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Behandlung von NSCLC

Strahlentherapie bei Lungenkrebs: Wenn weniger mehr ist

Ziel der modernen Krebstherapie ist das Erreichen einer optimalen Tumorkontrolle bei möglichst wenig Nebenwirkungen. Die STRIPE-Studie zeigte eine sehr gute Tumorkontrolle und Lebensqualität nach stereotaktischer Strahlentherapie von kleinen Lungentumoren bei älteren, inoperablen Patienten.

Angesichts der hohen Tumorkontrolle könnte in dieser Situation die Strahlentherapie womöglich auch eine durchaus vertretbare und „sanftere“ Alternative zur Operation bei jüngeren Patienten sein. Eine weitere Strategie zur Reduktion von Nebenwirkungen bei gleicher Wirksamkeit ist die Reduzierung des Zielvolumens durch eine 18F-FDG-PET/CT-basierte „involved field“-Bestrahlung beim fortgeschrittenen NSCLC.

Die Ergebnisse der STRIPE-Studie wurden jetzt im Fachjournal Radiotherapy and Oncology vorgestellt.

Lungenkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache in Deutschland. Bei etwa jedem vierten Patienten ist der Tumor selbst in einem frühen Stadium nicht operabel. Ohne lokale Behandlung überlebt aber nur jeder dritte Patient mehr als fünf Jahre. Mit der Hochpräzisionsbestrahlung, auch stereotaktische Bestrahlung oder SBRT genannt, lassen sich sehr gute Heilungsraten erzielen. Die SBRT bietet vielen auch der nicht operablen Patienten eine wichtige Behandlungsalternative, da sie im Gegensatz zur Operation ohne Narkose/nichtinvasiv erfolgen kann.

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Ausgezeichnete Strahlentherapie

Hochpräzise Strahlen gegen inoperablen Leberkrebs

Jährlich steigt die Zahl der Menschen in Deutschland, die die Diagnose Leberkrebs erhalten. Alkoholische und nicht-alkoholische Fettleber, Viruserkrankungen und starkes Übergewicht sind einige Gründe dafür. Nun konnten Forschende des Universitätsklinikums Freiburg zeigen, dass eine Hochpräzisionsbestrahlung bei inoperablen Tumoren eine wichtige Behandlungsmöglichkeit darstellt.

In der von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Förderungsschwerpunktprogramms „Therapiestudien bei Patienten im höheren Lebensalter bzw. Patienten mit Ko-Morbiditäten und/oder Einschränkungen von Organfunktionen und/oder schlechtem Allgemeinzustand (medically non-fit)“ geförderten und jetzt abgeschlossenen STRIPE-Studie wurden in der Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Anca-Ligia Grosu von 2011 bis 2014 100 Patienten mit kleinen Lungentumoren mit Hochpräzisionsbestrahlung behandelt, für die aufgrund hohen Alters oder massiver Begleiterkrankungen die Operation in interdisziplinären Tumorkonferenzen nicht als onkologisch sinnvollste Therapie erachtet wurde oder die die Operation ablehnten.

Die Therapieergebnisse und Nebenwirkungen wurden systematisch über 2 Jahre erfasst. Es wurde eine lokale Heilungsrate von 91,8% Prozent erreicht, was mit den nach operativen Eingriffen beschriebenen Raten vergleichbar ist. Dabei ist die Behandlung selbst für alte und sehr kranke Patienten gut verträglich. Im Rahmen der STRIPE-Studie wurden zudem alle Patienten vor der Behandlung, sowie 2 und 7 Wochen nach der Bestrahlung, dann 3 monatlich bis etwa 2 Jahre nach Behandlungsabschluss mittels standardisierter Fragebögen zu ihrer Lebensqualität befragt. Dabei zeigte sich, dass die Lebensqualität nach der Behandlung insgesamt stabil bleibt, auch abgefragte Symptome nehmen aus Sicht der Patienten über 2 Jahre kaum relevant zu. Beleuchtet man allerdings nur die Patienten, die ihre Lebensqualität vor der Behandlung als sehr schlecht einstuft hatten, so zeigte sich interessanterweise, dass gerade diese Patienten hinsichtlich ihrer Lebensqualität relevant profitierten. Im Gegensatz dazu gibt es Daten zur Lebensqualität nach der Operation kleiner Lungentumore, die eine starke und zum Teil lang anhaltende Verschlechterung der physischen Funktionen aufzeigen, vor allem Patienten mit Begleiterkrankungen und schlechtem Allgemeinzustand waren hiervon betroffen.

Zwar versucht man bei jungen Patienten ‚aus Tradition‘ zuerst, mit Stahl statt mit Strahl zu therapieren, aber angesichts der guten Therapieergebnisse ist das zu hinterfragen

Anca-Ligia Grosu

Insgesamt bestätigt die STRIPE-Studie die gute Effizienz und Verträglichkeit der SBRT auch für alte und sehr kranke Patienten und trägt damit zu einer breit fundierten Datenbasis für diese Therapieoption bei. Die STRIPE-Studie ist die erste prospektive Studie, die zeigt, dass Patienten mit initial schlechter Lebensqualität durch die SBRT kleiner Lungentumore bezüglich ihrer Lebensqualität profitieren.

