Notfallversorgung

Stichwunde: Neues Gerät stoppt Blutung in wenigen Sekunden

Ein Gerät des Produktdesign- und Technologie-Studenten Joseph Bentley von der Loughborough University könnte für Opfer von Stichwunden ein Lebensretter sein:

Das System mit dem Namen "REACT" ("rapid emergency actuated tamponade") verschließt die Wunde in kürzester Zeit provisorisch, sofern die Stichwaffe - zum Beispiel ein Messer oder ein Glassplitter - nicht mehr im Körper ist. Der Ersthelfer steckt in die Wunde zunächst ein aufblasbares Plastikrohr hinein und klebt es fest. Dann verbindet er dieses mit dem sogenannten Aktuator, einem batteriebetriebenen Kompressor. Dieser füllt das Rohr automatisch mit der jeweils nötigen Luftmenge, die von der Position der Wunde abhängt. Diese kann vorgewählt werden. Der Druck, den dieserer "Ballon" auf die Blutgefäße ausübt, verschließt diese, bis der Verletzte vom Notarzt versorgt werden kann.

Funktionsweise des REACT-Systems: Der Ersthelfer führt ein Plastikrohr (eine...
Funktionsweise des 'REACT'-Systems: Der Ersthelfer führt ein Plastikrohr (eine 'Tamponade') in die Wunde ein und benutzt das Gerät, um es aufzublasen und die Wunde damit zu verschließen

Bildquelle: Loughborough University 

Bentley hat das aufblasbare Rohr per 3D-Druck hergestellt. Der Aktuator verfügt über Wahltasten und Leuchtdioden zur Kontrolle. Beide Komponenten sind mit einem Mechanismus ausgestattet, der eine schnelle Verbindung ermöglicht. Der Prototyp ist für die Versorgung von Wunden im Achsel- und Leistenbereich sowie im Bauch ausgelegt. Die dabei entstehenden Blutungen lassen sich auch von Sanitätern nur schwer stoppen, wie Bentley von Notärzten erfuhr. Der Student hat REACT aufgrund unschöner Erfahrungen in seinem Umfeld entwickelt. "Ich habe mehrere Freunde, die unglücklicherweise Opfer von Messerattacken wurden", erklärt er. "Zum Glück ist keiner daran gestorben." Dabei können Opfer von Stichverletzungen binnen weniger Minuten verbluten, weshalb schnelle Hilfe unerlässlich ist. Bentley glaubt also, dass sein Gerät jährlich hunderte Menschenleben retten kann. Allein in Großbritannien sind zwischen April 2018 und März 2019 immerhin 259 Menschen an Stichverletzungen mit Messern oder anderen scharfkantigen Gegenständen gestorben.


Quelle: Loughborough University/pressetext

07.07.2021

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