
© Constanze Tillmann/ Messe Düsseldorf
News • Programmvorschau LABMED FORUM
Labormedizin auf der MEDICA 2026: Wie Diagnostik die Versorgung von morgen verändert
MEDICA LABMED FORUM 2026 verbindet Fachkräftesicherung, KI, Präzisionsdiagnostik und Labor 4.0 mit konkreten Versorgungsfragen
Die MEDICA hat ihre Wurzeln in der Diagnostik. 1969 startete sie als „Diagnostikwoche“. Unverändert gehört die Labormedizin zu ihrer thematischen DNA. Als medizinische Querschnittsdisziplin liefert sie wichtige Entscheidungsgrundlagen für zahlreiche Fachgebiete und spielt eine zentrale Rolle für Prävention, Diagnostik, Therapiewahl und Verlaufskontrolle. Genau diese Bedeutung und die dynamische Weiterentwicklung des Fachs greift das MEDICA LABMED FORUM im Rahmen der MEDICA 2026 vom 16. bis 19. November inmitten des Messegeschehens (in Halle 1) auf. Unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Holdenrieder vom Deutschen Herzzentrum München der Technischen Universität München verbindet das Forum aktuelle wissenschaftliche Entwicklungen mit konkreten Fragen der Versorgungspraxis – vom Fachkräftemangel über Robotik und Künstliche Intelligenz bis hin zu Präzisionsdiagnostik und Health Resilience.
Damit steht das Forum exemplarisch für den Transformationsprozess der MEDICA: Entscheidend ist nicht die Technologie allein, sondern wie sie in bestehende Versorgungsstrukturen integriert wird, medizinisches Personal unterstützt, Entscheidungen verbessert und letztlich Patientinnen und Patienten zugutekommt.
Die Labormedizin steht an einer Zeitenwende: vom zentralen Großlabor, das weitgehend ohne Patientenkontakt im Hintergrund arbeitet, hin zu einem vernetzten, zunehmend dezentralen und KI-gestützten Diagnostiksystem
Stefan Holdenrieder
„An der Labormedizin lässt sich verdeutlichen, was wir mit der neuen MEDICA erreichen wollen: Wir bringen wissenschaftliche Erkenntnisse, technologische Innovationen und die konkrete Anwendung zusammen. Entscheidend ist nicht allein, was technologisch möglich ist. Wir wollen zeigen, wie Innovation in Versorgungsprozesse integriert werden kann, medizinisches Personal unterstützt und letztlich einen konkreten Mehrwert für Patientinnen und Patienten schafft“, betont Carmen Berger, Verantwortliche der Messe Düsseldorf für die MEDICA und die parallele Zuliefererplattform COMPAMED.
Prof. Dr. Stefan Holdenrieder beschreibt die Transformation der Labormedizin aus fachlicher Perspektive: „Die Labormedizin steht an einer Zeitenwende: vom zentralen Großlabor, das weitgehend ohne Patientenkontakt im Hintergrund arbeitet, hin zu einem vernetzten, zunehmend dezentralen und KI-gestützten Diagnostiksystem, das Gesunde und Kranke viel unmittelbarer begleitet, als dies jemals der Fall war. Das MEDICA LABMED FORUM 2026 zeigt, wie dieser Wandel schon heute in Forschung und Praxis Gestalt annimmt.“

© Constanze Tillmann/ Messe Düsseldorf
Kurze Vorträge, Podiumsdiskussionen und Fallbeispiele schaffen eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft, Industrie und Anwendung. An allen vier Messetagen stehen jeweils zwei Sessions auf dem Programm. Inhaltlich reicht das Spektrum von Fachkräftesicherung und Probenlogistik über Labor 4.0, Robotik und Künstliche Intelligenz bis zu Präzisionsdiagnostik, neuen Karrierewegen und resilienten Gesundheitssystemen.
Zum Auftakt am 16. November rückt Prof. Dr. Thomas Streichert von der Universität Köln Strategien gegen den Fachkräftemangel in den Mittelpunkt. Diskutiert werden Ansätze von der Nachwuchsgewinnung bis zur Automatisierung manueller Prozesse. Im Fokus steht dabei die Frage, wie Technologie Fachpersonal gezielt entlasten und Ressourcen für anspruchsvolle medizinische Aufgaben freisetzen kann.
In ein bis zwei Jahrzehnten wird das Labor, wie wir es heute kennen, kaum wiederzuerkennen sein
Georg Hoffmann
Am Nachmittag geht es unter dem Titel „The Sky Is the Limit“ um neue Wege des Probentransports. Mit zunehmender Zentralisierung müssen Proben über größere Distanzen transportiert werden. Drohnen und autonome Roboter könnten künftig dazu beitragen, Logistikprozesse effizienter und verlässlicher zu gestalten und damit auch die Qualität diagnostischer Abläufe zu sichern.
Der zweite Messetag widmet sich dem Labor der Zukunft. Prof. Dr. Stefan Holdenrieder greift Robotik und Künstliche Intelligenz mit Blick auf den Laboralltag auf. Gerade im Nacht- und Wochenenddienst können automatisierte Systeme perspektivisch Routineaufgaben übernehmen und Fachpersonal entlasten.