Prof. Dr. Anca-Ligia Grosu, die Direktorin der Klinik für Strahlenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg und Kongresspräsidentin der 27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), nimmt die Studiendaten auch zum Anlass, die Standardtherapie bei jüngeren, durchaus noch operablen Patientinnen und Patienten neu zu überdenken: „Die SBRT ist eine elegante Methode, die zu einer exzellenten Tumorkontrolle führt, und zwar ohne relevante Einbußen hinsichtlich der Lebensqualität. Zwar versucht man bei jungen Patienten ‚aus Tradition‘ zuerst, mit Stahl statt mit Strahl zu therapieren, aber angesichts der guten Therapieergebnisse ist das zu hinterfragen. Die Studie deutet darauf hin, dass in dieser Situation die Strahlentherapie eine durchaus vertretbare Alternative zur Operation sein könnte.“

Mit dem Einsatz der Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) können das Zielvolumen der Bestrahlung reduziert und gleichzeitig „punktgenau“ effektivere Strahlendosen verabreicht werden. Eine internationale Studie unter deutscher Federführung zeigte, dass dadurch bei Patienten mit inoperablem nicht kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) ein besseres Therapieergebnis erreicht wird: Es kam fast zu einer Halbierung der lokalen Rückfallrate. Nach Ansicht von DEGRO-Experten setzt die von der Deutschen Krebshilfe mit rund 1,1 Mio. Euro geförderte Studie einen neuen internationalen Standard für die Bestrahlungsplanung und stellt einen Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Radioonkologie dar. Bei inoperablem nicht kleinzelligem Lungenkrebs stellt die Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie den Therapiestandard dar. Wenn Lymphknoten befallen sind, sich aber keine Metastasen gebildet haben, ist mit dieser Kombinationstherapie auch eine Heilung möglich. Um möglichst vielen Patienten helfen zu können, wird weiter nach Wegen der Therapieoptimierung gesucht.

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Eine internationale Studiengruppe, geführt von Frau Prof. Dr. Ursula Nestle (Freiburg und Mönchengladbach), untersuchte, ob der Einsatz der Positronen-Emissions-Tomographie (FDG-PET) zur Reduktion des Zielvolumens Vorteile für die behandelten Patienten bringt. An der randomisierten Studie nahmen 24 Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Verglichen wurden zwei Patientengruppen, bei denen die Strahlentherapie entweder nach konventionellen Standards oder innovativ unter Beschränkung auf die in der FDG-PET auffälligen Areale durchgeführt wurde. Die Ergebnisse der PET-Plan-Studie wurden in der Zeitschrift „Lancet Oncology“ publiziert – und sie sind ein Meilenstein in der Erfolgsgeschichte der Radioonkologie: Durch die PET-unterstützte Bestrahlungsplanung konnte das Auftreten eines erneuten Tumorwachstums in der ursprünglich befallenen Region auf fast die Hälfte reduziert werden (lokale Rückfallrate von 0,39 vs. 0,2 nach zwei Jahren, HR: 0,57). Hinsichtlich der Nebenwirkungen gab es keine Unterschiede zwischen den Studienarmen. Die häufigsten akuten Nebenwirkungen, Speiseröhrenentzündungen und Schluckstörungen, traten in höherer Intensität (Grad 3) in beiden Studiengruppen bei nur 16% der behandelten Patienten auf.

Eine aktuelle Reevaluation der Studienergebnisse wird im Rahmen der DEGRO-Jahrestagung 2021 von Frau PD Dr. Eleni Gkika aus Freiburg präsentiert. Frau Dr. Gkika zeigt, dass die Abweichung vorgegebener Strahlentherapie-Qualitätsparameter mit einer ungünstigen Prognose vergesellschaftet ist. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Qualitätssicherungsmaßnahmen in der Strahlentherapie. „Die Studie hat gezeigt, dass die bestrahlten Bereiche auf die bildgebend nachgewiesene Tumorregion beschränkt werden können, ohne dass vorsorglich weitere Regionen bestrahlt werden müssen. Daraus ergibt sich sogar die Chance auf eine bessere Wirkung der Behandlung, ohne dass mehr Nebenwirkungen riskiert werden“, erklärte Prof. Nestle. Wodurch dieser positive Effekt genau zustande kommt, ist Gegenstand weiterer Forschung. Es konnten nach bildgestützter Bestrahlungsplanung höhere Strahlendosen gegeben werden, ohne dass mehr Nebenwirkungen auftraten. Zudem wurde weniger gesundes, nicht tumorbefallenes Gewebe bestrahlt, was nicht nur für die Verträglichkeit der Behandlung, sondern möglicherweise auch für das Immunsystem günstiger ist. DEGRO-Präsident Prof. Rainer Fietkau, Erlangen, erklärt: „Dieses ist ein zunehmend wichtiger Aspekt, da heute die Radiochemotherapie bei Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs auch mit einer Immuntherapie kombiniert wird.“ Verschiedene Studien haben gezeigt, dass bei diesen Patienten mit der Kombination aus zielgerichteter Strahlentherapie und Immuntherapie der Behandlungserfolg weiter verbessert werden kann. „Um das Therapiespektrum voll ausschöpfen zu können, sind strahlentherapeutische Verfahren, die das Immunsystem möglichst wenig beeinflussen, daher zu bevorzugen.“

„Wir haben mit dieser Studie einen neuen internationalen Standard für die Bestrahlungsplanung gesetzt“, sagt Prof. Grosu. Die Pressesprecherin der DEGRO, Prof. Dr. Stephanie E. Combs, München, ergänzt: „Wir hoffen, dass in Zukunft auch bei anderen Tumoren – zusammen mit einer guten Systemtherapie – die Konzentration der Bestrahlung auf das sichtbare Tumorvolumen getestet werden kann.“


Quelle: Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie

28.06.2021

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