Neue Norovirus-Variante in vielen Ländern auf dem Vormarsch

Seit Ende 2012 nimmt in verschiedenen Reiseländern die Anzahl von Norovirus-Infektionen zu. Betroffen sind derzeit vor allem Großbritannien, die Niederlande, die USA, Japan, Frankreich, Australien und Neuseeland.

Bildquelle: Uni Lübeck
Bildquelle: Uni Lübeck

Erste wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass die neue Variante des Virus, „Sydney 2012“, die erhöhten Fallzahlen verursacht. Das CRM Centrum für Reisemedizin empfiehlt Reisenden, Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Flächendesinfektion zu beachten. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht bei einer engen Konzentration vieler Menschen – etwa in großen Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen.

Im Dezember 2012 meldete die britische Health Protection Agency (HPA) eine Zunahme der Erkrankungsfälle in England und Wales von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit Beginn der Norovirus-Saison im Herbst bis Dezember 2012 wurden dort rund 3500 Erkrankungsfälle registriert. Die britische Behörde geht davon aus, dass auf jeden bestätigten Erkrankungsfall etwa 300 nicht gemeldete Fälle kommen.

„Erste wissenschaftliche Untersuchungen zeigten, dass die neue Variante des Virus, „Sydney 2012“, die erhöhten Erkrankungszahlen in vielen Ländern verursacht“, so Privatdozent Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. In den USA wurde „Sydney 2012“ bereits bei 52 Prozent der bestätigten Ausbrüche nachgewiesen. Noroviren kommen in sechs Genotypen, also unterschiedlichen genetischen Versionen, vor. „Etwa alle zwei bis drei Jahre taucht eine neue Variante eines dieser sechs Genotypen auf – bei „Sydney 2012“ handelt es sich um eine Variante des Genotyps II.4. Wegen der fehlenden Immunität der Bevölkerung gegen diese neue Varianten kommt es dann oft zu höheren Fallzahlen und schwereren Verläufen“, so Infektiologe Jelinek.

Noroviren sind weltweit eine der Hauptursachen für akute Magen-Darm-Infekte. Ausbrüche treten ganzjährig auf, mit einer Häufung in den Wintermonaten (auf der Nordhalbkugel zwischen Oktober und April). Die Erkrankung geht mit Durchfall, Übelkeit und Erbrechen einher und klingt meist nach wenigen Tagen von selbst ab.

Die Erreger sind hochansteckend. Schon eine geringe Menge reicht aus, um zu erkranken. „Noroviren werden durch direkten Kontakt, durch Tröpfchen in der Luft oder kontaminierte Oberflächen übertragen“, so Jelinek. „Die beste Methode, sich vor einer Infektion zu schützen ist deshalb häufiges, sorgfältiges Händewaschen.“ Zusätzlich kann eine regelmäßige Desinfektion von Händen und Flächen sinnvoll sein. Besonders gefährdet sind Menschen, die auf begrenztem Raum zusammentreffen – etwa auf Kreuzfahrtschiffen, in großen Hotels oder bei Gruppenreisen.
 

10.01.2013

Mehr zu den Themen:

Verwandte Artikel

Photo

News • DGHM-Jahrestagung

Infektionsmedizin: Neue Möglichkeiten, neue Herausforderungen

KI, Antibiotika-Resistenzen, neue Diagnostik: Die Infektionsmedizin befindet sich im Wandel. Welche Antworten die Forschung darauf findet, diskutierten über 600 Experten auf der DGHM-Jahrestagung.

Photo

News • MEDICA Infection Control Forum

Neues Forum rückt Infektionsprävention in den Fokus

Die MEDICA 2026 widmet Themen rund um Infektionsprävention und Krankenhaushygiene erstmals ein eigenes Bühnenformat. Diskutiert werden etwa die Auswirkungen des Fachkräftemangels und neue Technik.

Photo

News • Massenspektrometrie für die Ukraine

Moderne Infektionsdiagnostik für die „Überlebensfabrik“

Eine Delegation aus der Ukraine sammelte am Universitätsklinikum Münster Know-How im Umgang mit Massenspektrometrie zur schnellen Erkennung von Krankheitserregern.

Newsletter abonnieren