Eine Landschaft mit blauem, fast wolkenlosem Himmel und einer grünen Wiese....

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Artikel • Klimaschutz in der diagnostischen Bildgebung

Nihil nocere – Radiologie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Der Klimawandel ist das größte globale Gesundheitsrisiko unserer Zeit – und der Gesundheitssektor ist Teil des Problems, denn er hinterlässt einen nicht unerheblichen CO₂-Fußabdruck. Somit wird Nachhaltigkeit zur medizinischen Notwendigkeit. Allen voran stellen sich Universitätskliniken der Herausforderung, nachhaltiger zu praktizieren. Auch der 107. Röntgenkongress (RÖKO 2026) setzt sich mit der Frage auseinander, wie insbesondere die Radiologie ressourcenschonender arbeiten kann. Dabei werden exemplarisch Projekte des Heidelberger (UKHD) sowie anderer universitärer Zentren im In- und Ausland vorgestellt.

Artikel: Cornelia Wels-Maug

Nachhaltigkeit beginnt dort, wo wir arbeiten. Dabei ist Nachhaltigkeit eine Haltung und kein abstraktes Ziel; sie erfordert konkretes Handeln und messbare Maßnahmen, erläutert Dr. Noemi Bender, Leiterin der Stabsstelle für Nachhaltigkeit und Klimaschutz am UKHD. Bender ist federführend, Perspektiven für ein grünes Gesundheitswesen am UKHD zu entwickeln. Hierzu gehören Strategien, Energie einzusparen bzw. umweltfreundlicher zu erzeugen.

Klimawandel als Gesundheitsrisiko

das UKHD die zunehmend längeren und intensiveren Hitzewellen in der Region die größte klimabedingte Herausforderung für die Gesundheitsversorgung darstellen. Sie betont, dass dadurch das Risiko für postoperative Infektionen signifikant ansteigt und erhöhte Temperaturen unvorhergesehene Wirkungen von Medikamenten bewirken sowie die  Schwelle zu aggressivem Verhalten senken. Dies belastet auch die Arbeitsbedingungen in Kliniken und senkt die Leistungsfähigkeit des medizinischen Personals. 

Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass der Gesundheitssektor in zweifacher Hinsicht vom Klimawandel betroffen ist: Einerseits als Sektor, der mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels umgehen muss, andererseits selbst als Verursacher von Treibhausgasemissionen zum Problem beiträgt. Dadurch geraten Mediziner in Konflikt mit dem grundlegenden, auf den Hippokratischen Eid zurückgehenden Prinzip “Nihil nocere” – vor allem nicht zu schaden. 

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Artikel • Informationskanal

Im Fokus: Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen

Die Zeiten, in denen sich nur an den OP-Kitteln ablesen ließ, wie "grün" ein Krankenhaus ist, sind längst vorbei: Verringerung von CO₂-Emissionen, Verbesserung des Wasser- und Abfallmanagements sowie Energiesparen sind für moderne Kliniken unerlässlich. Lesen Sie weiter und erfahren Sie, was medizinische Einrichtungen tun können, um nachhaltiger zu werden.

Der ökologische Fußabdruck des Gesundheitssektors

Weltweit ist der Gesundheitssektor für 4.4% des gesamten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Laut Bender beläuft sich der Anteil des deutschen Gesundheitswesens am gesamten CO2-Ausstoß in Deutschland bei 5,2%. Das UKHD, das als Universitätsklinikum höchste medizinische Standards erfüllen muss, emittierte im Jahr 2022 230.700 Tonnen CO2 und steht mit seiner Umweltbilanz stellvertretend für andere Maximalversorger. Mit über einer Million ambulanter Fälle pro Jahr, 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie acht medizinischen Standorten – die Mannheimer Uniklinik und des Heidelberger Krankenhauses Salem, die seit kurzem zum UKHD gehören, sind nicht miteingeschlossen – ist das Klinikum ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, aber auch ein erheblicher CO2-Emittent. 

Das Drei-Säulen-Modell am UKHD

Um dieser Herausforderung systematisch zu begegnen, hat das UKHD sein Nachhaltigkeitsengagement auf drei fundamentale Säulen gestellt: Governance, Maßnahmen zur Umsetzung und Sensibilisierung. 

Governance und strategische Verankerung 

Die 2022 gegründete Stabsstelle Nachhaltigkeit und Klimaschutz tauscht sich kontinuierlich mit anderen Kliniken, Verbänden und Vertretern der Politik aus. Im Rahmen dieser Dialoge wurde eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, welche die strukturelle Verankerung der Nachhaltigkeit am UKHD gewährleistet. Kernstück dieser Taktik ist die Einführung eines Steuerungsboards zur Koordination und Überwachung der Nachhaltigkeitsaktivitäten. Dabei wird ein ein dualer Ansatz verfolgt: Einerseits werden Bottom-up-Initiativen aus der Belegschaft gefördert, die im Sinne einer Graswurzelbewegung innovative Ideen und Praktiken voranbringen. Andererseits erfolgt eine Top-down-Steuerung durch das Management, die Green Leadership, die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben sowie professionelles Nachhaltigkeitsmanagement umfasst. 

