Bildgebung in der Verlaufskontrolle

Keine Angst vor der Lungen-MRT!

Einsatz zur Verlaufskontrolle bei Mukoviszidose- Patienten

Beim Einsatz bildgebender Modalitäten zur Verlaufskontrolle oder der Einschätzung von Komplikationen bei Mukoviszidose-Patienten herrscht alles andere als Konsens. Leitlinien? Sind derzeit ausschließlich für den Nachweis der Erstbesiedelung mit Pseudomonas aeruginosa für den deutschsprachigen Raum in Arbeit. Darum werden die Schwerpunkte in der Art der Diagnostik in deutschen und europäischen Zentren auch künftig stark variieren.

portrait of Michael Puderbach
PD Dr. Michael Puderbach

In der Thoraxklinik an der Universitätsklinik Heidelberg, die gemeinsam mit der Kinderklinik ein Mukoviszidose-Zentrum bildet, setzt man verstärkt auf die Magnetresonanztomographie (MRT) – auch wenn diese bei der Lungenbildgebung landläufig noch nicht im Fokus steht. „Die MRT ist in erster Linie deshalb so interessant, weil sie den Patienten keiner Strahlenbelastung aussetzt. Dieser Aspekt wird immer wichtiger, denn die durchschnittliche Lebenserwartung der betroffenen Menschen liegt heute bei 40 Jahren, wir haben auch Patienten, die 50 Jahre und älter sind. Die kumulative Strahlendosis, der Patienten aufgrund von regelmäßigen Computertomographie- und Röntgen- Thorax-Untersuchungen in diesen 50 Jahren ausgesetzt sind, ist hoch. Es gibt Publikationen, die zeigen, dass Mukoviszidose-Patienten bei regelmäßiger Untersuchung mit ionisierenden Strahlen ein realistisches Risiko haben, einen strahleninduzierten Tumor zu erleben“, so PD Dr. Michael Puderbach, Leitender Oberarzt der Radiologie in der Thorax-Klinik des Heidelberger Universitätsklinikums.

Die MRT erlaubt daher kurzfristige, aufeinanderfolgende Therapiekontrollen ohne relevante Patientenbelastung. Darüber hinaus sprechen selbstverständlich auch diagnostische Aspekte für die MRT. Zwar zeigt die CT bei diskreten, peripheren Lungenveränderungen Vorteile, in der Erkennung typischer Befunde jedoch konnte in unterschiedlichen Studien gezeigt werden, dass die MRT zur Erfassung wesentlicher Veränderungen gut geeignet ist. „Ein wesentlicher diagnostischer Vorteil der MRT liegt in der Darstellung funktioneller Eigenschaften. Insbesondere die Darstellung der Lungendurchblutung scheint ein geeignetes Verfahren zu sein, um sehr frühzeitig und auch schon bei Säuglingen und Kleinkindern mit Cystische Fibrose (CF) Veränderungen zu erfassen, bevor es zu fixierten morphologischen Veränderungen kommt. Eine in diesem Stadium beginnende Therapie könnte fixierten und sich chronifizierenden Veränderungen der Lunge langfristig vorbeugen“, so Michael Puderbach.

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Jährliche Verlaufskontrolle eines 47-jährigen CF-Patienten. A: Koronare T2w HASTE mit Nachweis ausgedehnter Bronchiektasien, Bronchialwandverdickung und Mukusplugging. Zusätzlich rechts apikal Nachweis von 2 Bullae. B: T1w VIBE nach i.v. Kontrastmittelgabe mit Nachweis ausgedehnter Bronchiektasien und Bronchialwandverdickung. C: Subtraktion Kontrastmittel MR-Angiographie mit Nachweis einer deutlichen Dilatation der Bronchialarterien (Pfeil). D: Subtraktion der Kontrastmittel-Perfusionsmessung mit Nachweis großer perfusionsgestörter Lungenareale in den Oberlappen bds. (Pfeil).

Einziger Nachteil der Perfusionsmessung mittels MRT ist der Einsatz von Kontrastmitteln, ohne die es derzeit noch nicht geht. Allerdings arbeiten die Experten in Heidelberg an alternativen Methoden, konkret am Einsatz spezieller Sequenzen, die in Kombination mit einer softwaregestützten Nachbearbeitung die Lungenperfusionsbeurteilung auch ohne Kontrastmittel ermöglichen sollen.

Michael Puderbach sieht jedoch eine weitere Hürde, die einen flächendeckenden Einsatz der Lungen-MRT derzeit noch verhindert: „Mein Eindruck ist, dass eine Etablierung des Verfahrens an zu viel Respekt vor der Methode scheitert. Nach wie vor gilt die Lungen-MRT unter Radiologen als zu schwierig und zu kompliziert, weshalb viele lieber die Finger davon lassen. Dabei ist die Technik heute weit fortgeschritten und wir können auf bewährte Standardprotokolle zurückgreifen, die wirklich sinnvolle Informationen liefern. Mein Appell an meine radiologischen Kollegen lautet darum: Probiert es aus! Wenn wir Radiologen die Methode nicht propagieren, wird es schwierig, die klinischen Kollegen davon zu überzeugen.“ Und das würde dann wohl bedeuten, dass es auch in Zukunft keine klaren Richtlinien für den sinnvollen Einsatz der bildgebenden Möglichkeiten bei Mukoviszidose-Patienten geben wird.


Profil:

Nach seiner Promotion im Jahr 2002 absolvierte PD Dr. Michael Puderbach seine Facharztausbildung am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, wo er anschließend als Oberarzt und als stellvertretender kommissarischer Leiter in der Abteilung Radiologische Diagnostik und Therapie tätig war. Von 2008 bis 2010 leitete der 38-Jährige die Emmy Schmidt-Gruppe für Klinische Forschung im DKFZ und erhielt 2011 seine Habilitation. Der Vater von zwei Kindern und passionierte Badmintonspieler ist seit 2012 Leitender Oberarzt in der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Lungenbildgebung mittels MRT ist sein Forschungsschwerpunkt und Habilitationsthema.

30.05.2013

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