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News • Intensiv- und Notfallmedizin
Mobiles ECMO: Wenn die Herz-Lungen-Maschine zum Patienten kommen muss
Am Herzzentrum Leipzig sind zehn ECMO-Geräte, sogenannte Herz-Lungen-Maschinen, im Einsatz. Diese Medizingeräte werden vordergründig in hochspezialisierten Zentren vorgehalten.
Was nur wenige Kliniken wissen: Sie können vom Herzzentrum Leipzig auch mobil zu anderen Kliniken transportiert werden. Gemeinsam mit einem erfahrenen Mediziner und Kardiotechniker kommt das Gerät via Rettungstransport zur hilfesuchenden, weniger spezialisierten Klinik. Vor Ort können Patientinnen und Patienten gerettet werden, bei denen alle anderen lebensrettenden Verfahren bereits ausgeschöpft wurden.
Es ist eine absolute Notsituation, in der schnelles Handeln über Leben und Tod entscheidet. Wenn alle vorhandenen medizinischen Maßnahmen der Herz- und Kreislaufmedizin ausgeschöpft sind, ist die ECMO-Behandlung die letzte lebenserhaltende Therapieoption. Das sogenannte ECMO-Gerät (Extrakorporale Membranoxygenierung) ist eine hochspezialisierte miniaturisierte Herz-Lungen-Maschine, die bei akutem Herz- oder Lungenversagen vorübergehend den Körper mit Sauerstoff versorgt und die Pumpfunktion des Herzens übernimmt. Diese hochspezialisierten Geräte sind aber vordergründig an Herzzentren im Einsatz.
Ein Gerät und ein Rucksack mit allen notwendigen Instrumenten für alle Komplexitäten ist immer gepackt
Hans-Martin Vincenz
Die ECMO-Therapie erfordert idealerweise sowohl einen erfahrenen Herz- und Intensivmediziner als auch die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Kardiotechniker. Im Jahr 2025 konnten am Herzzentrum Leipzig rund 200 Patientinnen und Patienten mit einer ECMO-Therapie versorgt werden. Kleinere und zumeist ländlicher gelegene Kliniken sind daher auf die Unterstützung von Fachkliniken angewiesen – insbesondere, wenn die Notfallpatienten nicht mehr transportfähig sind. Miniaturisierte, hochmoderne Geräte ermöglichen dann einen besonders schonenden und sicheren Transport dieser vulnerablen Patientengruppe.
„Wenn die Alarmierung bei uns eingeht, organisieren wir sofort ein Team aus einem Kardiotechniker, einem erfahrenen Kardiologen oder Herzchirurgen und kümmern uns zusammen mit den zuweisenden Kliniken und Partnern um einen schnellstmöglichen Transport zum Patienten. Ein Gerät und ein Rucksack mit allen notwendigen Instrumenten für alle Komplexitäten ist immer gepackt“, schildert Hans-Martin Vincenz, Leiter Perfusiologie und Technische Medizin sowie ausgebildeter Kardiotechniker am Herzzentrum Leipzig. „Die Patientinnen oder Patienten, die wir vorfinden sind in der Regel in einem äußerst kritischen intensivmedizinischen Zustand, der fortlaufend zur Stabilisierung von Blutdruck und Blutversorgung das Verabreichen kreislaufwirksamer Medikamente erfordert oder werden sogar nur noch mittels Wiederbelebungsmaßnahmen am Leben gehalten. Die Betroffenen sind dann bereits intubiert, nicht mehr ansprechbar und nicht transportfähig. Die ECMO muss daher zum Patienten gebracht werden. Für eine Rettung zählt jetzt jede Minute. Daher brauchen wir einen schnellstmöglichen Transport dorthin – je nach Verfügbarkeit und Strecke entweder bodengebunden oder mit einem Hubschrauber“, ergänzt Dr. Dimitry Sulimov, Oberarzt an der Universitätsklinik für Kardiologie und Leiter des Herzkatheterlabors am Herzzentrum Leipzig.
Vor Ort sorgt der Mediziner zunächst für die Implantation der Herz-Lungen-Maschine. Dies geschieht über einen Katheter in der Leiste mit jeweils zwei Zugängen. Das venöse sauerstoffarme Blut wird mithilfe einer Zentrifuge abgesaugt, außerhalb des Körpers im Oxygenator mit Sauerstoff angereichert und anschließend über einen arteriellen Zugang beschleunigt zurück in den Körper gepumpt. Damit übernimmt das Gerät vorübergehend die Herz- und Lungenfunktion der Patient:innen und erhält sie am Leben. Sobald die ECMO erfolgreich implantiert und der Zustand der Patienten stabilisiert wurde, können sie gemeinsam mit den Einsatzkräften und mobilen Experten vom Herzzentrum nach Leipzig gebracht werden. Erst durch den Einsatz der ECMO können die Patienten wieder transportfähig gemacht werden. Die Weiterverlegung erfolgt dann unter laufender ECMO-Therapie. Am Herzzentrum Leipzig erhalten die Patienten anschließend die weiterführende Diagnostik oder Operation, die sie benötigen.

Bildquelle: Helios Gesundheit
Eine rechtzeitige Entscheidung ist in der Notsituation sehr wichtig. Nur durch das frühzeitige Hinzuziehen eines spezialisierten ECMO-Teams kann die Versorgung rechtzeitig eingeleitet und der Transport optimal vorbereitet werden. Die enge Zusammenarbeit aller beteiligten Fachdisziplinen sowie die schnelle Bereitschaft sind entscheidend für den Erfolg dieses komplexen Einsatzes. „Natürlich können wir keine 100%ige Garantie geben, dass wir jederzeit verfügbar sind. Aber wir prüfen binnen kürzester Zeit nach Alarmierung die Verfügbarkeiten der Technik, des Personals und des Transports und sind fast immer einsatzbereit. So konnten wir in den letzten Monaten insgesamt in sieben Fällen die mobile ECMO ermöglichen“, so Dr. Sulimov. Eine Kooperation mit der Feuerwehr Leipzig unterstützt die Organisation der ECMO-Transporte des Herzzentrums Leipzig.
Kardiotechniker sind hochspeziell ausgebildete Fachkräfte. Sie sind für den Aufbau der Geräte im OP zuständig und steuern die Herz-Lungen-Maschine. Während der Operation überwachsen sie die Geräte und sorgen dafür, dass alle Organe ausreichend durchblutet sind. Die Zertifizierung zum ECCP, European Board of Cardiovascular Perfusion, erteilt zusätzlich die Ermächtigung in Herzzentren in Europa tätig zu sein. Am Herzzentrum sind aktuell insgesamt zwanzig Kardiotechniker im Einsatz. Zusätzlich werden zwei weitere Kollegen im dualen Studium ausgebildet. Das Herzzentrum Leipzig hat damit die drittgrößte Abteilung für Kardiotechnik in Deutschland.
Quelle: Helios Gesundheit
02.07.2026