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Transparenz und Berichterstattung 

Zur Governance gehören auch die Klimaberichte, die das UKHD jährlich veröffentlicht. Diese dokumentieren den ökologischen Fußabdruck des Klinikums, die ergriffenen Maßnahmen und die erzielten Fortschritte. Parallel zur internen Umsetzung setzt sich die Stabsstelle extern für die Verbreitung nachhaltiger Praktiken ein. Sie erweitert ihr Portfolio permanent, damit das UKHD seine Stellung als internes und externes Modell für nachhaltiges Wirtschaften im Gesundheitswesen ausbauen kann. 

Green Surgery 

Ein Beispiel für die praktische Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist das Projekt "Green Surgery in der Chirurgie", das von Dr. Viktoria Palm, Fachärztin für Radiologie am UKHD, dort  vorangetrieben wird. Im Zentrum steht die Beschaffung eines innovativen medizinischen Geräts zur Entsorgung von Operationsflüssigkeiten (Nemo), das Nachhaltigkeit und Hygiene im Krankenhaus verbindet: Es entleert volle Absaugbeutel hygienisch und sicher direkt in die Krankenhausabwassersysteme, reduziert die Menge an medizinischem Abfall und generiert dadurch ökologische und ökonomische Vorteile. Durch die Entleerung vor Ort werden die CO2-Emissionen verringert, die bei konventioneller Abfallverbrennung entstehen würden, zudem senkt das System die Entsorgungskosten und verbessert die gesamte CO2-Bilanz des UKHDs. 

Aktivitäten im nicht-klinischen Bereich 

Maßnahmen zur Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen beschränken sich nicht auf den klinischen Betrieb. Das UKHD hat erkannt, dass auch die Mobilität des Personals sich auf CO2-Emission auswirkt. Daher hat es entsprechende Maßnahmen ergriffen, um den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel zu fördern und den CO2-Ausstoß durch Pendlerverkehr zu reduzieren. Das UKHD bezuschusst das Deutschlandticket und bietet eine vergünstigte Nutzung von Fahrrädern im Rahmen eines Jobrad-Programms an. 

Über den Tellerand geschaut: Umweltfreundlichere Versorgungsbeispiele

Von der stetig wachsenden Zahl an Nachhaltigkeitsprojekten im Gesundheitswesen seien hier eine kleine Auswahl aus dem In- und Ausland angeführt: 

Grüne Radiologie am Universitätsklinikum Ulm 

Das Universitätsklinikum Ulm (UKU) hat mit der Installation einer speziellen Filtertoilette in der Radiologie einen Schritt zu einem “grüneren” bzw. nachhaltigeren Betrieb der Radiologie beigetragen. Patientinnen und Patienten nutzen nach Kontrastmitteluntersuchungen ein speziell gekennzeichnetes WC mit integriertem Filtersystem, welches das iodhaltige Kontrastmittel direkt am Entstehungsort aus dem Abwasser filtert, bevor es in die Kanalisation gelangt. Das UKU gilt als die erste radiologische Einrichtung in Deutschland, die dieses System nutzt. Außerdem setzt das UKU den Stromspar-Modus an MRT-Geräten (Einsparung von ca. 5.700 kWh/Jahr) ein und verwendet KI-gestützte Sequenzen zur Reduzierung der Untersuchungszeit um bis zu 60%. 

Nachhaltigere Radiologie am Uniklinikum Dresden 

Die Radiologie am Dresdner Carl Gustav Carus Universitätsklinikum beziffert den CO2-Fußabdruck pro MRT-Untersuchung auf circa 20 kg CO2-Ausstoß respektive auf circa 6,6 kg pro CT-Untersuchung und versucht diese Belastung durch gezielte Maßnahmen zu reduzieren. Dazu gehören der Einsatz von Software auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) zur Unterstützung der Diagnostik, die zu einer präziseren und potenziell ressourcenschonenderen Bildgebung beitragen soll, sowie  Investitionen in effizientere Geräte, beispielsweise ein MRT-Gerät in der Kinderradiologie, welche schnellere, genauere und schonendere Untersuchungen ermöglicht. 

Grüne Ideen aus Schweden 

Das Karolinska Universitätskrankenhaus in Schweden gilt als ein Vorreiter für nachhaltige Krankenhausarchitektur und wurde mit der höchsten schwedischen Umweltzertifizierung (Miljöbyggnad Gold) ausgezeichnet. Es nutzt Gründächer zur Kühlung der Gebäude, der Regenwasserspeicherung und der Verbesserung des Mikroklimas als zentralen Bestandteil seines nachhaltigen Umweltkonzepts, was wiederum in das übergeordnete Bestreben der Region Stockholm eingebettet ist, den Klimaeinfluss bis 2030 um 50% zu reduzieren. 

