Ezrin-Pol einer Melanomzelle
Menschliche Melanomzelle mit „Nase“: Der Ezrin-Pol (rechts, orange) hilft der Zelle bei der Anheftung an die Gefäßwandzellen.
Quelle: Heikenwälder/DKFZ

Zirkulierende Tumorzellen

Krebszellen mit "Nase" begünstigen Metastasen

Nicht allein die Anzahl der wandernden Krebszellen entscheidet über das Metastasierungsrisiko, sondern vor allem ihre Eigenschaften, wie Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums jetzt veröffentlichen. Sie haben erstmals beobachtet: Damit im Blut zirkulierende Krebszellen an einer anderen Stelle im Körper wieder ins Gewebe eindringen und sich dort ansiedeln können, müssen sie eine spezielle Polarität aufweisen – eine "Nase", die unter dem Mikroskop sichtbar wird.

Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen von einem Tumor ablösen, und über die Lymphflüssigkeit und den Blutkreislauf auf Wanderschaft gehen, um sich schließlich an anderer Stelle im Körper wieder anzusiedeln. Doch nicht allein die Zahl der zirkulierenden Krebszellen im Körper entscheidet über das Risiko eines Patienten, Metastasen zu bekommen. „Es gibt Patienten mit einer hohen Anzahl an zirkulierenden Tumorzellen, die keine oder nur wenige Metastasen haben, und umgekehrt Patienten, bei denen sich kaum wandernde Tumorzellen finden lassen, die jedoch unter vielen Metastasen leiden", erklärt Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Das Team um Heikenwälder hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Eigenschaften der wandernden Krebszellen genauer unter die Lupe zu nehmen. In menschlichen Tumorzellen ebenso wie bei Patienten, die an unterschiedlichen Krebsarten litten, aber auch bei Mäusen beobachteten sie, dass ein Teil der zirkulierenden Tumorzellen eine bestimmte Polarität aufweist. „Das sieht unter dem Mikroskop aus, als ob die Zellen eine Art Nase hätten", beschreibt Heikenwälder. An der Ausbildung dieser Nase sind unter anderem zwei Moleküle des Zytoskeletts namens Ezrin und Merlin entscheidend beteiligt. Die Wissenschaftler erkannten darüber hinaus: Sowohl bei menschlichen Tumorzelllinien als auch bei Mäusen korreliert die Zahl der frei zirkulierenden Tumorzellen, die diese spezielle Polarität aufweisen, mit dem Risiko Metastasen zu entwickeln.

Metastasierungsrisiko vermindern

Wir haben einen Zusammenhang gefunden, der sich möglicherweise künftig dazu nutzen lässt, das Metastasierungsrisiko bei Krebspatienten nicht nur besser vorherzusagen, sondern auch zu vermindern.

Mathias Heikenwälder

„Diese Polarität scheint dazu beizutragen, dass die in der Blutbahn zirkulierenden Krebszellen aus Blutgefäßen wieder in das Körpergewebe eindringen können", erklärt Anna Lorentzen, Erstautorin der Veröffentlichung. Die Zellen docken mit dem polarisierten Ende, also mit der „Nase" an die Endothelschicht an, die die Gefäße auskleidet. Daraufhin wird der Pol an die der Andockstelle gegenüberliegende Seite geschoben und die Tumorzelle wandert durch die Endothelschicht ins Gewebe. Als Gegenprobe blockierten die Forscher die Polarisierung der zirkulierenden Zellen mit einem zellbiologischen Trick. Die so manipulierten Zellen waren sowohl in der Kulturschale als auch in Mäusen nicht mehr in der Lage, sich effizient an Gefäßwandzellen anzuheften.

Die DKFZ-Forscher haben damit nicht nur einen neuen Mechanismus entdeckt, der die Ausbildung von Metastasen begünstigt. „Wir haben einen Zusammenhang gefunden, der sich möglicherweise künftig dazu nutzen lässt, das Metastasierungsrisiko bei Krebspatienten nicht nur besser vorherzusagen, sondern auch zu vermindern", betont Heikenwälder.


Quelle: DKFZ

09.03.2018

Mehr aktuelle Beiträge lesen

Verwandte Artikel

Photo

Highlights vom ASTRO-Kongress

Fortschritte in der Radioonkologie

Die Fortschritte der Onkologie in den letzten Jahren sind immens. Dazu trägt die moderne Radiotherapie maßgeblich bei. Auf dem größten Kongress für Radioonkologie, der American Societry for…

Photo

Entstehung und Metastasierung

Lungenkrebs: Welche Rolle spielt die Blutgerinnung?

Eine erhöhte Blutgerinnungsneigung begünstigt das Fortschreiten und die Metastasierung von Lungenkrebs. Ob die Blutgerinnung darüber hinaus auch die Entstehung der Tumoren fördert, war bislang…

Photo

Zellulärer Escortservice

Die Rolle von Immunzellen bei der Bildung von Metastasen

Um Metastasen bilden zu können, nutzen Krebszellen einen bestimmten Immunzell-Typ, die sogenannten Neutrophile. Eine Forschungsgruppe aus Basel hat die Mechanismen dieser Zusammenarbeit…

Verwandte Produkte

AB Medical – V-Tube EDTA K2, K3

Blood Cell Counter

AB Medical – V-Tube EDTA K2, K3

AB Medical V-Tube
Analyticon Biotechnologogies – Hemolyzer 3 NG / Hemolyzer 5 NG

Blood Cell Counter

Analyticon Biotechnologogies – Hemolyzer 3 NG / Hemolyzer 5 NG

Analyticon Biotechnologies AG
BD Vacutainer UltraTouch Push Button Blood Collection Set

Blood Collection

BD Vacutainer UltraTouch Push Button Blood Collection Set

BD – Becton Dickinson
Beckman Coulter – DxH 520 Hematology Analyzer

Blood Cell Counter

Beckman Coulter – DxH 520 Hematology Analyzer

Beckman Coulter, Inc.
Beckman Coulter – Early Sepsis Indicator

Blood Cell Counter

Beckman Coulter – Early Sepsis Indicator

Beckman Coulter, Inc.
Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Research Use Only (RUO)

Eppendorf – Mastercycler nexus X2

Eppendorf AG