Kosten von Parkinson nach Land sehr unterschiedlich

Zwischen 5.240 und 19.620 Euro können Parkinson-Patienten jährlich an Kosten verursachen. Das hat eine vom „European Cooperative Network for Research, Diagnosis and Therapy of Parkinson’s Disease” (EuroPa) durchgeführte Studie in sechs europäischen Ländern ergeben. Ziel der Studie war ein umfassender gesundheitsökonomischer Vergleich.

Photo: Kosten von Parkinson nach Land sehr unterschiedlich

Sechs Monate lang verfolgten die Wissenschaftler die gesundheitsökonomischen Kosten von insgesamt 486 Patienten in sechs Ländern (Österreich, Deutschland, Italien, Tschechien, Portugal, Russland). Die Forscher berechneten alle Kosten, die bei der Behandlung und Pflege von Parkinson-Kranken anfallen können. Beispiele dafür sind stationäre Krankenhaus-Aufenthalte, Pflege, Medikamente, aber auch der Wert unbezahlter familiärer Pflege oder die wirtschaftlichen Einbußen, die der Staat aufgrund von kranken Einwohnern hinnehmen muss.

Österreich ist Spitzenreiter
Je nach Land waren die „gesundheitsökonomischen Kosten“ von Parkinson-Erkrankten unterschiedlich hoch. Spitzenreiter ist Österreich mit einer jährlichen Belastung von 19.620 Euro pro Patient/-in, am unteren Ende liegt Russland mit 5.240 Euro Kosten pro Patient/-in und Jahr. Zwischen 47 und 88 Prozent dieser Summen wird von den entsprechenden Krankenversicherungen getragen, für den Rest müssen unter anderem die Erkrankten oder Angehörige selbst aufkommen. Der größte Anteil der Ressourcen fließt in Medikamente und in die häusliche Pflege.

Unterschiede durch Medikamente und Infrastruktur

„Die Behandlung und Pflege von Parkinson-Kranken ist teuer, weil sie sehr aufwändig ist. Aber auch indirekte Kosten, wie Arbeitsausfall oder vorzeitige Rente oder der Wert von häuslicher Pflege sind nicht zu unterschätzen“, sagt Prof. Richard Dodel (Universitätsklinik Marburg). Er hat die Studie gemeinsam mit vierzehn weiteren Kollegen durchgeführt. Den Unterschied der „gesundheitsökonomischen Kosten“ in den einzelnen Ländern erklärt Professor Dodel mit den unterschiedlichen medizinischen Standards: „Die Pflege-Infrastruktur ist in jedem Land unterschiedlich aufgebaut. Außerdem haben wir festgestellt, dass in bestimmten Ländern zum Teil weniger wirksame Medikamente oder Medikamente, die eine höhere Nebenwirkungsrate besitzen, zur Behandlung von Parkinson verschrieben werden, da sie weniger Kosten verursachen.“ Langfristig rechne sich das Einsparen bei Medikamenten allerdings nicht: „Denn bei diesen Patient/-innen können früher Komplikationen auftreten, was wiederum zu erhöhten Betreuungskosten führt“, fasst Prof. Dodel die gesundheitsökonomischen Konsequenzen zusammen.

Gesundheitsökonomische Kosten von Parkinson-Kranken im Jahr

Land Kosten pro Patient/-in im Jahr
Österreich 19.620 Euro
Deutschland 17.220 Euro
Italien 16.680 Euro
Tschechien 11.020 Euro
Portugal 5.860 Euro
Russland 5.240 Euro

Zusammensetzung der Kosten:

Direkte Kosten:
1. Krankenhausaufenthalte & Kosten für Rehabilitation
2. Kosten für Besuche bei niedergelassenen Ärzt/-innen
3. Transport-Kosten
4. Untersuchungen
5. Betreuung durch Pflegepersonal
6. Familiäre Pflege
7. Private Zahlungen durch Patient/-innen

Indirekte Kosten:
8. Arbeitsausfall
9. vorzeitige Rente

Bildquelle: pixelio / ger.hardt

24.06.2010

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