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Jahrestagung

Neue Technologien im Kampf gegen Viruserkrankungen

Die 28. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV) gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. (DVV) ging am 17. März in Würzburg erfolgreich zu Ende.

Vier Tage lang tauschten rund 900 junge und etablierte Wissenschaftler aus der ganzen Welt der Virologie ihre neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aus und diskutierten aktuelle Aspekte im Zusammenhang mit Viren und viralen Infektionen. In entspannter Atmosphäre präsentierten sie ihre Forschungsarbeiten einem renommierten Fachpublikum. „Neben dem Austausch von Spitzenforschung bot der hochkarätige Kongress jungen Wissenschaftlern eine Plattform, um ihre Forschungen und Ideen vorzustellen und mit erfahrenen Virologen zu diskutieren“, betonte Kongresspräsident Prof. Dr. Lars Dölken, Lehrstuhl für Virologie am Institut für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Leiter des Virusdiagnostik-Labors.

Die in den letzten Jahren erzielten Durchbrüche haben sich als ein ganz wichtiger, treibender Faktor für hochkarätige virologische Forschung gezeigt

Lars Dölken

Als größte wissenschaftliche Fachgesellschaft für Virologie in Europa hat die GfV von Anfang an junge und erfahrene Wissenschaftler aus allen Bereichen der Virologie bei ihren Jahrestagungen zusammengebracht. Zur besonderen Nachwuchs-Förderung wurden diesmal alle Sessions - außer den vier großen Plenarsitzungen - von Nachwuchswissenschaftlern unter 40 Jahren geleitet. Ein weiterer wichtiger Fokus der Tagung lag auf der Entwicklung neuester Technologien, wie z.B. im Bereich der Hochdurchsatz-RNA/DNA-Sequenzierung oder bei Gesamt-Proteomanalysen sowie ultra-hochauflösenden Mikroskopieverfahren wie der Super-Resolution Mikroskopie für die Analyse von Virus-Wirt-Interaktionen. „Die in den letzten Jahren erzielten Durchbrüche haben sich als ein ganz wichtiger, treibender Faktor für hochkarätige virologische Forschung gezeigt“, wie Prof. Dölken betonte. 

Dass dies nicht nur Auswirkungen auf die Grundlagenforschung, sondern auch zunehmend auf die virologische Diagnostik hat, zeigte zum Beispiel die gut besuchten Plenarsitzungen mit Vorträgen zum Einsatz neuer Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren zur Entdeckung neuer pathogener Viren, zur Resistenztestung bei HIV Infektionen sowie zu epidemiologischen Untersuchungen bei konatalen Virusinfektionen. Darunter versteht man die Übertragung von Viren von der Mutter auf das ungeborene Kind während der Schwangerschaft. Mit Hilfe der Sequenzierung der viralen und humanen Genome von Mutter und Kind könnte man in Zukunft besser verstehen, weshalb der Krankheitsverlauf beim ungeborenen Kind so unterschiedlich ist und häufig zu schweren Schäden führt. Insgesamt war die Präsentation neuester Technologien, wie z.B. die 2-Photonenmikroskopie, die in Würzburg etabliert wird, und ihre Einsatzmöglichkeiten in der virologischen Forschung und Diagnostik ein hochinteressanter und breit diskutierter Tagungsschwerpunkt.

Neben einer ganzen Reihe neuer Forschungsergebnisse zu den großen Themen humaner Virusinfektionen wie HIV, Influenza-, Hepatitis- sowie Herpesviren gab es aktuelle Kongressbeiträge zu tropischen Viren wie Ebola und Zika. Dabei zeigte das vielfältige wissenschaftliche Programm mit wissenschaftlichen Fachvorträgen, Workshops und Poster-Sessions wieder das breite Themenspektrum der Virologie mit internationalen Fachbeiträgen. Die seit Jahren bestehende enge Kooperation deutscher und chinesischer Virologen wurde mit drei Gastrednern aus China fortgeführt. Insgesamt ist die weiterhin gesteigerte internationale Präsenz bei dieser Tagung als wichtigste Veranstaltung für Virologen im deutschsprachigen Raum als ein deutliches Zeichen für die Aktualität und wachsende Bedeutung der Fachwissenschaft anzusehen.

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Ein weiteres Highlight des Virologenkongresses war die Vorstellung der US-Forschergruppe von Klaus Früh aus Portland, die seit Jahren an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen HIV arbeitet. Ihr Ansatz beruht dabei auf einem Herpesvirus, dem humanen Zytomegalievirus (HCMV). Im Gegensatz zu allen bisherigen Versuchen funktioniert dieser Impfstoff im Affenmodel. Die im Zuge dieser Arbeiten gewonnen Erkenntnisse haben unser Grundverständnis des menschlichen Immunsystem fundamental beeinflusst. Derzeit arbeiten die Virologen daran, den Impfstoff vom Affen auf den Menschen zu übertragen. Erste Phase 1 Studien werden aller Voraussicht nach schon in den nächsten 1-2 Jahren beginnen. Die neue HCMV-basierte Impf-Plattform könnte auch zu weiteren Impfstoffen gegen andere schwer kontrollierbare Erreger führen, wie z.B. gegen Malaria oder Tuberkulose, zeigte sich Prof. Dölken optimistisch.

Im Bereich der zoonotischen Viren – eine besondere Herausforderung für die Forschung, da die für den Menschen besonders gefährlichen Virusinfektionen zumeist von Tieren übertragen werden – lag ein weiterer wichtiger Tagungsschwerpunkt. „Kooperationen zwischen Forschern aus der Human- und Veterinärmedizin sind erforderlich, um den von diesen Viren ausgehenden Gefahren erfolgreich entgegen zu treten“, betonte Prof. Dölken. Vielfältige Berührungspunkte zeigten sich in den lebhaften Diskussionen von Humanmedizinern und  Veterinärmedizinern, die Erkenntnisse aus zahlreichen Arbeiten aus der virologischen Grundlagenforschung und im Bereich der Impfstoffentwicklung vorstellten, z. B. gegen Ebola oder MERS-Coronaviren. 

Die 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. wird im kommenden Jahr in Düsseldorf stattfinden. Vom 20. bis 23. März 2019 besteht dann in der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf wieder die Möglichkeit zum regen Austausch von Erfahrungen und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.


Quelle: Gesellschaft für Virologie

08.05.2018

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