radiographer sitting on radiology workstation
Vom 'virtuellen Cockpit' aus können erfahrene MTRAs ihre Kollegen aus der Ferne bei Untersuchungen unterstützen.

Bildquelle: Siemens Healthineers

KI, Automatisierung, virtuelle Helfer

MTRA der Zukunft: voll vernetzt und mit KI-Verstärkung

Die Radiologie entwickelt sich mit großen Schritten weiter, das bekommen natürlich auch MTRAs zu spüren: Insbesondere künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung sind im Begriff, das Berufsbild der RadiologieassistentInnen nachhaltig umzukrempeln, berichtet Anton S. Quinsten.

Report: Wolfgang Behrends

Der leitende MTRA im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen wirft auf dem Radiologiekongress Ruhr einen Blick in die Zukunft des MTRA-Berufs und stellt einige Pilotprojekte vor, mit denen das Klinikum seine Mitarbeiter auf diese Zukunft vorbereitet.

Hilfestellung aus dem Cockpit

Wir müssen auf neue Technologien zurückgreifen, um dem herrschenden Fachkräftemangel entgegenzugehen und eine gute Patientenversorgung zu gewährleisten

Anton S. Quinsten

Eine der größten Herausforderungen in der Radiologie ist die steigende Zahl radiologischer Untersuchungen bei gleichzeitig immer weniger Fachpersonal, um diese durchzuführe. Das Universitätsklinikum Essen verfolgt mehrere Ansätze, diesem Problem mithilfe neuer Technik beizukommen. So haben die MTRAs in den vergangenen zwei Jahren ein neues System von Siemens Healthineers auf Herz und Nieren getestet – das syngo Virtual Cockpit. „Diese Software ermöglicht es uns, Kollegen aus der Ferne an den jeweiligen Modalitäten zu unterstützen und sogar selbst Untersuchungen durchzuführen“, erklärt Quinsten. Die sogenannte Remote Assistance können sich beispielsweise weniger erfahrene RadiologieassistentInnen zunutze machen, indem sie Hilfe bei versierten Kollegen anfordern. In Essen wurde für das neue System ein besonderer Raum eingerichtet – ein Cockpit, von dem aus sich Spezialisten jederzeit mit sämtlichen bildgebenden Modalitäten verbinden können.

Quinsten ist überzeugt, dass diese Technik in Zukunft noch viel mehr leisten kann: „Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten manche Vorgänge vollautomatisiert ablaufen – mit dem MTRA als Kontrollinstanz, der die Qualität überprüft und dann die Freigabe erteilt.“ Dazu zählt die Planung von Untersuchungen oder das individuelle Einstellen der CT- und MRT-Protokolle auf den Patienten. „Die KI erkennt beispielsweise, ob ein Patient adipös ist, ob es sich um ein Kind oder einen Erwachsenen handelt, und passt die Parameter für die Untersuchung automatisch an.“ Dadurch kann eine höhere Bildqualität bei weniger Strahlenbelastung erreicht werden. Zudem verringert sich der Arbeitsaufwand für die RadiologieassistentInnen: „Auf diese Weise kann ein MTRA für mehrere Geräte zuständig sein.“

Der MTRA entwickelt sich weiter zum RIT

portrait of anton quinsten
Anton S. Quinsten ist leitender MTRA im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen

In einer Zeit, in der viele Kliniken händeringend nach Fachkräften suchen, ist eine solche MTRA-Entlastung von unschätzbarem Wert. „Wir müssen auf neue Technologien zurückgreifen, um dem herrschenden Fachkräftemangel etwas entgegenzusetzen und eine gute Patientenversorgung zu gewährleisten. Dabei sind auch wir MTRAs gefordert, uns diesen neuen Gegebenheiten anzupassen. Fort- und Weiterbildungen im Bereich der Informationstechnologie sind dabei von zentraler Bedeutung.“

Mit der frisch angeeigneten IT-Expertise können MTRAs die vorhandenen KI-Systeme aktiv unterstützen, indem sie etwa die Algorithmen zur radiologischen Befundung mit den passenden Daten versorgen. Auch die Validierung der generierten Ergebnisse könnte zukünftig zu den Aufgaben der MTRAs zählen, prognostiziert Quinsten. Eine Gefahr für seinen Berufsstand sieht er daher nicht: „Als seinerzeit die Radiologie auf digitale Formate umstieg, erklärten viele den MTRA-Beruf für tot, ebenso bei der Einführung automatisierter MRT-Scans. Ähnlich verhält es sich mit der neuen KI-Technik: Unser Berufsbild wird sich ändern, aber aussterben werden wir deshalb sicher nicht.“

Der Wandel des Berufsbilds spiegelt sich nicht zuletzt in einer neuen Bezeichnung wider: Am Universitätsklinikum Essen erfolgt zurzeit die Weiterbildung einiger MTRAs zu Radiologischen Informationstechnologen (RIT). Diese sollen KI-Projekte am Klinikum betreuen und langfristig die Einbindung in das übergreifende „Smart Hospital“-Konzept begleiten, blickt Quinsten in die Zukunft.

Profil:
Anton S. Quinsten ist leitender MTRA im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie am Universitätsklinikum Essen. Seine Ausbildung absolvierte er 2004 in Bochum, seit 2012 ist er kooptiertes Vorstandsmitglied der Vereinigung der Medizinisch-Technischen Berufe in der Deutschen Röntgengesellschaft (VMTB). Quinsten ist Gründer und Mitglied der Radiology Informatics Technologist Gruppe (RIT-Group) und darüber hinaus national und international als Berater, Referent und Applikationsspezialist für Magnetresonanztomographie unterwegs.

Veranstaltungshinweis:
Freitag, 08. November 2019, 14:00-15:00 Uhr
Raum: Silber-Saal
MTRA 5: Arbeitsplatz der Zukunft (Vorstellen von SVC)
Anton Quinsten, Maximilian Dederichs (Essen)

07.11.2019

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