Wirtschaftlichkeit in der klinischen Radiologie

Von der Herausforderung, in Gesamtprozessen zu denken

Die klinische Radiologie kann nur dann wirtschaftlicher gestaltet werden, wenn ihre Organisationsstrukturen und Arbeitsprozesse konsequent an die Anforderungen des DRG-Systems angepasst werden, ist Prof. Dr. Hans-Peter Busch, Chefarzt des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier, überzeugt.

Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Hans-Peter Busch
Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Hans-Peter Busch

Konkret heißt das für ihn vor allem: Die Durchführung von Einzelleistungen muss zunehmend durch die Umsetzung kompletter Imaging-Pfade abgelöst werden. Wie das genau aussehen kann, trägt der Radiologe bei zwei Gelegenheiten auf dem Deutschen Röntgenkongress (DRK) vor. Wir befragten ihn vorab dazu.

Seit der Einführung des DRG-Systems steht die klinische Radiologie vor einer großen Herausforderung. Da ihre Leistungen in diesem System pauschaliert vergütet werden, steht sie zunehmend unter Druck, außer nach den Kosten je Einzelleistung (Effizienz) auch nach der grundsätzlichen Notwendigkeit einer Leistung zu fragen (Effektivität). Das sei, so Busch, nicht nur für das Budget der zuweisenden Abteilung und die Wirtschaftlichkeit des gesamten Krankenhauses von Vorteil, sondern liege auch im Interesse der Patienten.

In den vergangenen Jahren aber, so Busch, habe sich als Folge des zunehmenden Überangebots bildgebender Untersuchungsmethoden bei vielen Klinikern eine Sowohl-als-auch- Mentalität herausgebildet, die nur durch die Kapazitätsobergrenzen eingeschränkt werde. „Für das Entweder-oder, der Voraussetzung für wirtschaftliches Arbeiten im System der Fallpauschalen, gibt es vielerorts noch keinen Anreiz“, sagt er. Im Gegenteil: Zum einen verursacht die Vermeidung „unnötiger“ Leistungen personelle Investitionen in die Prozessqualität und damit Kosten, zum anderen stellt sie eine Bedrohung für den aktuellen Stellenplan dar, denn in der Regel richten sich Personalbedarfsanalysen noch an der Anzahl der Leistungen eines Radiologen aus.

Busch und seine Kollegen am Imaging Center in Trier versuchten, diesem Dilemma zu entgehen, indem sie mit der Einführung von kompletten Imaging-Pfaden begannen. Damit können „unnötige“ Leistungen vermindert werden. „In diesen neuen Modellprojekten machen wir nicht einfach eine Computertomographie (CT), weil die zuweisende Abteilung das so angefordert hat, sondern das Imaging Center beantwortet eine klinische Fragestellung entsprechend dem abgestimmten klinischen Imaging-Pfad“, erklärt er. Wenn die Anforderung der Kliniker also zum Beispiel „Staging des Rektumkarzinoms“ lautet, dann wählen die Radiologen die notwendigen Untersuchungen aus und tragen damit die Verantwortung für den gesamten Diagnostikpfad – eine neue Herausforderung, für die bisher noch Denkweisen, Erfahrungen und Strukturen in der Radiologie fehlen, so Busch.

Die Einführung dieser klinischen Behandlungspfade erfordert intensives Monitoring und kontinuierliche kritische Reflexion. Deshalb werden sie regelmäßig in klinischen Fallkonferenzen am Haus diskutiert und daraus werden Konsequenzen für die zukünftige Planung abgeleitet. Das kritische Hinterfragen einer Leistung müsse dabei, so Busch, als positiver Beitrag zur Prozessoptimierung und nicht als Kritik an der medizinischen Kompetenz des Anfordernden gesehen werden – eine spannende und spannungsreiche Aufgabe, wie er aus Erfahrung weiß. Deshalb liegt ihm am Herzen, dass die Steuerung dieser gesamten Prozesse gerade in der Anfangszeit als Chefsache betrachtet wird und nur mit einer systematischen Personalentwicklung Erfolge zeitigen kann.
Die Ausrichtung des Zentrums als relativ selbstständiger Leistungserbringer von Gesamtprozessen erfordert ein gutes Management. Dem Chefarzt Busch stehen dafür zwei Stabsstellen zur Seite, ein EDV-Spezialist und ein Ökonom, der sich um die Prozessoptimierung und Organisationsentwicklung kümmert. Alle Prozesse im Zentrum – nicht nur die neu eingeführten Imaging-Pfade – werden mithilfe dieser beiden Stabsstellen in einem kontinuierlichen Monitoring abgebildet, diskutiert und – wenn notwendig – verbessert. Die Investitionen in das Management zahlen sich aus: Eine externe Beratungsfirma hat dem Zentrum jüngst eine volle Refinanzierung des Ärztlichen Dienstes für stationäre Patienten durch DRGAnteile attestiert.

IM PROFIL
Prof. Dr. med. Dipl.-Phys. Hans-Peter Busch ist Ärztlicher Leiter des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonographie und Nuklearmedizin im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Trier. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Tätigkeit sind die Entwicklung und Einführung neuer digitaler bildgebender Methoden (DSA, Speicherfolien, Flachdetektoren), der Strahlenschutz, die Interventionelle Radiologie und die MR-Angiographie. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich außerdem intensiv mit Fragen zu Prozessoptimierung und zum Workflowmanagement in Krankenhäusern. Seine Erfahrungen hat er unter anderem in den Büchern „Managementhandbuch für Radiologen“ (Thieme 2009) und „Managementhandbuch für Chefärzte“ (Thieme 2012) aufgezeichnet.

31.05.2013

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