Englands NHS drängt auf Nachhaltigkeitsstrategien der Lieferanten 

Das staatliche englische Gesundheitssystem, der National Health Service (NHS), verfolgt eine ambitionierte Transformation seiner Lieferketten, um bis zum Jahr 2045 ein klimaneutrales Gesundheitssystem zu werden. Da circa 60 bis 70% des gesamten CO2-Fußabdrucks des NHS auf eingekaufte Waren und Dienstleistungen entfallen, ist die nachhaltige Gestaltung der Lieferkette von entscheidender Bedeutung. Deshalb hat der NHS unter anderem einen Plan entwickelt, der Lieferanten dazu verpflichtet, ihre Nachhaltigkeitsziele an denen des NHS auszurichten und die Emissionen in der gesamten Lieferkette zu reduzieren. 

Mitdenken von Nachhaltigkeit beim MRT-Betrieb

Nachhaltigkeit in der Radiologie ist eng mit wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verknüpft, denn nachhaltige Technologien und Prozesse müssen auch finanzierbar sein. Gleichzeitig sind die strukturellen Einflussmöglichkeiten häufig begrenzt: Radiologische Praxen sind aufgrund der komplexen technischen Infrastruktur nur schwer räumlich verlagerbar oder grundlegend umzubauen. Umso wichtiger ist es, die tatsächlich beeinflussbaren Faktoren gezielt zu adressieren, erläutert Prof. Dr. Henrik Michaely, Radiologe am MVZ Radiologie, Karlsruhe. 

Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Reduktion unnötiger Untersuchungen. Bildgebung sollte nur dann erfolgen, wenn eine klare radiologische Fragestellung vorliegt. Gleichzeitig bietet insbesondere der Einsatz von KI ein hohes Potenzial für mehr Energieeffizienz. Scannerseitige KI-Anwendungen ermöglichen beispielsweise schnellere Bildakquisitionen, wodurch Untersuchungszeiten und Stromverbrauch reduziert werden können. Laut Michaely könnten sich für radiologische Praxen hier jährlich Einsparungen von Stromkosten in Höhe von rund 3.900 bis 4.000 Euro ergeben. 

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Stromfressern in der Radiologie den Stecker ziehen

Moderne Bildgebungssysteme liefern zwar schnelle, hochaufgelöste Aufnahmen, diese Vorzüge werden aber fast immer mit hohem Stromverbrauch – zunehmend teuer – erkauft. Dr. Kerstin Jungnickel berichtete auf der DGMP-Jahrestagung über den Verbrauch von CT- und MRT-Scannern, wie die Industrie ihre Energiebilanz verbessern kann, und welche Rolle dabei den Klinikern zufällt.

Darüber hinaus erlaubt KI neue Möglichkeiten für eine nachhaltige Nutzung bestehender Geräte. Moderne KI-gestützte Rekonstruktions- und Denoising-Verfahren können die Bildqualität älterer MRT-Systeme deutlich verbessern und damit deren Nutzungsdauer verlängern. Dadurch wird nicht zwangsläufig ein Austausch älterer Hochfeldsysteme erforderlich. So könnten beispielsweise 0,55-Tesla-Systeme in Kombination mit KI-basierter Bildoptimierung in bestimmten Anwendungsbereichen eine ressourcenschonende Alternative zu klassischen 1,5-Tesla-Geräten darstellen. Gleichzeitig gilt es zu berücksichtigen, dass KI-Anwendungen selbst energieintensiv sein können und auch die notwendige Recheninfrastruktur einschließlich Lizenzen zusätzliche Kosten verursacht. 

Ein weiterer wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt betrifft den Heliumverbrauch von MRT-Systemen. Während moderne Geräte zunehmend heliumarm oder nahezu heliumfrei arbeiten, benötigen ältere Systeme häufig noch zwischen 750 und 1.500 Litern Helium. Da Helium kontinuierlich verdampft und gleichzeitig teurer wird, gewinnen neue technische Lösungen zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen beispielsweise dynamische Kaltkopf-Abschaltungen und intelligente Energiesparmodi, die automatisch Leerlaufzeiten erkennen und den Energieverbrauch der Kühlung auch während des Betriebs reduzieren. Da insbesondere die Kühlung einen erheblichen Anteil am Gesamtenergieverbrauch eines MRT-Systems ausmacht, können hier substanzielle Einsparungen erzielt werden, unterstreicht Michaely. 

Neben der Gerätetechnik spielt auch die Haustechnik eine wichtige Rolle. Schwankungen im Stromnetz, insbesondere Über- oder Unterspannungen, können nicht nur zu Störungen führen, sondern auch den Verschleiß elektrischer Komponenten beschleunigen. Ein verminderter elektrischer Widerstand kann zudem den Energieverbrauch erhöhen. Entsprechend tragen stabile Stromversorgungssysteme und eine optimierte technische Infrastruktur ebenfalls zu einer nachhaltigeren und effizienteren radiologischen Versorgung bei. 

13.07.2026

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Initiative weist nach, dass schon kleine Maßnahmen, wie das Verwenden des Modus mit dem geringsten Energieverbrauch, bei Magnetresonanztomographie (MRT)-Systemen große Wirkung haben können.

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