Todesfälle durch Krankenhauskeime tausendfach vermeidbar

Programme gegen Infektionen in Krankenhäusern gefordert

In Deutschland erkranken jährlich bis zu 600 000 Patienten an Krankenhauserregern. Die Folgen sind meist ein verlängerter Klinikaufenthalt, verzögerte Heilung und schlimmstenfalls Folgen wie etwa eine Lungenentzündung, die zum Tode führen kann.

Photo: Todesfälle durch Krankenhauskeime tausendfach vermeidbar

Studien zeigen, dass sich bis zu 40 Prozent der Infektionen vermeiden lassen. Auf der Eröffnungs-Pressekonferenz im Rahmen des 119. Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) am 6. April 2013 in Wiesbaden diskutieren Experten, wie sich entsprechende Präventionsprogramme landesweit realisieren lassen und warum die Infektionsrate mit multiresistenten Erregern in Deutschland steigt.

Ursache der meisten Krankenhausinfektionen sind körpereigene Mikroorganismen des Patienten, etwa auf der Haut. Sie sind deshalb nur schwer zu verhindern. Jedoch zeigen Studien auf der Intensivstation, dass bis zu 38 Prozent der Krankenhauskeime von anderen Patienten oder Pflegepersonal stammen, also äußere Ursache haben. „In diesen Fällen können wir durch systematische Identifikation von Infektionsproblemen mindestens 20 bis 30 Prozent der Infektionen, in manchen Einrichtungen sogar bis zu 40 Prozent, verhindern“, erläutert Professor Dr. med. Frank Brunkhorst vom Universitätsklinikum Jena im Vorfeld des 119. Internistenkongresses: „Das bedeutet konkret: Bis zu 180 000 jährliche Infektionen in Deutschland – davon 4500 Todesfälle – sind vermeidbar.“

Krankenhausinfektionen, sogenannte nosokomiale Infektionen, haben nicht nur für Patienten in den vergangenen Jahren an Schrecken gewonnen. Für Ärzte, Pflegepersonal und Krankenhausträger bedeutet die Versorgung dieser Patienten außerdem einen Mehraufwand an Zeit und finanziellen Ressourcen. Denn sie müssen möglicherweise isoliert werden, ihre Wunden heilen schlechter und sie bedürfen häufigerer Kontrollen und Versorgung. Schlimmstenfalls erleiden Patienten eine systemische Sepsis. Sie zieht mitunter den gesamten Körper in Mitleidenschaft, gefährdet Gesundheit und Leben und verlängert nochmals den Krankenhausaufenthalt. „Da in Fallpauschalen abgerechnet wird, bedeutet jeder über die gesetzte Frist hinausgehende Aufenthaltstag eines Patienten auch Kosten für das Krankenhaus, die es nicht abrechnen kann“, erklärt Brunkhorst. Es sei also über das Wohlergehen des Patienten hinaus auch im betriebswirtschaftlichen Interesse jeder Einrichtung, Ursachen für Infektionen zu ermitteln und systematisch einzudämmen.

Doch zunächst kostet ein krankenhausweites Infektionspräventionsmanagement Geld, das die Einrichtungen aufgrund steigenden Kostendrucks im Gesundheitssystem oft nicht aufbringen können. „Die bisherige passive Umsetzung von Empfehlungen, Leitlinien und gesetzlichen Vorgaben reicht jedoch in Zukunft nicht mehr aus, dem gestiegenen Bedarf an Hygienestandards ausreichend zu begegnen“, warnt Brunkhorst. Als Leiter der Paul-Martini Forschergruppe für klinische Sepsisforschung des Universitätsklinikums Jena koordiniert er die erste krankenhausweite Präventionsstudie (ALERTS), die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Sie soll zeigen, wie Präventionsprogramme die Infektionsraten dauerhaft senken. Über erste Ergebnisse, den Schutz der Patienten vor Infektionen und darüber, warum immer mehr Menschen an multiresistenten Erregern erkranken, informiert der Experte auf der Eröffnungs-Pressekonferenz anlässlich des 119. Internistenkongresses der DGIM am 6. April 2013 in Wiesbaden.
 

13.03.2013

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