Röntgenkongress in Zeiten von COVID-19

RöKo 2020: Transformation ins Digitale geht voran

Eines steht jetzt schon fest: Prof. Dr. Günter Layer wird in die Annalen der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) eingehen. Zum einen wird er als Präsident jenes Röntgenkongresses in Erinnerung bleiben, der aufgrund der COVID-19-Pandemie in der geplanten Form abgesagt werden musste. Zum anderen aber könnte er als jener Präsident in Erinnerung bleiben, der den Deutschen Röntgenkongress in ein neues, digitales Zeitalter führte.

Bildquelle: DRG/Jürgen Wölk

Bedingt durch die Viruserkrankung nämlich findet der Kongress in diesem Jahr nicht als viertägige Präsenzveranstaltung mit mehr als 7.000 erwarteten Teilnehmern statt, sondern geht als virtuelle Veranstaltung für die Dauer eines halben Jahres im Internet über die Bühne. Aus dem 101. Deutschen Röntgenkongress bzw. 9. Gemeinsamen Kongress von DRG und Österreichischer Röntgengesellschaft (ÖRG) wird der RöKo Digital.

portrait of günter layer
Kongresspräsident Prof. Dr. Günter Layer

„Die Transformation ins Digitale ist zwar aus der Not geboren, aber ich kann mir gut vorstellen, dass sie zu nachhaltigen Veränderungen unserer Kongressaktivitäten führen wird, die uns bleiben werden, auch wenn die Pandemie vorüber ist“, erklärt Layer: „Ich bin davon überzeugt, dass wir in den kommenden Jahren nicht eins zu eins dorthin zurückkehren werden, wo wir herkommen. Ich würde mich sehr wundern, wenn der RöKo Digital nächstes Jahr nicht wieder in irgendeiner Form stattfinden würde.“

„Wir werden möglicherweise zu der Erkenntnis kommen, dass sich Wissen – zumindest ein Teil davon – besser über den digitalen Weg vermitteln lässt als über einen Kongress mit physischer Präsenz“, überlegt Layer. Auch lassen sich auf digitalem Weg möglicherweise mehr Menschen erreichen. „Weil wir alle Veranstaltungen aufzeichnen, können wir das Wissen auch zur Repetition erfahrbar machen“, unterstreicht der Leiter des Zentralinstituts für Diagnostische and Interventionelle Radiologie sowie Ärztlicher Direktor des Klinikums Ludwigshafen. Wenn die Aufzeichnungen Teil von Lehrprogrammen und jederzeit abrufbar werden, hätten sie auf jeden Fall eine nachhaltigere Wirkung als nur durch den einmaligen Konsum auf einer mehrtägigen Veranstaltung. „Wir werden in Zukunft möglicherweise verkürzte Kongresse erleben in Kombination mit digitalen Kongressen“, vermutet Layer. In diesem Sinne wäre der digitale Kongress der Wissensvermittlung und der Fortbildung gewidmet, der Präsenzkongress hingegen der Interaktion, der sozialen Kommunikation und der Mitgliederversammlungen, auf denen man sich informell austauschen kann.

Allerdings befindet sich die DRG derzeit noch am Beginn eines langen Weges. „Im Moment werden wir viele Dinge nicht ungebrochen vermitteln können“, räumt Layer ein. Denn viele interaktive Inhalte lassen sich nicht ohne weiteres digitalisieren. „Wir sind dieses Jahr sicherlich nicht in der Lage, Dinge anzubieten, die an eine händische Interaktion gebunden sind“, bedauert er: „Das ist meines Erachtens in den nächsten Jahren denkbar, aber das kann man nicht innerhalb von zwei Monaten aus dem Boden stampfen.“ Layer sieht sich am Beginn einer Übergangszeit, in der man noch lernen muss, wie interaktive Lerninhalte digital vermittelt werden können.

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Kongress-Homepage

101. Deutscher Röntgenkongress/RöKo Digital

Hier geht es zur Webseite des 101. Deutschen Röntgenkongress, der 2020 erstmals als RöKo Digital ausgerichtet wird. Die Seite enthält detaillierte Informationen zum Kongressprogramm und Fortbildungsangebot mit Referenten, Terminen der Webinare, Symposia und Workshops, ein FAQ zu den häufigsten Fragen sowie Möglichkeiten zur Anmeldung.

Dass es überhaupt möglich war, binnen kürzester Zeit den RöKo Digital aufzuziehen, ist der jahrelangen Erfahrung der DRG mit der Akademie online zu verdanken, also den Online-Fortbildungskursen, die in meist 14-tägigem Abstand jeweils am Dienstagabend stattfinden. „Die Tendenz in Richtung digital war ja bereits in den letzten Jahren sichtbar. Sie wird nur jetzt massiv beschleunigt“, erklärt Layer. Eines allerdings wird er beim digitalen Röntgenkongress vermissen: den direkten Kontakt mit den anderen Teilnehmern: „Soziale Interaktion zwischen Menschen kommt digital nicht in gleicher Weise zustande wie im wirklichen Leben.“ In dieser Hinsicht wird wohl ein digitaler Kongress nie einen Präsenzkongress ersetzen können.

