3D-Illustration eines Knochens mit Osteoporose
3D-Illustration eines Knochens mit Osteoporose

© Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

News • Übersehene Frühwarnzeichen

„Nur“ ein Knochenbruch? Studie zeigt Lücken in Osteoporose-Diagnostik

Eine österreichweite Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Osteologie (LBI Osteologie) und des Complexity Science Hub (CSH) zeigt, dass viele Frakturen als typische Frühwarnzeichen für Osteoporose gelten, jedoch im Klinikalltag häufig nicht als solche erkannt und dokumentiert werden. Dabei sind Männer und jüngere Patienten häufiger betroffen.

Osteoporose, eine Erkrankung, bei der die Knochen an Dichte und Stabilität verlieren, zählt zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter und erhöht das Risiko für Knochenbrüche erheblich. Trotzdem wird sie häufig erst nach dem ersten typischen „Osteoporose-Bruch“, beispielsweise an der Hüfte, erkannt. Eine neue Studie des LBI Osteologie und des CSH liefert erstmals einen österreichweit umfassenden Überblick darüber, wie Osteoporose und verschiedene Frakturtypen in österreichischen Krankenhausdaten gemeinsam auftreten. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal Bone publiziert und zeigen, dass Knochenbrüche meist Teil eines komplexen Musters aus mehreren Erkrankungen sind und unterstreichen die Bedeutung einer konsequenten Osteoporose-Abklärung zum Zeitpunkt eines Knochenbruchs. 

Jede Fragilitätsfraktur sollte als Warnsignal verstanden werden, um eine Frakturkaskade frühzeitig zu durchbrechen

Roland Kocijan

Knochenbrüche entstehen meist nicht durch eine einzelne Ursache. Neben der Knochenmineraldichte spielen auch Begleiterkrankungen, das Sturzrisiko sowie der allgemeine Gesundheitszustand eine wichtige Rolle. Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen, analysierte das Forschungsteam österreichische Krankenhausdaten von mehr als 1,7 Millionen Patienten im Alter zwischen 50 und 79 Jahre, die zwischen 2003 und 2014 im Rahmen von Versicherungsansprüchen erhoben wurden. Anstatt einzelne Erkrankungen isoliert zu betrachten, untersuchten die Forschenden erstmals österreichweit, welche Diagnosen gemeinsam mit Osteoporose und verschiedenen Frakturtypen auftreten. 

„Osteoporose und Knochenbrüche treten in der klinischen Praxis häufig gemeinsam mit vielen weiteren Erkrankungen, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder neurologische Erkrankungen auf“, erklärt Martina Behanova, Studienerstautorin und Senior Researcher am LBI Osteologie. Roland Kocijan, Leiter des Bereichs Osteologie und seltene Knochenerkrankungen am Hanusch-Krankenhaus Wien ergänzt: „Um das Risiko weiterer Frakturen zu verhindern, empfehlen wir daher das gesamte Gesundheitsprofil der Patienten zu berücksichtigen. Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine konsequente Osteoporose-Abklärung nach einem Knochenbruch ist, um weitere Frakturen zu verhindern.“ 

Im Zuge der Studie wurde klar, dass Osteoporose bei vielen Frakturarten nicht systematisch dokumentiert wird, obwohl diese Brüche häufig auf eine zugrunde liegende Knochenschwäche hinweisen und teilweise bereits als typische Fragilitätsfrakturen gelten. Besonders deutlich wurden die Unterschiede zwischen verschiedenen Knochenbruchtypen. Hüftbrüche standen am häufigsten mit einer dokumentierten Osteoporose in Zusammenhang, vor allem bei Frauen ab 60 Jahren. 

Darüber hinaus zeigen die Ergebnisse, dass viele typische osteoporotische Frakturen – insbesondere an Unterarm, Oberarm und Becken – im klinischen Alltag noch immer nicht konsequent als Ausdruck einer Osteoporose erkannt werden. Dabei erfüllen diese Frakturen bereits die Diagnose einer manifesten Osteoporose und erfordern eine rasche Abklärung sowie den Beginn einer spezifischen Osteoporosetherapie, um weitere Knochenbrüche zu verhindern. 

Besonders alarmierend ist, dass Frakturen häufig nicht isoliert auftreten, sondern eng mit weiteren Frakturen an anderen Skelettregionen assoziiert sind. „Jede Fragilitätsfraktur sollte daher als Warnsignal verstanden werden, um eine Frakturkaskade frühzeitig zu durchbrechen“, so Kocijan. Dabei ist jedoch zu beachten, dass die Studie ausschließlich stationäre Krankenhausaufenthalte erfasste. Ambulant behandelte Brüche, wie sie bei diesen Frakturtypen häufig vorkommen, konnten nicht berücksichtigt werden. 

Die Studie zeigte außerdem deutliche Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Während Osteoporose bei Frauen häufiger im Zusammenhang mit verschiedenen chronischen Erkrankungen wie beispielsweise Arthrose dokumentiert wurde, erfolgte die Diagnose bei Männern oft erst im Zusammenhang mit einem bereits eingetretenen Knochenbruch. 

Besonders auffällig war, dass Osteoporose bei Männern sowie bei Patienten im Alter von 50 bis 69 Jahren deutlich seltener im Zusammenhang mit Frakturen diagnostiziert bzw. dokumentiert wurde. Gleichzeitig fanden sich bei Männern dieser Altersgruppe häufiger verletzungs- und alkoholassoziierte Begleitdiagnosen. „Osteoporose wird bei Männern möglicherweise zu spät erkannt“, so Elma Dervić, Studienautorin und Postdoctoral Researcher am CSH. „Damit verpassen wir wichtige Chancen, rechtzeitig Maßnahmen einzuleiten und weitere Frakturen zu verhindern. Eine frühere Diagnose kann entscheidend sein, um die Knochengesundheit langfristig zu schützen.“ 


Quelle: Ludwig Boltzmann Gesellschaft 

21.07.2026

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