Neue Tracer und Hybridsysteme erweitern die Möglichkeiten der SPECT

Die meisten nuklearmedizinischen Untersuchungen im niedergelassenen Bereich erfolgen heute mit SPECT (Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie).

Prof. Dr. Torsten Kuwert
Prof. Dr. Torsten Kuwert

radiologia bavarica: Warum ist so wenig vom SPECT-Verfahren die Rede? Läuft das PET ihr den Rang ab?

Professor Kuwert: Das PET-Verfahren ist eine relativ neue Methode, die technisch gesehen sicher auch besser ist als SPECT. Die Aufmerksamkeit der Forschungsgemeinschaft richtet sich daher per se verstärkt auf diese Neuerung, was sich auch an der Anzahl der Habilitationen zu dem Thema ablesen lässt. PET gibt es zudem heute nur noch als PET-CT, was die Einsatzmöglichkeiten noch mal erweitert. Zwar gibt es die SPECT inzwischen auch als SPECT-CT, in Deutschland ist ihr Einsatz jedoch weitgehend auf Universitätskliniken beschränkt. Weltweit sieht der Trend anders aus, denn jedes zweite verkaufte Gerät ist ein SPECT-CT, d.h. der Trend zur Fusion beider Verfahren ist auch da gesetzt.

Was macht die SPECT-CT so attraktiv?

Die SPECT-CT stellt eine deutliche Verbesserung in der diagnostischen Bildgebung dar. Denn wie beim PET-CT werden zwei Untersuchungen direkt hintereinander durchgeführt, ohne dass der Patient seine Körperposition verändert. Die nuklearmedizinische Computertomographie kann mit dem radiologischen CT-Bild überlagert werden, die im SPECT-Bild sichtbaren Mehranreicherungen eines radioaktiven Tracers können folglich mit der CT-Aufnahme korreliert werden. Das bringt zwei entscheidende Vorteile: Erstens können Mehranreicherungen besser charakterisiert werden als früher: bei einem Jod-SPECT-CT ist schneller sichtbar, ob eine Anreicherung am Hals gut- oder bösartig ist, ob sie einem normalen Schilddrüsenrest oder z. B. einer Lymphknotenmetastase entspricht. Es gibt Arbeiten, die gezeigt haben, dass der Genauigkeitszuwachs in der Diagnose dadurch um bis zu 30 Prozent gesteigert werden konnte. Und zweitens können durch die Überlagerung der beiden Verfahren, die Veränderungen auch besser lokalisiert werden, um beispielsweise festzustellen, ob sie chirurgisch entfernt werden können. Das war früher nicht möglich, weil die Auflösung bei nuklearmedizinischen Bildern wesentlich schwächer ist, und die Tracer nur den Krankheitsprozess abbilden, nicht aber den Rest der Organe darstellen. Durch die Kombination mit dem CT hat man im SPECT-CT nun aber auch die Anatomie und damit bei vielen Indikationen eine deutlich bessere Leistungsfähigkeit des Verfahrens.

Auch das PET-CT gibt die Anatomie wieder. Wo genau liegt denn die Abgrenzung zwischen SPECT-CT und PET-CT?

Der Unterschied betrifft vor allem die Tracer. Während wir beim PET vor allem mit F-18-Desoxyglucose als universellem onkologischem Tracer arbeiten, gibt es einen solchen nicht für die SPECT. Da arbeiten wir mit den klassischen nuklearmedizinischen Radiopharmaka, zum Beispiel mit der Jod-Szintigraphie nach Schilddrüsenkrebs. Zu den Klassikern gehört auch die Knochenszintigraphie, deren Aussage mit SPECT-CT deutlich verbessert wird, oder die Herzszintigraphie, wo das Verfahren zur Schwächungskorrektur der Bilder eingesetzt wird. Und dann gibt es natürlich noch die Tumorszintigraphie – da allerdings mit spezifischen Tracern für das SPECT wie die Octreotidszintigraphie, mit der sich neuroendokrine Tumore erkennen lassen, oder die MIBG-Szintigraphie für die Diagnostik des Neuroblastoms. Gerade beim SPECT gibt es einige vielversprechende Ansätze für neue Tracer. Aus meiner Sicht wirklich bahnbrechend ist ein neuer Tracer für das Prostatakarzinom. Dieser von einer amerikanischen Firma entwickelte und in Studien bereits erprobte Tracer kann sowohl diagnostisch als auch therapeutisch eingesetzt werden.

Eine Therapie mit Tracern, wie darf man sich das vorstellen?

Bei der Therapie wird das organische Grundmolekül mit Jod 131 kombiniert, mit dem – vereinfacht ausgedrückt - eine „Radiojod-Therapie“ des metastasierten Prostatakarzinoms durchgeführt werden kann. Zudem gibt es weitere Radiotherapeutika für das Prostatakarzinom wie einen Alphastrahler, der in einer multizentrischen Studie gerade erprobt wird. Insgesamt tut sich im Bereich der Tracer derzeit mehr als in den letzten zehn Jahren. Das Problem der Tracer ist, dass sie unter das Arzneimittelgesetz fallen und ihr Markt sehr viel kleiner ist als bei anderen pharmazeutischen Produkten. Die Kosten für klinische Trials sind aber auf ähnlich hohem Niveau wie für ein nicht radioaktives Therapeutikum, was die Entwicklung in der Nuklearmedizin natürlich deutlich hemmt. Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung.

Wird es in Zukunft vielleicht auch ein SPECT-MR geben?

Vorstellbar ist dies sicherlich, allerdings müssen sich die Entwicklungskosten eines solchen Gerätes auch tragen. Die Untersuchungszeit wird mehr Zeit in Anspruch nehmen, weil die MR Sequenz deutlich länger ist als bei einer SPECT. Zudem besteht die Schwierigkeit, die Detektoren in das Magnetfeld zu integrieren. Für die PET ist das nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit gelungen. Es ist aber fraglich, ob dieser Weg für das SPECT weiter verfolgt werden soll, denn das PET-MR steht als Alternative bereits zur Verfügung und außerdem ist es ja möglich, die MR-Daten retrospektiv mit SPECT zu fusionieren. Bei der SPECT-MR sind voraussichtlich hohe Anschaffungs- und Betriebskosten zu erwarten bei gleichzeitig durch die Untersuchungszeit limitierter Untersuchungszahl.

Vielen Dank für das Gespräch!

I M P R O F I L

Nach seinem Medizinstudium an der RWTH Aachen absolvierte Prof. Dr. Torsten Kuwert seine Ausbildung zum Facharzt an der Nuklearmedizinischen Klinik des Forschungszentrums Jülich. Nach Stationen als Oberarzt an den Unikliniken in Düsseldorf und Münster war er von 1987-1988 Direktor des Instituts für Molekulare Biophysik, Radiochemie und Nuklearmedizin am Herz- und Diabeteszentrum NRW und Professor für Nuklearmedizin an der Universität Bochum. Seit 1998 ist Kuwert Direktor und Ordinarius für Klinische Nuklearmedizin an der Universität Erlangen. Von 1998 – 2011 war er Sprecher des Radiopharmakaausschusses der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin. Seit 2005 kooperiert Prof. Kuwert mit Siemens Medical Solutions bei der Entwicklung der SPECT-CT und seit 2009 ist er klinischer Prüfer eines PETMR- Ganzkörpertomographen.

01.10.2012

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