Mammographie-Screening ist auch eine Frage der Organisation

Die meisten europäischen Länder verfügen über ein straff organisiertes Programm zur Brustkrebsfrüherkennung. In Deutschland ist das zentral gesteuerte Screening-Programm seit 2009 flächendeckend etabliert. Österreich zeichnet sich hingegen durch regional organisierte Modelle der Brustkrebsfrüherkennung aus. Prof. Dr. Wolfgang Buchberger von der Direktion der Tiroler Landeskrankenanstalten (TILAK) in Innsbruck und PD Dr. Ute Kettritz vom Mammographie Referenzzentrum Berlin stellte den aktuellen Stand zu den Screening-Programmen in Österreich und Deutschland vor.

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Professor Buchberger stellte zunächst die Statistik für Österreich vor: Demnach werden pro Jahr rund 4.600 Mammakarzinome neu diagnostiziert. Die Mortalitätsrate sinkt seit dem Jahr 1990 kontinuierlich und verzeichnet heute den höchsten Rückgang innerhalb der EU. Im Rahmen eines „opportunistischen Screenings“ ist die Mammographie für alle sozialversicherte Frauen zugänglich. Und so werden rund 840.000 Mammographien bei Frauen im Alter von 40 bis 70 Jahren werden pro Jahr durchgeführt, die meisten davon im niedergelassenen Bereich. Etwa 40 Prozent der Zielgruppe aber nimmt das Angebot nicht gar wahr, erläuterter Buchberger. Die Zahl der Teilnehmerinnen variiert deutlich je nach Alter, Region und sozialem Status. Eine gute Akzeptanz hat das Programm jedoch bei den unter 50-Jährigen. Diese nehmen zu 40 bis 50 Prozent das Angebot wahr, während dies bei den höheren Altersgruppen deutlich seltener der Fall ist.
Eine Vorreiterrolle hat das Bundesland Tirol. Seit 1988 wird dort für die Brustkrebsvorsorge geworben, seit 1986 wird ein Krebsregister geführt, erläuterte Buchberger. 2007 nun hat die Bundesgesundheitskommission fünf regionale Pilotprojekte in Wien, Burgenland, Salzburg, Tirol und Vorarlberg ausgewählt, die sich in ihrem Programm und in ihrer Organisationsstruktur unterscheiden. So umfasst die Screeningpopulation zum Teil nur einige tausend Frauen, in Tirol und Salzburg jedoch die gesamte weibliche Bevölkerung in der Zielgruppe. Strukturierte Ergebnisberichte nach EU-Leitlinien liegen nur vom Tiroler Projekt vor. Eine weitere Besonderheit von Tirol: In diesem Bundesland wird bei Frauen mit einem dichten Brustgewebe (ACR 3/ 4) zusätzlich eine Sonographie vorgenommen.
Respektable Ergebnisse – und dennoch lassen sich die Zahlen nicht einfach mit den Statistiken aus Deutschland vergleichen. In Österreich leben gut 4 Millionen Frauen, in Deutschland rund 42 Millionen - und allein die Zahl der deutschen Frauen, die zur Zielgruppe des Screening-Programms gehören, liegt bei 10 Millionen. Und nicht nur das: Das Screening-Programm ist in Deutschland seit 2009 flächendeckend organisiert. Die Steuerung liegt bei der Kooperationsgemeinschaft Mammographie, die Umsetzung erfolgt über fünf regionale Referenzzentren und 94 Screening-Einheiten, die für jeweils rund 120.000 Anspruchsberechtigte zuständig sind. Mindestens zwei Fachärztinnen oder Fachärzten begutachten jede Aufnahme, als Nachweis ihrer Qualifikation müssen sie unter anderem pro Jahr Bilder von wenigstens 5.000 Frauen auswerten. Im Falle eines Verdachtes werden die Ergebnisse der Untersuchung und das weitere Vorgehen von den beteiligten Ärztinnen und Ärzten gemeinsam in Konferenzen besprochen. „Zu 95 Prozent aber sind die untersuchten Frauen gesund, bei sieben von tausend Frauen werden Karzinome entdeckt“, sagte PD Dr. Ute Kettritz vom Referenzzentrum Mammographie Berlin beim Röntgenkongress. Kettritz hat den Prozess der Einführung von Beginn an begleitet. In ihrem Beitrag betont sie, dass sich die Akteure beim Aufbau des Mammographie-Screeningprogramm „weitgehend an den Europäischen Richtlinien“ orientiert haben. Inzwischen sei, so Kettritz, eine Flächendeckung erreicht, so dass ein großer Teil der anspruchsberechtigten Frauen in der Altersgruppe 50 bis 69 Jahre bereits zum wiederholten Mal eingeladen und untersucht wurde. Ein Hürde wurde bislang nicht genommen: Laut Evaluationsbericht für die Jahre 2005 bis 2007 liegt die Teilnahmequote bei etwa 54 Prozent und somit deutlich unter den 70 Prozent, die innerhalb der EU empfohlen wird.
Autorin: Susanne Werner
 

04.06.2011

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