkranker Kinder und ihrer Familien gewidmet hat, übernimmt sie an diesem symbolischen Tag die Leitung der Universitätskinderklinik in Magdeburg.
Wie kann Künstliche Intelligenz helfen, Komplikationen auf einer Kinderintensivstation früh zu erkennen? Wie lassen sich seltene Tumorerkrankungen im Kindes- und Jugendalter europaweit besser erforschen und behandeln? Und wie kann eine moderne Universitätskinderklinik junge Ärztinnen und Ärzte langfristig für Sachsen-Anhalt gewinnen und zugleich die Versorgung trotz sinkender Geburtenraten sichern? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Antje Redlich, die zum 1. Juni 2026 die W3-Professur für Kinder- und Jugendmedizin an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg übernimmt.
Die Kinder- und Jugendmedizinerin verfügt über langjährige Führungserfahrung an der Universitätskinderklinik Magdeburg – unter anderem als Teil der kommissarischen Klinikleitung, Geschäftsführende Oberärztin sowie Leiterin der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie. In herausfordernden Zeiten übernahm sie Verantwortung für die Versorgung schwerkranker Kinder und entwickelte gemeinsam mit ihrem Team neue Strukturen für die Kinderklinik in Magdeburg.
„Kinder- und Jugendmedizin bedeutet für mich weit mehr als medizinische Versorgung. Es geht darum, Familien in extrem belastenden Situationen zu begleiten, moderne Therapien zugänglich zu machen und gleichzeitig eine zukunftsfähige Kinderklinik aufzubauen, die junge Fachkräfte begeistert und in der Region hält“, erklärt Prof. Redlich.
Künstliche Intelligenz wird die Medizin grundlegend verändern. Sie wird eine personalisierte Medizin ermöglichen, die Ärztinnen und Ärzte bei Entscheidungen unterstützt und die Versorgung von Kindern nachhaltig verbessert
Antje Redlich
„Mit Prof. Dr. Antje Redlich übernimmt eine ausgewiesene Kinderonkologin und zugleich eine Persönlichkeit aus den eigenen Reihen die Leitung unserer Universitätskinderklinik. Sie kennt die Universitätsmedizin Magdeburg seit ihrem Studium, hat ihre wissenschaftliche und klinische Laufbahn hier aufgebaut und die Entwicklung der Magdeburger Kinder- und Jugendmedizin über viele Jahre entscheidend mitgeprägt. Besonders beeindruckt mich ihr großes Engagement für schwerkranke Kinder und ihre Familien, ihre wissenschaftliche Exzellenz sowie ihre Fähigkeit, Menschen und Teams auch in herausfordernden Situationen zusammenzuführen. Dass eine in Magdeburg ausgebildete Medizinerin nun diese verantwortungsvolle Professur übernimmt, ist ein starkes Zeichen für die Qualität unserer akademischen Ausbildung und die Entwicklungsmöglichkeiten an unserem Standort“, betont Dekanin Prof. Dr. Daniela Dieterich.
In ihrer wissenschaftlichen Arbeit widmet sich Prof. Redlich insbesondere seltenen hormonbildenden Tumoren bei Kindern und Jugendlichen – den sogenannten malignen endokrinen Tumoren (MET). Dazu zählen Tumorerkrankungen der Schilddrüse, der Nebenniere sowie des neuroendokrinen Systems.
Seit 2021 leitet Prof. Redlich mit Mandat der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) das nationale MET-Register. In diesem multizentrischen Register werden Kinder und Jugendliche mit seltenen endokrinen Tumoren im deutschsprachigen Raum erfasst, klinisch begleitet und wissenschaftlich untersucht. Ziel ist es, Diagnostik und Therapie weiter zu verbessern und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Ihre Forschung verbindet klinische Versorgung mit translationaler Wissenschaft. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Partnern untersucht Prof. Redlich unter anderem molekulare Veränderungen bei adrenokortikalen Tumoren, neue Ansätze der Immuntherapie sowie den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Analyse von Bild- und Registerdaten.
