Interview • Immuneffekte, Mediaktion, Gefahren fürs Baby

Schwangerschaft trotz Rheuma: Das sollten Frauen bedenken

Ein Kind zu bekommen, bedeutet für viele Menschen, die mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung leben, eine besondere Herausforderung – denn bei einer Schwangerschaft ist das bereits von der Autoimmunerkrankung betroffene Immunsystem zusätzlichen Belastungen ausgesetzt.

Portraitfoto von Dr. Isabell Haase
Dr. Isabell Haase

Bildquelle: UKE 

Hochrechnungen zufolge betrifft das etwa eine von vierhundert Schwangerschaften in der Bevölkerung. Dr. Isabell Haase, Oberärztin in der Sektion Rheumatologie der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und dort zuständig für die Spezialsprechstunde Kinderwunsch und Schwangerschaft, erklärt anlässlich des Weltrheumatages (12. Oktober), was Patientinnen mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung bedenken sollten, wenn sie sich ein Kind wünschen. 

Kann man trotz Rheuma ein Kind bekommen?

Dr. Isabell Haase: „Bei Rheuma denken viele an die Rheumatoide Arthritis, die chronische Gelenkentzündung. Daneben gibt es eine ganze Reihe seltener Formen rheumatischer Erkrankungen, wie etwa Kollagenosen und Vaskulitiden, bei denen verschiedene Organe oder das ganze Körpersystem betroffen sein können. Die Patientinnen sind dabei oft kontinuierlich auf Medikamente angewiesen. Auch mit einer solchen Erkrankung ist es in vielen Fällen möglich, ein Kind zu bekommen, es sind aus medizinischer Sicht aber einige Vorbereitungen wichtig dafür.“ 

Welche Auswirkungen hat eine Schwangerschaft auf eine bestehende rheumatische Erkrankung?

„Rheuma und eine Schwangerschaft wirken in verschiedener Weise aufeinander ein. Im Körper der schwangeren Frau stellt sich das Immunsystem um, damit ein Abstoßen des neu wachsenden Organismus verhindert wird. Das hat Folgen für die Symptomatik rheumatischer Erkrankungen, die aus Fehlfunktionen des Immunsystems resultieren. So verringern sich bei einigen Formen von Rheuma die Symptome während einer Schwangerschaft teilweise, bei anderen können dadurch Schübe ausgelöst werden. Je nachdem, wie schwer die Erkrankung ausgeprägt ist, erhöht sich das Risiko für Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen.“ 

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Muss man alle antirheumathischen Medikamente während einer Schwangerschaft absetzen?

„Man sollte die Rheuma-Medikamente während der Schwangerschaft in aller Regel nicht komplett absetzen. Wenn Frauen oder Paare mit Kinderwunsch in unsere Spezialsprechstunde Kinderwunsch und Schwangerschaft kommen, schauen wir uns besonders gründlich an, ob die Krankheit gut eingestellt ist. Es sollte möglichst lange keine größeren Schübe gegeben haben. Manchmal macht es Sinn, die Medikamente mit Blick auf die Schwangerschaft anzupassen. Da gibt es einige, die nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewandt werden sollten, weil sie das Komplikationsrisiko erhöhen. Es steht aber auch eine ganze Reihe sehr gut verträglicher antirheumatischer Medikamente zur Verfügung. Einige von ihnen sind sogar unproblematisch, obwohl es im Beipackzettel aus rechtlichen Gründen anderslautend steht. Wir folgen hier im Allgemeinen den Empfehlungen der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR), die von Forschungserkenntnissen aus Fallberichten, Registern und Sicherheitsdatenbanken gestützt werden.“ 

Ist das Baby gefährdet, wenn die Mutter Rheuma hat?

Eine gut eingestellte Erkrankung bietet häufig den besten Schutz vor Komplikationen

Isabell Haase

„Durch entzündlich-rheumatische Erkrankungen, insbesondere solche, die den gesamten Körper betreffen wie zum Beispiel der Systemische Lupus Erythematodes, kann es etwa zu Wachstumsverzögerungen des Kindes im Mutterleib kommen. Auch das Risiko von Fehl- und Frühgeburten ist erhöht. Eine gut eingestellte Erkrankung bietet häufig den besten Schutz vor solchen Komplikationen. Wir begegnen diesem erhöhten Risiko auch durch engmaschige Kontrolluntersuchungen der Patientinnen während der Schwangerschaft. Je früher wir dann auf Alarmsignale wie erhöhte Werte reagieren können, desto besser.“

Was passiert, wenn man Rheuma hat und ungeplant schwanger wird?

„Bei einer geplanten Schwangerschaft können wir Patientinnen mit Kinderwunsch in unserer Spezialsprechstunde Kinderwunsch und Schwangerschaft ausführlich beraten, ihre Krankheitseinstellung detailliert überprüfen und die Medikamentenversorgung auf die Schwangerschaft hin ausrichten. Auch männliche Rheuma-Patienten mit Zeugungswunsch profitieren von unseren interdisziplinären Checks. Wenn das nicht möglich ist, etwa weil eine Schwangerschaft nicht geplant war oder die rheumatische Erkrankung erst während der Schwangerschaft auftritt, sollte dennoch möglichst schnell die Beratung und Behandlung in einem spezialisierten Zentrum wie dem UKE begonnen werden. Dann können wir mit dem Team der Rheumatologie – auch in Absprache mit den Kollegen aus der Pränatalmedizin oder anderen Bereichen wie etwa der Kardiologie – die Patientinnen mit einer bestmöglichen Medikamentenversorgung unterstützen und dafür sorgen, mögliche Risiken zu minimieren. Auch aus ungeplanten Schwangerschaften bei bestehender rheumatischer Erkrankung sind durch gute Begleitmaßnahmen schon oft glückliche Familien hervorgegangen.“ 


Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf 

11.10.2026

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