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Viele Menschen denken bei Alzheimer zuerst an Gedächtnisverlust, doch die Krankheit birgt noch viele weitere Facetten.

Quelle: Shutterstock/Lightspring

Neue Forschung

Alzheimer-Demenz: mehr als nur eine kognitive Störung

Gedächtnisverlust und Denkstörungen sind die Symptome, die wohl die meisten Menschen mit Alzheimer in Verbindung bringen – doch die Krankheit wirkt sich auch auf viele andere Arten auf die Betroffenen aus. Forscher haben gezielt die nicht-kognitiven Symptome von Alzheimer-Demenz ins Visier genommen – und stellen jetzt bemerkenswerte Erfolge vor.

Es ist sehr wichtig, dass wir uns im Zuge der laufenden Fortschritte auch auf therapeutische Strategien für verhaltensbedingte und andere, nicht-kognitive Symptome konzentrieren

Maria Carrillo

Die neuen Forschungsergebnisse, die auf der Alzheimer's Association International Conference (AAIC) 2018 in Chicago präsentiert wurden, konzentrieren sich auf die jüngsten Erfolge und anhaltenden Herausforderungen bei der medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlung der nicht-kognitiven Symptome. Denn über die einschlägig bekannten Symptome der Demenz wie Gedächtnisverlust und Beeinträchtigung der Denkfähigkeit hinaus bergen verhaltensbedingte und psychische Auswirkungen (Behavioral and Psychological Symptoms of Dementia, BPSD) wie Unruhe, Angst, Apathie, Depression, Umherwandern, Halluzinationen, Schlaflosigkeit, Inkontinenz und Disinhibition oft die größte Herausforderung bei der Pflege. Ohne entsprechende Therapie beschleunigen diese Symptome den geistigen Verfall zusätzlich und mindern so die Lebensqualität der Betroffenen.

Ein wesentliches Problem ist das Fehlen zugelassener medikamentöser Therapien dieser Symptome seitens der U.S. Food and Drug Administration (FDA). Stattdessen kommt eine umfassende "off-label"-Politik zum Tragen, bei der für andere Indikationen vorgesehene Arzneimittel für Alzheimer-Patienten zweckentfremdet werden. „Diese unterschätzten und unterbehandelten Symptome bei Menschen mit Alzheimer und anderen Formen der Demenz sind oft sehr schwer zu ertragen und überhaupt schwierig zu behandeln", erklärt Maria Carrillo, PhD, Chief Science Officer der Alzheimer's Association. „Was wenig Erwähnung findet, ist, wie belastend und überwältigend sich diese mit regelmäßiger Häufigkeit auftretenden Symptome auf das Leben der Alzheimer-Kranken und der Familienangehörigen und Betreuer auswirken. Es ist sehr wichtig, dass wir uns im Zuge der laufenden Fortschritte, die wir bei der Behandlung und Prävention hinsichtlich Gedächtnisfunktion und Denkfähigkeit bei Alzheimer und anderen Demenzformen machen, auch auf therapeutische Strategien für verhaltensbedingte und andere, nicht-kognitive Symptome konzentrieren."

Die Alzheimer's Association empfiehlt nicht-pharmakologische Ansätze wie beispielsweise psychosoziale Interventionen als Alternative zur pharmakologischen Therapie, wenn es um die Behandlung demenzbedingter Verhaltensweisen geht. Diese Therapien umfassen Validierung, Reminiszenz und andere personalisierte psychosoziale Interventionsansätze. Schlagen diese Ansätze nicht an, können psychotrope Medikamente wie Antipsychotika, Antidepressiva oder Antikonvulsiva in Betracht gezogen werden. Allerdings raten die Experten beim Einsatz derartiger Medikamente zu äußerster Sorgfalt, denn die Verwendung von Antipsychotika zur Behandlung von demenzbedingtem Verhalten bei älteren Demenzkranken ist mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

Mit Cannabinoiden und Lichtsystemen zur Linderung beitragen

Weitere therapeutische Ansätze basieren auf der Verwendung von Nabilon, einem synthetischen Cannabinoid, zur Behandlung der Agitation bei Alzheimer-Kranken. Diese äußert sich meist in Form von verbalen und physischen Ausbrüchen, Unruhe und Hin- und Herwandern. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Nabilon wirksam zur Behandlung von Agitation eingesetzt werden könnte, das Risiko einer Sedierung muss jedoch sorgfältig überwacht werden. 

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Ein anderer Punkt, an dem die Forscher ansetzen, sind die gestörten Schlafmuster, unter dennen viele Demenzkranke leiden. Mit einem individuell angepassten Beleuchtungssystem  wollen Mariana G. Figueiro, PhD, Director des Lighting Research Center am Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, NY, und ihre Kollegen Symptome wie Schlafunterbrechungen, Schlaflosigkeit und Schläfrigkeit während der Tagesstunden verbessern. „Wenn man bedenkt, dass der Hell-Dunkel-Rhythmus der primäre Zeitgeber für unsere innere Uhr ist, kann das konstante Dämmerlicht, das typischerweise in Pflegeeinrichtungen herrscht, eine der Ursachen für die Schlafstörungen sein, die so häufig in dieser Population auftreten", sagt Figueiro. 


Quelle: Alzheimer's Association

26.07.2018

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