Noch ist die Planung des RöKo Digital für die kommenden sechs Monate nicht abgeschlossen. Fix ist, dass digitale Sessions regelmäßig am Donnerstag und am Samstag für Ärzte, am Mittwoch für Medizinisch-technische Assistenten (MTA) abgehalten werden. Auch eine Sommerpause wird es geben. Das Programm besteht unter anderem aus CME-zertifizierten Refresherkursen, Highlight-Sessions und vielen weiteren themenspezifischen Fortbildungsveranstaltungen, sowie thematisch sortierten Beiträgen, „Fit für den Facharzt (FFF)“-Aufzeichnungen, Case Reports, wissenschaftlichen Vorträgen und Industrie-Symposien. Die Samstage sind den lange vor der Corona-Krise festgelegten vier Schwerpunkten des Deutschen Röntgenkongresses 2020 gewidmet: Künstliche Intelligenz, Sicherheit in der Radiologie, Notfallradiologie und interventionelle Onkologie. Die Donnerstage stehen im Zeichen der diversen Arbeitsgemeinschaften (AG) der Röntgengesellschaften. Lediglich sehr große Arbeitsgemeinschaften wie etwa die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) werden ihre Sitzungen auch am Samstag abhalten. 

COVID-19 auch im Kongressprogramm ein zentrales Thema

Im Gegensatz zu uns Medizinern, die diesbezüglich noch ein wenig fremdeln, sieht die Industrie die Digitalisierung als große Chance

Günter Layer

Die Eröffnung des Röntgenkongresses findet traditionellerweise an Christi Himmelfahrt statt, das in diesem Jahr auf den 21. Mai fällt. Den Eröffnungsvortrag hält Prof. Dr. Horst Hahn, Direktor des Fraunhofer Institut für Bildgestützte Medizin (MEVIS) zum Thema „Neue Einsichten – Wie verändert künstliche Intelligenz die Radiologie“. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion dazu statt, an der neben dem Vortragenden und Kongresspräsident Layer auch Prof. Dr. Gerald Antoch (Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Düsseldorf), Univ.-Prof. Dr. Klaus Hausegger (Präsident der ÖRG, Vorstand des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Klinikum Klagenfurt) sowie Michael Heider (Philips Healthcare) und Dr. Bernd Montag (Siemens AG) als Vertreter der Industrie teilnehmen. Die Online-Podiumsdiskussion, bei der Publikumsfragen per Chat eingebracht werden können, ist eine Premiere für die Röntgengesellschaft. In weiteren Vorträgen spricht Prof. Dr. Heyo Kroemer (Vorstandsvorsitzender der Charité Berlin) darüber, wie sich die Krankenhauslandschaft durch COVID-19 verändert hat und noch weiter verändern wird. Der Pathologe Prof. Dr. Klaus Püschel (Universitätsklinikum Hamburg) berichtet über pathomorphologische und pathophysiologische Erkenntnisse zu COVID-19, Prof. Dr. Cornelia Prokop-Schäfer (Meander Medical Centre Amersfoort) informiert über „Neues zu COVID-19 aus der Radiologie".

Eine bange Frage im Vorfeld war, wie die Industrie auf die Abwanderung des Kongresses ins Digitale reagieren würde. Denn die Firmen legen großen Wert auf ihre Stände, wo sie auf Kongressen die Möglichkeit haben, Gespräche zu führen und Informationen über ihre Produkte unter die Leute zu bringen. „Zu meiner Überraschung steht die Industrie dem digitalen Kongress sehr positiv gegenüber“, erklärt Layer: „Im Gegensatz zu uns Medizinern, die diesbezüglich noch ein wenig fremdeln, sieht die Industrie die Digitalisierung als große Chance.“ 


Profil:

Prof. Dr. Günter Layer ist Gewählter Präsident des 101. Deutschen Röntgenkongress 2020 und seit 2001 Direktor des Zentralinstituts für Diagnostische and Interventionelle Radiologie am Klinikum Ludwigshafen gGmbH, dem akademischen Lehrkrankenhaus der Johannes Gutenberg Universität Mainz und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der gastrointestinalen und onkologischen Diagnostik, der interventionellen Therapie sowie im Strahlenschutz. Prof. Layer ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften, darunter der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG), den Deutschen Gesellschaften für Interventionelle Radiologie (DEGIR), Ultraschall in der Medizin (DEGUM), der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), der European Society of Radiology (ESR) sowie der Radiological Society of North America (RSNA). Er ist beteiligt an mehr als 120 Peer-Review-Veröffentlichungen (davon 77 als Erstautor) und 38 Buchartikel. Darüber hinaus ist Prof. Layer Herausgeber dreier radiologischer Lehrbücher zur Onkologischen Diagnostik und Therapie und Reviewer für zahlreiche nationale und internationale radiologische Journale.

20.05.2020

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