Studie

Schneller Ausschluss von Herzinfarkt mit Kombination von Troponin und Copeptin ist sicher

Eine Studie, durchgeführt von Klinikern aus führenden deutschen, Schweizer und österreichischen Krankenhäusern, zeigt, dass Patienten mit einem niedrigen oder mittleren Risiko bei Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom (Acute Coronary Syndrome - ACS) sicher, aber früher aus Notfallstationen entlassen werden können, wenn kardiales Troponin in Kombination mit Copeptin angewendet wird.

Dr. med. Jörn Ole Vollert, Medical Director, Thermo Scientific Biomarkers bei...
Dr. med. Jörn Ole Vollert, Medical Director, Thermo Scientific Biomarkers bei Thermo Fisher Scientific

Die Studienergebnisse legen nahe, dass bei einer Implementierung der vorliegenden Ergebnisse Krankenhäuser ihre Notfallprozesse besser managen und das Wohlbefinden der Patienten steigern können.

Die Studie mit dem Titel “Biomarkers in Cardiology (BIC)-8” wurde in der April-Ausgabe des European Heart Journal, (Oxford University Press for the European Society of Cardiology - ESC) veröffentlicht. Ziel der Studie war es, den Nachweis für die Effizienz des Biomarkers Copeptin beim Management von Patienten mit Verdacht auf ACS zu erbringen.

Die klinische Interventionsstudie beweist, dass es sicher ist, Patienten mit Verdacht auf ACS, die bei der Aufnahme normale Troponin- und Copeptinwerte haben, zu entlassen. Die akademische Anerkennung durch ein führendes Fachmagazin im Bereich der Kardiologie ebnet den Weg für die Implementierung von neuen Prozessen und Algorithmen in der täglichen klinischen Arbeit. Das wiederum kann zu verbesserten und kostengünstigeren Notfallabläufen führen. Die Studie wurde unter der Leitung des Principle Investigator Prof. Dr. med. Martin Möckel, Abteilung für Kardiologie; Ärztlicher Leiter der Rettungsstelle, Charité Virchow-Klinikum und Mitte – Universitätsmedizin Berlin durchgeführt und wurde erstmals auf dem ESC-Kongress 2013 in Amsterdam vorgestellt.

„Wir freuen uns sehr, dass die wissenschaftliche Community die BIC-8-Studie durch die Veröffentlichung im angesehenem European Heart Journal unterstützt. Die positiven Ergebnisse beweisen unser langfristiges Engagement bei der Entwicklung von Biomarkern. Wir wollen Klinikern in ihrer täglichen Arbeit helfen und die Patientenversorgung verbessern“, so Dr. med. Jörn Ole Vollert, Medical Director, Thermo Scientific Biomarkers bei Thermo Fisher Scientific.

Vorteile für Krankenhäuser, Patienten und für Dienstleister im Gesundheitssystem
Schnellere aber dennoch sichere Diagnosen beschleunigen den Ausschluss eines Herzinfarktes (Acute Myocardial Infarction - AMI) bei Patienten mit Beschwerden im Brustbereich, die in Notaufnahmen vorstellig werden. Dadurch wird es möglich, Versorgungsengpässe sowie unnötige Kosten für das Gesundheitssystem zu vermeiden. Weltweit werden Notaufnahmen immer stärker überlastet. Patienten mit Verdacht auf ACS gibt es viele, obwohl tatsächlich nur wenige dann tatsächlich die Diagnose AMI erhalten. Die Möglichkeit auf den schnellen Ausschluss von AMI ist ein wesentlicher Vorteil für Krankenhäuser und das Gesundheitswesen im Allgemeinen. Zudem können schnelle Diagnosen das Wohlbefinden des Patienten verbessern, indem unnötiger Stress, Angst und andere Risiken, die mit dem Krankenhausaufenthalt verbunden sind, vermieden werden.

„Kliniken können dank des Biomarkers Copeptin überfüllte Notfallaufnahmen besser organisieren, sofern die klinische Beurteilung mit der Entlassungsentscheidung konsistent ist und solange eine zeitnahe weitere Abklärung des entlassenen Patienten sichergestellt wird. Selbstverständlich aber bleibt die klinische Beurteilung des behandelnden Arztes das wichtigste Entscheidungskriterium“, so Prof. Martin Möckel. „Jetzt, da unsere Studie veröffentlicht wurde, werden wir das neue Konzept, das sowohl Troponin als auch Copeptin nutzt, in unserer Notfallaufnahme in der Charité einführen.“

Studiendesign der BIC-8-Studie
Das wichtigste Ergebnis der BIC-8-Studie – einer prospektiven, randomisierten, offenen, kontrollierten multizentrisch durchgeführten Studie mit 902 Patienten – war die Untersuchung (als Nicht-Unterlegenheitsstudie) des Verhältnisses von schwerwiegenden kardiologischen Ereignissen (MACE, Major Adverse Cardiac Events) innerhalb von 30 Tagen in der Copeptin-Gruppe im Vergleich zur Gruppe mit Standardbehandlung, wo die Copeptin-Levels nicht bekannt waren.

Die 902 Patienten der Studie wurden ausgewählt, nachdem sie zunächst negativ auf Troponin getestet wurden. In der experimentellen Gruppe (n=451) wurden die Patienten mit negativem Copeptin-Test (weniger als 10 pmol/L) und nach einer abschließenden klinischen Beurteilung in die ambulante Behandlung entlassen. Innerhalb von 72 Stunden erfolgte eine Nachuntersuchung. Patienten mit positivem Copeptin-Test wurden dagegen der Standardbehandlung unterzogen. In der Kontrollgruppe (n=451) wurden die Patienten nach gängigen Richtlinien behandelt; ihre Copeptin-Testergebnisse wurden dem behandelndem Personal nicht zugänglich gemacht.

Die Studie ergab, dass sich die beiden Patientengruppen bei einer Folgeuntersuchung nach 30 Tagen bezüglich MACE nur geringfügig unterschieden (5,17 Prozent in der experimentellen Gruppe gegenüber 5,19 Prozent in der Kontrollgruppe). Insbesondere traten im experimentellen Arm der Studie mit Copeptin keine Todesfälle bei den früh entlassenen Patienten im Nachbeobachtungszeitraum auf. Die Entlassungen aus der Notfallaufnahme waren allerdings in der experimentellen Gruppe signifikant häufiger (66 Prozent gegenüber 12 Prozent; P<0,001). Dieses Ergebnis unterstützt die Nutzung des neuen Algorithmus für Patienten mit geringem oder mittlerem Risiko bei Verdacht auf das Vorliegen eines ACS.

17.06.2014

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