International ist die Magdeburger Kinderonkologin in zahlreiche Netzwerke eingebunden. Sie engagiert sich in der European Cooperative Study Group for Pediatric Rare Tumours (EXPeRT) sowie als gewählte Pediatric Chair des European Reference Network for Rare Endocrine Conditions (Endo-ERN). Dort arbeitet sie an europaweiten Versorgungs- und Forschungsstrukturen für seltene endokrine Erkrankungen und Tumoren im Kindesalter mit.
Neben der pädiatrischen Onkologie sieht Prof. Redlich großes Entwicklungspotenzial im Bereich der Kinderintensivmedizin. Gemeinsam mit Dr. med. Gert Warncke, Chefarzt der Kinderintensivmedizin in Magdeburg, und seinem Team verfolgt sie das Ziel, moderne Datenanalyse und Künstliche Intelligenz stärker in die Versorgung schwerkranker Kinder einzubinden.
Auf Kinderintensivstationen entstehen große Mengen medizinischer Daten – etwa zu Vitalparametern, Laborwerten oder Bildgebungen. Mithilfe von Methoden des maschinellen Lernens sollen diese Daten künftig genutzt werden, um Komplikationen wie Sepsis oder Kreislaufversagen früher zu erkennen und Behandlungen individueller anzupassen. „Künstliche Intelligenz wird die Medizin grundlegend verändern. Sie wird eine personalisierte Medizin ermöglichen, die Ärztinnen und Ärzte bei Entscheidungen unterstützt und die Versorgung von Kindern nachhaltig verbessert“, so Prof. Redlich.
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Blickpunkt: KI in der Medizin
Künstliche Intelligenz soll menschliche Denkprozesse nachbilden und die Arbeit fast aller medizinischer Teilgebiete erleichtern. Doch was geht im Inneren eines KI-Algorithmus vor, worauf basieren seine Entscheidungen? Kann man einer Maschine gar eine medizinische Diagnose anvertrauen?
Darüber hinaus setzt Prof. Redlich auf innovative Versorgungsstrukturen für Kinder und Jugendliche im nördlichen Sachsen-Anhalt. Geplant sind unter anderem telemedizinische Angebote für niedergelassene Praxen und kleinere Kinderkliniken, um spezialisierte kinderärztliche Expertise auch außerhalb universitärer Zentren verfügbar zu machen. „Wir möchten unseren Teil leisten, dass Land attraktiv für Familien zu machen und den sinkenden Geburtenraten zu begegnen.“
Zudem engagiert sie sich im geplanten bundesweiten Netzwerk PEDNET-LC zur Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Long Covid sowie anderen postinfektiösen Erkrankungen. Ein weiterer Schwerpunkt ist für sie eine moderne Führungskultur in der Medizin. Prof. Redlich setzt auf interprofessionelle Zusammenarbeit, flache Hierarchien und teamorientierte Strukturen.
„Wir brauchen eine Medizin, in der Kompetenzen, Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung im Mittelpunkt stehen. Nur so können wir langfristig Fachkräfte gewinnen und eine hochwertige Versorgung für Kinder sichern“, betont sie.
Profil:
Prof. Dr. med. Antje Redlich, geboren 1976 in Frankfurt (Oder), studierte Humanmedizin an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, wo sie auch habilitierte. Seit 2005 ist sie an der dortigen Universitätskinderklinik tätig, zunächst als Assistenzärztin, seit 2017 als Oberärztin und später als Leiterin der Pädiatrischen Onkologie und Hämatologie. Ab November 2021 übernahm sie die Funktion der Geschäftsführenden Oberärztin, seit Juni 2023 ist sie Teil des kommissarischen Leitungsteams der Klinik. Ihre Facharztanerkennung für Kinder- und Jugendmedizin erwarb sie 2011, den Schwerpunkt Kinder-Hämatologie und -Onkologie 2014, die Zusatzbezeichnung Hämostaseologie 2016. Seit 2021 leitet sie das nationale Register für Maligne Endokrine Tumoren (GPOH-MET) und ist als Pediatric Chair im European Reference Network Endo-ERN tätig.
Quelle: Universitätsmedizin Magdeburg
01.06.2026



