Methoden

Kontrastmittelinjektionen: Vorsicht, aber keine Angst

Kontrastmittel sind für die Bildgebung ein Segen und haben gleichzeitig ihre Tücken. So können CT-Kontrastmittel allergieähnliche Symptome auslösen und MRT-Kontrastmittel für Patienten mit Nephropathie gefährlich werden. Um sie also effizient einzusetzen, müssen mögliche Komplikationen und damit Limitationen berücksichtigt werden. Dies gilt, obwohl das Risiko bei Kontrastmitteln insgesamt geringer scheint, als anfangs angenommen, erläutert Prof. Dr. Michael Uder, Leiter des Radiologischen Instituts des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Prof. Dr. Michael Uder, Leiter des Radiologischen Instituts des...
Prof. Dr. Michael Uder, Leiter des Radiologischen Instituts des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

„Röntgenkontrastmittel können drei Arten von Nebenwirkungen auslösen“, so Uder. „Sie können die Niere schädigen, allergieähnliche Symptome auslösen bzw. eine Hyperthyreose oder thyreotoxische Krise provozieren, weil sie Jod enthalten. Letztere kann die Schilddrüse zur Produktion von Hormonen anregen, ein Effekt, der unerwünscht ist“, erläutert er weiter. Sämtliche Unverträglichkeiten und Allergien, beispielsweise gegen Jod, sollten daher vor einer Untersuchung beim Patienten abgefragt werden.

Keine antikörpervermittelte Allergie

Auf welchem Weg allergieähnliche Symptome ausgelöst werden, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Bisher steht nur fest, dass sie in ihrer Wirkung wie antikörpervermittelte Allergien aussehen. Treten Symptome auf, helfen nur Notfallmedikamente und der Anruf beim Narkosearzt oder dem Notfallteam des Krankenhauses. Bei der nächsten Untersuchung lässt sich dann ein erneuter Versuch mit einem anderen Kontrastmittel starten oder ein alternatives Verfahren wählen, zum Beispiel die MRT. „Eine allgemeine antikörperinduzierte Allergie hat ein Wiederholungsrisiko von 100 Prozent, während das Wiederholungsrisiko allergieähnlicher Symptome, wie sie bei Kontrastmitteln auftreten, glücklicherweise geringer ist und zwischen 5 und 30 Prozent liegt“, klärt Uder auf.

Wichtig für medizinisch-technische Assistenten (österreichisch: RT) ist es zu wissen, dass 96 Prozent aller Kontrastmittelnebenwirkungen grundsätzlich innerhalb der ersten 30 Minuten nach Gabe auftreten. „Daher muss der Patient eine halbe Stunde warten, bevor er nach Hause entlassen wird“, betont Uder. „Wird dies beachtet, ist man weitgehend auf der sicheren Seite.“

Gilt dies für MRT-Kontrastmittel?

„Früher haben wir MRT-Kontrastmittel für extrem gut verträglich gehalten“, so Uder. „Wir haben aber gelernt, dass auch diese Nebenwirkungen auslösen können – die so genannte nephrogene systemische Fibrose (NSF), die zu Bindegewebsbildung führt. Allerdings tritt sie nur bei Patienten auf, die unter einer hochgradigen Nephropathie leiden.

„Diese Patienten kann man im Vorfeld leicht identifizieren, indem wir vor der Untersuchung nach Nierenfunktionsstörungen fragen“, stellt der Radiologe fest. Ist diese nicht hochgradig, sollte dem Patienten allerdings auch nicht unnötigerweise das Kontrastmittel vorenthalten werden. „Wir brauchen Kontrastmittel, um damit bessere Diagnosen zu stellen“, macht Uder sehr deutlich. In der Praxis werde leider das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und viele Patienten erhielten gar kein Kontrastmittel mehr, sobald sie eine Nierenerkrankung vorwiesen. „Einfach weil die Leute Angst haben“, sagt Uder. „Wir brauchen aber dringend gute Diagnosen, die manchmal eben nur mit Kontrastmittel zu erreichen ist.“ Aufklärungsarbeit bei den Patienten, aber auch in den eigenen Reihen, ist also dringend geboten.

Ist das Risiko von Kontrastmitteln bisher überschätzt worden?

Zunächst muss zwischen dem Einsatz von Kontrastmitteln bei MRT und CT differenziert werden. Da bei einer MRT die NSF als Kontrastmittel-induzierte Nebenwirkung nur bei schwer nierengeschädigten Patienten auftritt, sind vergleichsweise wenig Patienten betroffen. „Weltweit wurden ungefähr 700 Situationen mit Nebenwirkungen berichtet bei 125 Millionen Gaben von Kernspin-Kontrastmitteln bis heute“, erläutert Uder. Wichtig ist, die Vorschädigung zu bewerten und den Patienten vor der Untersuchung sorgfältig zu befragen.

Beim Einsatz von CT-Kontrastmitteln sollte zusätzlich auf eine Schilddrüsenüberfunktion geachtet werden. Leidet der Patient an dieser, muss das Kontrastmittel vorsichtig dosiert sein. „Für eine CT-Untersuchung geben wir 100 Milliliter Kontrastmittel. Diese enthalten so viel Jod, wie Sie bräuchten, um 400 Jahre alt zu werden“, verdeutlicht der Radiologe.

Auch bei CT-Untersuchungen ist auf die Nierenfunktion zu achten, denn bei Patienten mit Nierenstörungen kann das Organ selbst durch Kontrastmittel stark geschädigt werden. „Neueste Daten zeigen interessanterweise, dass das Risiko einer Kontrastmittel-Nephropathie insgesamt viel niedriger ist, als in der Vergangenheit gedacht, insbesondere bei der Gabe von Kontrast über die Vene“, resümiert Uder. Ausreichend wissenschaftlich untermauert ist dies bisher noch nicht. „Deshalb also bitte weiterhin vorsichtig sein“, mahnt der Experte abschließend.


PROFIL:
Prof. Dr. Michael Uder studierte Humanmedizin an der Universität des Saarlandes, Homburg, wo er auch seinen Facharzt für Radiologie ablegte. Nach seiner Habilitation im Jahr 2002 über die Nebenwirkungen von Röntgenkontrastmitteln an der Niere war er von 2003 bis 2009 als Professor für Radiologie am Radiologischen Institut der Universitätsklinik Erlangen tätig. Seit 2009 steht er dem Institut als Direktor vor. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen auf den Nebenwirkungen von Kontrastmitteln, der Diagnostik des Urogenitalsystems, der Interventionellen Radiologie sowie auf Strahlendosis und Dosisreduktion.

25.09.2015

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