Medikamente in der Radiologie: Wer braucht wie viel wovon?

Pharmakologisches Wissen gehört bekanntermaßen nicht zu den traditionellen Schwerpunkten der Radiologie. Dennoch gibt es – neben der Gabe von Kontrastmitteln – Szenarien, in denen das Wissen über den Umgang mit bestimmten Medikamenten unumgänglich ist. Da diese Szenarien keine Ausnahme bilden und in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden, widmete sich Prof. Dr. Christoph Bremer, Leiter der Klinik für Radiologie am Sankt Franziskus Hospital in Münster, in seinem praxisnahen Vortrag sowohl den Alltäglichkeiten als auch den Besonderheiten der richtigen Medikation in der Radiologie.

Prof. Dr. Christoph Bremer
Prof. Dr. Christoph Bremer

RRR: Prof. Bremer, welches sind die klassischen Bereiche, in denen Medikamente zum Einsatz kommen und was gilt es hier zu beachten?


Christoph Bremer: Das Spektrum ist relativ breit gefächert und reicht von der Schmerztherapie und Anxiolyse bis hin zu Lokalanästhesie und Bildverbesserung durch Medikation. Ein weiteres Feld ist das Follow-up von Pateinten bei Gefäßinterventionen, also die Antikoagulation oder eine Antibiotika-Therapie. Für all diese Szenarien sollte ein grobes Wissens-Gerüst vorhanden sein, um einerseits zu wissen, was angewendet darf, welche Monitoring-Verfahren daran geknüpft sind und wo die Grenzen für das eigene Fach verlaufen. Wenn es beispielsweise um dedizierte Reanimationsmaßnahmen geht, wird sicherlich die Grenze zu einem anderem Fachgebiet überschritten. Gleiches gilt für spezifische Antibiose und für den kompletten Bereich der Chemoablation. Hier sollte in jedem Falle eine Abstimmung mit dem klinischen Partner erfolgen.
Den wichtigsten Part nehmen jedoch nach wie vor die Kontrastmittel ein. Was uns sicherlich tagtäglich beschäftigt ist die Nephrotoxizität von jodhaltigen Kontrastmitteln bei Patienten mit reduzierter Nierenfunktion. Hier geht es darum, welche Maßnahmen uns zur Verfügung stehen, um eine Schädigung möglichst gering zu halten und wann über Alternativverfahren nachgedacht werden sollte.


RRR: Wo treten im Alltag die meisten Unsicherheiten auf?


Christoph Bremer: Die Kontrastmittelfrage ist in der Praxis sicherlich die am häufigsten gestellte. Auch im Bereich der MRT, wo oftmals Unsicherheit darüber besteht, ob ein Kontrastmittel verabreicht werden darf und wenn ja, in welcher Dosis. Bei interventionellen Eingriffen und der damit verbundenen Gabe von Barbituraten mangelt es nicht selten an der Kenntnis über ein ausreichendes Monitoring des Patienten, beispielsweise der Notwendigkeit eines Pulsoximeters zur Überwachung von Sättigungsabfällen.


RRR: Welche neuen Trends zeichnen sich ab und wofür müssen sich MTRA´s in Zukunft rüsten?


Christoph Bremer: Zum einen wird der Bereich der interventionellen Onkologie an Bedeutung gewinnen. Hier drängen viele neue Präparate und Möglichkeiten auf den Markt. Wir werden künftig einen bunten Strauß an Therapieoptionen präsentiert bekommen, die es gilt, im Auge zu behalten.
Eine weitere Herausforderung, der sich auch MTRA´s zunehmend stellen müssen, ist der demographische Wandel. Denn die Untersuchung älterer, multi-morbider Patienten stellt häufig eine große Herausforderung dar und Komplikationen wie etwa Kontrastmittel-induzierte Nephropathien werden zunehmend präsenter. Künftig gilt es also, den Patienten noch genauer einzuschätzen, um mögliche Risiken zu erkennen und Komplikationen zu vermeiden.


RRR: Prof. Bremer, wir danken für das Gespräch.
 

30.10.2010

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