Auch Künstliche Intelligenz kann Laborabläufe unterstützen, komplexe Befundkonstellationen schneller auswerten und medizinische Entscheidungen auf eine breitere Datenbasis stellen. Neue Entwicklungen in Genomik und Epigenomik zeigen zugleich, wie sich Diagnostik in Richtung einer früheren und präziseren Erkennung von Erkrankungen entwickelt.
Prof. Martin Widschwendter von der Universität Innsbruck berichtet über ein Krebsfrüherkennungsprogramm auf Basis epigenetischer Veränderungen zellfreier DNA im Blutplasma und dessen Implementierung in Großbritannien sowie die geplante Ausweitung nach Australien.
Die Nachmittagssession „Make Data Relevant“ richtet den Blick auf Labor 4.0. Diskutiert wird, wie dezentrale Diagnostik, Lab-on-a-Chip-Systeme, standardisierte Laborwerte und KI künftig zusammenspielen können – und wie diagnostische Informationen schneller dort verfügbar werden, wo sie für medizinische Entscheidungen benötigt werden.
Keynote-Speaker Prof. Dr. Georg Hoffmann bringt diese Entwicklung auf den Punkt: „In ein bis zwei Jahrzehnten wird das Labor, wie wir es heute kennen, kaum wiederzuerkennen sein. Zentrale Laborstraßen, aufwendige Probentransporte und tagelange Wartezeiten auf Befunde werden vielerorts durch dezentrale, KI-gestützte Systeme abgelöst, die Diagnostik dorthin bringen, wo sie gebraucht wird – ans Krankenbett, in die Arztpraxis, und vielfach sogar nach Hause. Wer heute in Labor 4.0 investiert, gestaltet schon jetzt die Medizin von übermorgen.“
Am 18. November steht die Präzisionsdiagnostik im Fokus. Prof. Dr. Verena Haselmann vom UKE Hamburg beleuchtet neue Biomarker-Technologien und ihren Weg von der Forschung zur Therapieentscheidung.
Ein Schwerpunkt liegt auf sogenannten Liquid Biopsies. Dabei werden molekulare Veränderungen über zellfreie Tumor-DNA im Blutplasma erfasst. Solche Verfahren können dazu beitragen, Veränderungen im Krankheitsverlauf früher zu erkennen und Therapien bei Krebserkrankungen präziser an die individuelle Situation von Patientinnen und Patienten anzupassen.
Am Nachmittag richtet sich das Forum stärker an den medizinischen Nachwuchs. Unter dem Titel „Careers in Laboratory Medicine: Skills – Flexibility – Future“ werden Karrierewege in Klinik, Forschung, Qualitätssicherung, Selbstständigkeit und Diagnostikaindustrie vorgestellt. Damit greift das Forum zugleich die Frage auf, wie die Labormedizin künftig genügend qualifizierte Fachkräfte gewinnen und langfristig binden kann.
Am letzten Messetag weitet das MEDICA LABMED FORUM den Blick bewusst über die einzelne Diagnose hinaus. Dr. Kai Prager vom VDGH Berlin und der DiaSys GmbH sowie Brigitte Pfeiff von PFEIFF Science + Healthcare Communications greifen das Thema Health Resilience aus zwei Perspektiven auf: Wie können Präzisionsmedizin und Diagnostik dazu beitragen, Gesundheit möglichst lange zu erhalten? Und wie müssen Gesundheitssysteme aufgestellt sein, damit sie auch unter veränderten oder schwierigen Rahmenbedingungen leistungsfähig bleiben?
Damit verbindet das Forum individuelle mit systemischer Resilienz. Moderne Diagnostik kann Erkrankungen früher erkennen und präzisere Therapieentscheidungen ermöglichen. Gleichzeitig können Automatisierung, dezentrale Diagnostik, digitale Vernetzung und effizientere Prozesse dazu beitragen, Versorgungsstrukturen angesichts von Fachkräftemangel, Krisen oder anderen Belastungen widerstandsfähiger zu machen.
Prof. Dr. Johnny Kim, Sprecher des Innovationsnetzwerks Cluster4Future curATime, zeigt am Beispiel mRNA-basierter regenerativer Therapien für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie aus Forschungsergebnissen über die Entwicklungen der Industrie am Ende eine Behandlung für Patientinnen und Patienten resultiert.
Die abschließende Session unterzieht genau diese Abfolge noch einmal einem kritischen Blick: Welche Hürden verhindern noch, dass neue Technologien im Versorgungsalltag ankommen? Welche Voraussetzungen braucht ihre Implementierung? Und welche Beispiele zeigen bereits heute, dass Innovation erfolgreich in Versorgung übersetzt werden kann? Das sind Fragestellungen, auf die näher eingegangen wird.
Damit schließt sich der Kreis zur strategischen Weiterentwicklung der MEDICA: von wissenschaftlicher Erkenntnis über technologische Innovation und Integration bis zum konkreten Nutzen für Menschen und Gesundheitssysteme.
Quelle: Messe Düsseldorf
28.09.2026



