Einblicke und Ausblicke

Nuklearmedizin im Wandel

Die Nuklearmedizin ist im Wandel. Neben stetig weiter präzisierten diagnostischen Verfahren wie Szintigrafie, Positronen-Emissionstomographie (PET, in Verbindung mit CT und MRT) und Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) rückten in den vergangenen Jahren nuklearmedizinische Therapien wie die Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie (PRRT) bei Forschern und Anwendern in den Fokus.

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Herstellungsprozess von Radiopharmaka

Bildquelle: Advanced Accelerator Applications (AAA)

Zusätzlich gewinnen zugelassene Radiopharmaka an Bedeutung gegenüber der Eigenherstellung in nuklearmedizinisch arbeitenden Kliniken. Dadurch entwickelt sich die Nuklearmedizin nicht nur als eigenständige Disziplin, sondern wird auch zum wichtigen Partner für andere medizinische Fachgebiete wie Gastroenterologie, Endokrinologie und Onkologie.

Advanced Accelerator Applications (AAA), eine hundertprozentige Novartis-Tochter, hat sich als ein Vorreiter in der Entwicklung zugelassener, Evidenz-basierter Theragnostik etabliert. Anlässlich einer virtuellen Fachpressekonferenz inklusive Podiumsdiskussion gaben namhafte Experten Einblicke in und Ausblicke auf die Entwicklungen der Nuklearmedizin in den vergangenen und kommenden Jahren.

Nuklearmedizinische Verfahren hielten in den vergangenen Jahren vermehrt Einzug in unterschiedliche Behandlungsleitlinien. Mittlerweile sind sie etablierter Bestandteil verschiedener Therapiealgorithmen. Ein Beispiel hierfür sind gastroenteropankreatische neuroendokrine Tumoren (GEP-NET), insbesondere im Dünndarm lokalisiert, aber auch im Pankreas. „Bei Somatostatinrezeptor-positiven Tumoren findet die PRRT ab der Zweitlinie Anwendung“, so Professor Dr. Marianne Pavel vom Universitätsklinikum Erlangen. Dabei gelte es jeweils individuell abzuwägen, welche Patienten zu welchem Zeitpunkt der Behandlung von einer PRRT profitieren. Bei Dünndarm-NET ist die PRRT laut Pavel bereits jetzt die häufigste Option der Zweitlinientherapie. 

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Lutetium-177 (177-Lu)

Bildquelle: Advanced Accelerator Applications (AAA) 

Professor Dr. Markus Essler vom Universitätsklinikum Bonn stellte im Rahmen der Presseveranstaltung die Meilenstein-Studie NETTER-1 vor. Dabei handelt es sich um die erste Phase-III-Studie zu Wirksamkeit und Sicherheit von 177Lu-Dotatate bei Patienten mit gut differenzierten (G1 und G2) GEP-NET.1 Die Patienten zeigten ein signifikant verlängertes Progressionsfreies Überleben (PFS) unter einer 177Lu-Dotatate-Therapie im Vergleich zu einer Behandlung mit Somatostatin-Analoga (SSA)*: Das Risiko für einen Krankheitsfortschritt wurde um 79% verringert.1 Bei der NETTER-1 Studie handelt es sich um die Zulassungsstudie des 177Lu-Dotatate-Therapeutikums Lutathera.2,3

Im weiteren Verlauf betonte Professor Essler die Bedeutung von zugelassenen Therapien in der Nuklearmedizin. Diese könnten helfen, die Nuklearmedizin weiterzuentwickeln und diese Disziplin zunehmend in der Onkologie zu etablieren. Derzeit liege der Fokus auf der PRRT bei neuroendokrinen Tumoren, aber weitere Indikationen, zum Beispiel das Prostata-Karzinom, werden in den nächsten Jahren folgen. 

Dr. Dirk Holler, General Manager Germany & Austria von AAA, betonte bei der Veranstaltung, dass AAA auf die Entwicklung Evidenz-basierter und zugelassener Theragnostika setze, um möglichst vielen Patienten innovative Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen. So bietet das Unternehmen mit SomaKit TOC4, einem Kit zur Synthese einer 68Ga-Edotreotidlösung für die PET, und dem PRRT-Arzneimittel Lutathera5 (177Lu-Dotatate) als erster Hersteller zugelassene Radiopharmaka sowohl für die Diagnostik als auch zur Therapie in einer Indikation an. Beide Radiopharmaka sind zugelassen zur Diagnose beziehungsweise Behandlung von gut differenzierten (G1 oder G2) Somatostatinrezeptor-positiven GEP-NET.2,3,6,7 In der Entwicklungs-Pipeline des Unternehmens befinden sich zudem weitere theragnostische Ansätze für andere Indikationen – beispielsweise zum Prostata-Karzinom.

* Lutathera-Arm (n = 116): 4 Dosen mit 7,4 GBq (200 mCi) Lutathera alle 8 Wochen + 30 mg Octreotid alle 4 Wochen; Kontroll-Arm (n = 113): 60 mg SSA alle 4 Wochen. Geschätztes progressionsfreies Überleben (estimated PFS) nach 20 Monaten: 65,2% (95 % KI: 50,0–76,8) unter Lutathera vs. 10,8% (95% KI: 3,5–23) in der Kontrollgruppe.

 

Quellen

  1. Strosberg J et al. Phase 3 Trial of 177Lu-Dotatate for Midgut Neuroendocrine Tumors. N Engl J Med 2017;376:125–135.
  2. Zulassung der U.S. Food and Drug Administration vom 26.01.2018.
  3. Zulassung der European Medicines Agency vom 26.09.2017.
  4. Aktuelle Fachinformation SomaKit TOC™; Stand: März 2020.
  5. Aktuelle Fachinformation LUTATHERA®; Stand: April 2020.
  6. Zulassung der European Medicines Agency vom 08.12.2016.
  7. Zulassung der U.S. Food and Drug Administration vom 01.06.2016 (Netspot®).


Quelle: Advanced Accelerator Applications (AAA)

28.11.2020

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