child sitting in front of tv screen

Quelle: Pixabay/mojzagrebinfo

Neue Studie

Wie Fernsehwerbung Kinder dicker macht

Die berühmten viereckigen Augen sind nicht das Einzige, das Kindern bei zu viel TV-Konsum blüht: Wie eine aktuelle Studie aus Australien zeigt, nehmen Kinder messbar mehr Kalorien am Tag zu sich, wenn sie durch Werbung dazu verleitet werden. Selbst bei kurzen Spots trat dieser Effekt ein.

Für die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist dieses Ergebnis ein weiteres Argument zur Verschärfung der Auflagen für an Kinder gerichtete Werbung. „Die Politik muss endlich Kinder vor dieser gesundheitsschädlichen Beeinflussung schützen“, sagt DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. Jedes siebte Kind in Deutschland ist laut KiGGS-Studie zu dick: Über 15,4% der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, rund 5,9% sogar adipös (Schienkiewitz et al 2018). 

In dem Experiment der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollongong wurden 160 Kinder eines Feriencamps zufällig in vier Gruppen eingeteilt (Norman et al 2018). Gruppe 1 sah täglich einen 10-minütigen Film mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Produkte wie Frühstücksflocken, ein Burger-Menü oder Schokoladencreme. Gruppe 2 spielte zusätzlich noch ein kurzes Computerspiel mit ähnlicher Werbung. Gruppe 3 und 4 erhielten dieselbe Intervention, sahen aber Werbung für andere Produkte (Non-Food). Anschließend wurde gemessen, wie viel die Kinder bei Frühstück und Mittag sowie in einer Snackpause direkt nach dem Film bzw. Spiel aßen.

Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist. Es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Gesellschaft immer noch zulassen

Hans Hauner

Das Ergebnis: Kinder, die in TV und Computerspiel Werbung für ungesunde Produkte sahen, aßen am Tag durchschnittlich 46 kcal mehr als die Kinder der beiden Kontrollgruppen. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei bereits übergewichtigen Kindern – sie aßen sogar 95 kcal mehr. Dieser Effekt trat selbst dann auf, wenn andere Produkte angeboten wurden als die in der Werbung gezeigten. Die Werbespots verführten die Kinder offenbar generell dazu, mehr zu essen. Besonders ausgeprägt war die Zunahme jedoch bei den Kindern, denen genau die beworbenen Snacks dargeboten wurden: Eine Studie aus den USA mit 60 Vorschulkindern (Jennifer et al 2016) beobachtete eine 30-prozentig erhöhte Kalorienaufnahme bei dieser Art von Snack-Werbung.

Die Studien bestätigen die Befunde vieler anderer Untersuchungen mit Kindern, die ebenfalls einen erhöhten Nahrungsmittelkonsum nach Werbung feststellen (Boyland und Whalen 2015). „Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist“, sagt Prof. Dr. med. Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung, „es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Gesellschaft immer noch zulassen.“ Die DANK fordert die Bundesregierung auf, Werbung für ungesunde Produkte für Kinder generell zu verbieten.

Es geht auch anders

Photo

https://fr.openfoodfacts.org/, Nutri-score-A, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Allerdings zeigte sich auch, dass der Effekt auch umgekehrt funktioniert: Durch verständlichere Nährwertinformationen kann der Lebensmittelkonsum durchaus auch positiv beeinflusst werden - auch das zeigten mehrere Studien. Die Experten begrüßen daher die Ankündigung des Herstellers Danone, ab 2019 das fünfstufige Ampelsystem „Nutri-Score“ auch in Deutschland einzuführen. Mehrere Studien in Online- und realen Supermärkten haben gezeigt, dass sich dadurch die Nährwertqualität des eingekauften Warenkorbs um 6 bis 9% verbessert (Chantal und Hercberg 2017) – auch bei Personen mit geringem Einkommen. 

„Die Ergebnisse zeigen, dass die derzeitige Kennzeichnung in Deutschland, kleingedruckt und auf der Rückseite der Verpackung, nicht ausreicht“, sagt Bitzer, die auch Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft ist: „Verbraucher haben das Recht auf verständlichere Informationen – dann treffen sie auch gesündere Kaufentscheidungen.“ Die DANK fordert ein verpflichtendes Ampelsystem in Deutschland. Dies wird, ebenso wie ein Verbot von an Kinder gerichtetes Marketing für dickmachende Produkte, auch von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.


Quelle: Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

13.07.2018

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