Spezialisierter Aufwachraum (PACU) am Herzzentrum Leipzig
Spezialisierter Aufwachraum (PACU) am Herzzentrum Leipzig

© Helios 

News • Post-Anesthesia Care Unit

PACU: Spezielle Aufwachräume entlasten die Intensivstation

Langzeitstudie am Herzzentrum Leipzig zeigt Entlastung – ohne Abstriche bei der Sicherheit

Wie lassen sich Intensivbettenkapazitäten noch besser für diejenigen vorhalten, die sie wirklich benötigen? Und: Muss wirklich jeder herzchirurgische Patient nach der OP routinemäßig auf der Intensivstation betreut werden? Im Jahr 2005 ging am Herzzentrum Leipzig ein neues Projekt an den Start, um diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Das Enhanced Recovery After Cardiac Surgery (ERACS) nutzt einen spezialisierten Aufwachraum – die sogenannte „Post-Anesthesia Care Unit“ (PACU), um Patienten postoperativ zu versorgen und frühzeitig ihre Regeneration voranzutreiben. Eine aktuelle wissenschaftliche Auswertung aus 15 Jahren Praxis mit 20.773 analysierten Patienten zeigt, dass der strukturierte PACU‑Pfad sicher und skalierbar ist und bei über 90% der nach ERACS behandelten Patienten eine Verlegung auf die Intensivstation vermeidet. 

Die Ergebnisse sind im Journal of Clinical Anaesthesia veröffentlicht. 

Portraitfoto von Prof. Jörg Ender
Prof. Dr. Jörg Ender, Chefarzt Anästhesiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Leipzig

Bildquelle: Christian Hüller; © Helios Kliniken GmbH 

Kern des Leipziger ERACS-Konzepts ist ein klar definierter, evidenzbasierter Prozess: Herzchirurgische Patienten werden direkt postoperativ in einen dafür spezialisierten und mit anästhesiologischem Fachpersonal ausgestatteten Aufwachraum (PACU) verlegt. Dort wird eine frühzeitige Extubation angestrebt, die engmaschige Stabilisierung und Überwachung über mehrere Stunden durchgeführt* und anschließend die Weiterbehandlung auf einer Intermediate‑Care‑Station (IMC) angestrebt, bevor es auf die Normalstation geht. 

Die Voraussetzung für einen sicheren Prozess ist eine strukturierte Patient:innenselektion am OP‑Ende: „Konkret bedeutet dies, dass die Patienten postoperativ eine normale Körpertemperatur und einen stabilen Blutkreislauf haben müssen. Außerdem sollten sie keine relevanten Blutungen aufweisen“, beschreibt Prof. Dr. Jörg Ender, Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Herzzentrum Leipzig, die Auswahl für den ERACS-Pfad. 

Prof. Dr. Olaf Kannt, Leitung Medizin der Helios Kliniken, betont den Fokus auf Sicherheit und Qualität der Behandlung: „Patienten sollen zügig, aber sicher durch die perioperative Phase geführt werden. Dieses Vorgehen unterstreichen wir in sechs ERAS-zertifizierten Helios Kliniken. Mit dem ERACS-Konzept am Herzzentrum Leipzig wird das postoperative Prinzip nun erfolgreich auf die Herzmedizin übertragen.“ 

Portraitfoto von Prof. Olaf Kannt
Prof. Dr. Olaf Kannt, Leitung Medizin der Helios Kliniken

Bildquelle: Jens Braune del Angel; © Helios Kliniken GmbH

Über die Jahre hat das Herzzentrum Leipzig die Infrastruktur des Konzepts konsequent weiterentwickelt: Vom Start 2005 mit drei PACU Betten bis hin zum Ausbau 2010 auf acht Betten und erweiterten Öffnungszeiten; parallel stieg der Anteil der Patienten, die über die PACU geführt werden konnten, von 19% (2006) auf 60% (2020) – trotz zunehmender Eingriffskomplexität und steigender Risikoprofile. Dieses Vorgehen schafft Intensivbetten Kapazitäten, die für unvermeidliche intensivpflichtige Fälle benötigt werden. 

Neben dem klinischen Nutzen hat das ERACS-Konzept auch eine klare wirtschaftliche Dimension: weniger unnötige Tage auf der Intensivstation, effizientere Patientenflüsse und eine bessere Nutzung hochspezialisierter Kapazitäten vereinen hohe medizinische Qualität mit Effizienz. 

„Der Erfolg des Leipziger ERACS Konzepts ist vor allem ein Teamerfolg“, resümiert Prof. Ender. „Nur durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Anästhesiologie, Herzchirurgie, Intensivmedizin, Pflege, Physiotherapie und Klinikmanagement konnten wir die Prozesse so standardisieren und kontinuierlich verbessern, dass Patienten schneller stabil sind, früher extubiert werden können und in vielen Fällen keine intensivmedizinische Nachbetreuung benötigen. Die Datenlage ist einmalig und ermöglichte uns eine umfangreiche Bewertung für eine sichere Patientenversorgung“, so Prof. Ender. 

 *Extubation im Mittel nach rund 105 Minuten sowie Stabilisierung und Überwachung mit PACU Aufenthalt im Mittel rund 4–4,5 Stunden 


Quelle: Herzzentrum Leipzig 

13.05.2026

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